Zu späten Müttern gehören auch späte Väter

  • Eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes belegt: Immer mehr Frauen bekommen erst mit über 40 Jahren ein Kind.
  • Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Frauen etablieren sich zunächst im Beruf.
  • Diese Entscheidung ist klug, meint Dany Schrader – denn so können sie dem Risiko der Altersarmut entgehen.
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Frauen, die in der damaligen DDR im Alter von 28 Jahren schwanger waren, erhielten einen Vermerk in den Unterlagen: Risikoschwangerschaft. Im vereinten Deutschland des Jahres 2019 liegt diese Altersgrenze deutlich höher, allein schon, weil sich knapp 30 Jahre später auch die medizinische Versorgung verbessert hat. In Gesamtdeutschland hat sich etwas verändert: Frauen bekommen immer später Kinder. Erst am Donnerstag hat das Statistische Bundesamt diesen Trend einmal mehr bestätigt: Von den 787.500 Neugeborenen, die im vergangenen Jahr das Licht der Welt erblickten, haben rund 42.800 Babys eine Mutter, die älter als 40 Jahre ist. Gegenüber 1990 hat sich die Zahl der späten Geburten fast vervierfacht.

Frauen schließen erst ihre Ausbildung ab – und bekommen dann ein Kind

Die Autoren der Studie nennen als Gründe für die späte Mutterschaft, dass Frauen vor der Familiengründung noch Ausbildung und Studium abschließen und sich im Beruf etablieren wollen: Viele Frauen starten heute erst in den Beruf, bevor sie sich ihren Kinderwunsch erfüllen. Da sie dort erst einmal Fuß fassen müssen und wollen, verschiebt sich die Familiengründung meist auf die Zeit nach dem 30. Lebensjahr, zweite und dritte Kinder wiederum folgen dann noch ein paar Jahre später.

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Wer die Studie „Mitten im Leben – Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren“ gelesen hat, die das Bundesministerium für Familie vor wenigen Jahren veröffentlichte, kann werdende Mütter zu einem solchen Entschluss nur beglückwünschen. Denn nach der Erhebung schaffen es nur 10 Prozent der deutschen Frauen zwischen 30 und 50 Jahren, bis ins Rentenalter hinein finanziell sicher auf eigenen Beinen zu stehen. Der Rest von ihnen ist mit einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 2000 Euro im Laufe des Lebens zwangsläufig zumindest zeitweise abhängig – von Sozialleistungen oder aber vom Gehalt des Ehemanns.

Grundstein für ein abgesichertes Leben

Als sozial besonders schwach gelten bis heute die Alleinerziehenden, die in der Mehrzahl der Fälle weiblich sind. Frauen, die vor der ersten Schwangerschaft im Beruf durchstarten oder zumindest eine Ausbildung abschließen, legen also einen Grundstein für ein finanziell abgesichertes Leben ihres Kindes.

Wer nach den Gründen für eine späte Mutterschaft fragt, sollte sich bewusst machen, dass die Gefahr eines prekären Lebens bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind durchaus eine Rolle spielen kann. Und wer dies ändern möchte, muss die gesellschaftlichen Voraussetzungen für frühere Familiengründungen schaffen: mit ausreichenden und flexiblen Betreuungsplätzen in Krippen und Kindergärten, Ganztagsschulen und flexiblen Möglichkeiten für den Wiedereinstieg der Elternteile in den Beruf. Nur so lassen sich Anreize auch für frühere Familiengründungen schaffen.

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Wer überdies auf die Generation der heute 30-Jährigen blickt, entdeckt vielerorts einen durchaus aufgeschlosseneren Umgang mit der Elternschaft: Die Frage der Teilhabe ist bei diesen Paaren weniger an klassische Rollenbilder gebunden als früher. Väter nehmen heute nicht nur viele Monate Elternzeit, sie wechseln auch Windeln und arbeiten in Teilzeit.

Es wäre ein richtiger Schritt, die Frage der späten Elternschaften somit an Zahlen beider Geschlechter und nicht nur anhand der Frauen zu betrachten. Zu einer späten Mutterschaft gehört schließlich immer auch ein Vater. Meistens ist dieser ähnlich spät dran.

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