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Zeit ist relativ: Fantasievolle Kartenspiele für die ganze Familie

  • Spiele müssen nicht immer digital stattfinden, in anderen Welten spielen und die Aufmerksamkeit mit einer lauten Geräuschkulisse bannen.
  • Zeitweise reicht auch die Vorstellungskraft, wie zwei minimalistische Kartenspiele beweisen.
  • “Wir sind die Roboter” und “Contact” im Test.
Stefan Gohlisch
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Spieleautoren sind gesellige Menschen. Manchmal sprechen sie auch miteinander und unterhalten sich über ihre neuen Ideen. So war das auch bei Reinhard Staupe (“Speed”) und Steffen Benndorf (“The Game”), beide Autoren von modernen Kartenspielklassikern – nur dass sie bei diesem speziellen Telefonat erst einmal erschraken.

Beide hatten dieselbe Idee, erzählten sie bei den vergangenen Essener Spieletagen. Sie erdachten Spiele, die sich auf das Gefühl für Zeit und Raum der Teilnehmer verlassen. Nach kurzer Überlegung beschlossen sie, ihre Ideen trotzdem weiterzuverfolgen und zu schauen, wohin das führt. Heraus kamen Staupes Kinderspiel “Wir sind die Roboter” und Benndorfs “Contact”, das sich an Familien richtet.

Robotergeräusche zum Selbermachen

Zeit ist relativ – und das Gefühl dafür erst recht. Diese Tatsache machen sich beide Spiele zunutze. In beiden Fällen gibt es eine Art Spielleiter, der signalisiert, wie lange man von einem Ort zum nächsten braucht. Und seine Mitspielenden müssen quasi erspüren, was genau er meint.

Das klingt erst einmal abstrakt, ist es aber nicht. Bei “Wir sind die Roboter”, das als Kinderspiel des Jahres nominiert ist, zeigen Karten am Anfang einen Startpunkt, eine Strecke und rechts und links davon Gegenstände. Ihre Rückseiten zeigen der Person, die gerade den Roboter spielt, wie schnell der sich bewegt und bis zu welchem Gegenstand. Sind alle bereit, macht der Roboter “Beep”, fährt – in Gedanken – die Strecke ab und macht nochmals “Beep”, wenn er angekommen ist. Aber wie schnell ist “schnell”? Die Mitspieler müssen das erraten, also vielmehr erraten, was für ein Zeitgefühl der Roboterspieler hat.

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Reinhard Staupe: “Wir sind die Roboter”. NSV, für zwei bis sechs Spielende ab fünf Jahren, etwa 10 Euro. © Quelle: NSV

Reise durch die Galaxie – auf einer Tischplatte

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“Contact” ist ein wenig komplizierter. Hier geht es nicht um eine eindimensionale Strecke, die man entlangfährt. Hier ist die gesamte Tischfläche mit kleinen Pappplaneten gefüllt. Dort reist der Spielleiter von Planet zu Planet, immer in gerader Linie, zur Not mit Abbiegung. Dazu signalisiert er nicht nur die Reisedauer, sondern auch jeden Richtungswechsel.

Steffen Benndorf: “Contact”. NSV, für zwei bis fünf Spielende ab acht Jahren, etwa 17 Euro. © Quelle: NSV

Beide Spiele verblüffen vor allem dadurch, dass sie funktionieren. Im Familienbereich hat jedoch Wolfgang Warschs geniale Hirnverschmelzung “The Mind” aus demselben Verlag noch die Nase ein wenig vorn vor “Contact”, weil sie subtiler ist. “Wir sind die Roboter” hingegen ist ein famoser Ruhigsteller: Selten sieht man Kinder so konzentriert am Spieltisch wie hier. Und die Erwachsenen bekommen einen Kraftwerk-Ohrwurm frei Haus.

RND


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