Zum Weltspieltag: Darum ist Spielen in der Natur so wichtig

  • Gerade in Zeiten der Corona-Krise waren zuletzt Puzzles und Brettspiele besonders gefragt.
  • Am 28. Mai findet jährlich der Internationale Weltspieltag statt: Das diesjährige Motto lautet: “Raus in die Natur!”
  • Das Spielen in der Natur fördert unter anderem die Kreativität aber auch die Konzentration.
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München. Keine Termine, kein Zeitdruck. Für viele Kinder sind die Einschränkungen der Corona-Pandemie eine Zeit des Aufatmens. "Die sind richtig froh, dass sie sich in Ruhe konzentrieren und ihr Ding machen können und dass sie in ihrem Zimmer mit ihren Spielsachen sitzen und sich selber die Zeit einteilen können", sagt Fabienne Becker-Stoll, die in München das Staatsinstitut für Frühpädagogik leitet.

Eine Pause im Alltag, der in normalen Zeiten mitunter sogar schon bei Kindergartenkindern durchgetaktet ist. Dabei haben Kinder ein Recht auf Spiel, fordert etwa das Deutsche Kinderhilfswerk und ruft wie jedes Jahr zum Weltspieltag auf. Am 28. Mai ist es wieder soweit. Das diesjährige Motto: “Raus in die Natur!”

Spielen in der Natur fördert Kreativität

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"Zeit in der Natur trägt zur Erholung bei, sie fördert zudem die mentale und soziale Entwicklung von Kindern, ihre Kreativität, ihre Entdeckerfreude sowie ihre Konzentration", erklärt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Kinderhilfswerkes. Doch das allein reicht nicht. Eltern seien heutzutage oft übervorsichtig. Er rät, wo es möglich ist, die Kinder auch alleine etwas machen zu lassen. "Die allermeisten Kinder haben eine natürliche Neugierde und Begeisterungsfähigkeit, die sie von allein nach draußen ziehen. Das sollten die Erwachsenen unterstützen und hier nicht auf der Bremse stehen."

Spielen als Ausgleich zur Mediennutzung

Ähnlich sieht es Jens Junge vom Berliner Institut für Ludologie, das sich der Spielforschung widmet. Bei der intensiven Mediennutzung heutzutage sei das Spiel im Freien für die Entwicklung und das Körpergefühl von Kindern unverzichtbar, sagt der Spiele-Experte der privaten SRH Hochschule für Kommunikation und Design. Auf Bäume klettern, hüpfen, irgendwo herunterspringen oder auf einem Baumstamm balancieren – eine wichtige Art des Spielens, die auch völlig ohne Spielsachen funktioniert. “Kinder sind kreativ genug, da sollte man sich darauf verlassen, dass ihnen nicht langweilig wird, sie greifen nach allem, was sie finden.”

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"Raus in die Natur!" lautet das Motto des diesjährigen Weltspieltages. © Quelle: Andreas Arnold/dpa

Mehr Zusammenhalt: Spiele für die Familie

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Doch nicht nur Toben im Freien ist wichtig – Spielen an sich ist, nach Ansicht von Experten, gut für Kinder und Erwachsene. “Spiele schaffen einen Ausgleich, erzeugen Entspannung, schaffen neue Erfahrungsräume, sie sorgen für Reflexion, damit für Erneuerung”, ist Junge überzeugt. “Spiele haben den schönen Vorteil, dass sie Erfolge verschenken.” Auch Becker-Stoll ist von der positiven Wirkung überzeugt: “Das schweißt die ganze Familie zusammen, auch die Geschwister”.

Streit beim Spielen ist normal

Ein schönes Bild: Fröhlich sitzt die Familie um den Tisch und ist begeistert bei der Sache. Doch in der Realität geht es auch anders: Einer macht nervtötende Geräusche, die andere steht mittendrin auf und kommt ewig nicht zurück. Ein Glas Wasser ergießt sich über den Spielplan. Zwei diskutieren erbittert über die Spielregeln und am Ende fegt jemand wutentbrannt die Spielsteine vom Brett.

Gerade zwischen Geschwistern eskaliert der Streit dann schnell. Der Schweizer Psychologe Jürg Frick findet tröstende Worte: "Wenn die sich messen und miteinander streiten, ist es ein Zeichen, dass sie eine Beziehung zueinander haben. Reibung ist auch ein Ausdruck, dass sie aneinander Interesse haben."

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Streit unter Geschwistern ist normal – es zeigt: Sie haben eine Beziehung zueinander. © Quelle: Виктория Бородинова/Pixabay

Eltern sollten Vorbilder sein

Außerdem ließen sich beim Spielen Kompetenzen einüben – soziale und emotionale, erläutert Becker-Stoll. “Das setzt voraus, dass Eltern das gemeinsame Spiel feinfühlig und altersangemessen moderieren – damit es allen Beteiligten und insbesondere den Kindern richtig Spaß macht.” Ihr Tipp für aufbrausende Gemüter: Spiele, die das Miteinander stärken und in denen der Sieg des einen nicht auf Kosten des anderen geht. Zudem sollten alle gleiche Chancen haben. “Und Eltern sollten gute Vorbilder sein, wenn es darum geht, Niederlagen mit Humor einzustecken.”

Experten: Zeit und Humor sind wichtig

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Und manchmal hilft es auch, einfach nur zusammen zu sein, ganz unspektakulär. “Zeit haben, Zuhören, eine Geschichte erzählen, mal den Vater oder die Mutter für sich haben”, erklärt Frick. “Da ist es gut, wenn die Eltern weniger am Handy sind, sondern die Zeit auch nutzen, mit den Kindern etwas zu machen. Das ist auch sehr wichtig für die Eltern.”

Auch Becker-Stoll hat einen Tipp, sollten die Gefühlswogen hochschlagen: “Man kann auch mal richtig miteinander Quatsch machen, sich Beschimpfungen ausdenken, eine Kissenschlacht – irgendetwas, wo man diesen aufgestauten Druck spielerisch und mit Humor rauslassen kann.”

RND/dpa

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