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Spielerische Zahnpflege: So motivieren Sie Kinder zum Zähneputzen

  • Kinder können das Zähneputzen am Morgen oder Abend häufig gar nicht leiden.
  • Es gibt viele Tipps, Tricks und Helfer, die dabei helfen können.
  • Diese stellen wir hier vor.
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Berlin. Kindern dürften wohl unzählige Dinge einfallen, die sie lieber tun als Zähneputzen. Damit der Nachwuchs das Bürsten nicht vernachlässigt und die Zähne richtig saubermacht, müssen die Eltern Kinder dabei begleiten. „Das ist ein Erziehungsprozess, wie alles andere auch“, erklärt Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. „Man muss mit einer gewissen Kontinuität rangehen und Zwang vermeiden.“

Sein Rat ist, das Zähneputzen von Anfang an als festes Ritual im Tagesablauf zu verankern. „Wenn man es vom ersten Milchzahn bis zum Schulanfang durchzieht, geht es in Fleisch und Blut über.“ Gerade mit zunehmendem Lebensalter sei es oft nicht mehr eine Frage der Technik - stattdessen gehe es darum, dass man das Ritual gut gepflegt hat.

Um dem Nachwuchs das Zähneputzen beizubringen, empfiehlt Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente, die KAI-Methode. Diese regelt eine feste Reihenfolge, die sich Kinder leicht einprägen können. Dabei werden erst die Kauflächen, dann die Außen- und am Ende die Innenflächen geputzt.

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Ab dem ersten Milchzahn mit dem Putzen beginnen

Sobald der erste Milchzahn durchbricht, sollten Eltern das Zähneputzen bei ihrem Kind starten. Weil die Kinder es gerade in den ersten Jahren nicht immer so genau nehmen, sollte das Ergebnis auch ruhig überprüft werden - bis die Kinder in der ersten oder zweiten Klasse sind, sollte man Oesterreich zufolge „auf jeden Fall nachputzen“. Wichtig sei allerdings, dass die Kleinen immer vorher selbst putzen. Richtig gut selbst die Zähne putzen können Kinder meist ab der dritten Klasse. Als Merksatz gilt: Wer Schreibschrift schreiben kann, kann auch Zähneputzen.

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Ein früher Start ist wichtig, damit die Kinder das Zähneputzen ebenso wie das Laufen und Sprechen lernen. Nur weil die Milchzähne ohnehin ausfallen, heißt das nicht, dass sie nicht ordentlich geputzt werden müssen. „Wer schon im Milchgebiss Karies hat, wird oft auch Karies und Folgeschäden im bleibenden Gebiss haben“, sagt Prof. Michael Walter von der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik an der TU Dresden im „Zahnreport 2020“ der Krankenkasse Barmer.

Schon der erste Zahn sollte von den Eltern geputzt werden. Jedoch sollte vorsichtig geputzt werden. „Wer darüber schrubbt, tut dem kleinen Kind weh - es wird sich nicht mehr gerne die Zähne putzen lassen“, erklärt Johanna Kant, Vorsitzende des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte. Am besten putzen Eltern Kleinkind-Zähne mit einer Bürste mit kleinem Kopf und weichen Borsten, sagt Oesterreich. Fingerlinge für die Zahnpflege von Babys seien nicht so effektiv, zudem fehle der gewünschte Gewöhnungseffekt einer Zahnbürste. Wenn es für die Eltern einfacher ist, können sie auch eine elektrische Zahnbürste verwenden.

Vater und Mutter sollten sich außerdem ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und dem Kind eine ordentliche Zahnhygiene vorleben. Es kann etwa helfen, öfters mal gemeinsam die Zähne zu putzen - damit das Kind sieht, wie es die Großen eigentlich machen.

Tipps, Tricks und kleine Helfer fürs Zähneputzen

Schon mit kleinen Dingen kann man Kinder fürs Zähneputzen motivieren. Es ist wichtig, ihnen zu erklären, warum es so wichtig ist. Ein bisschen Spaß an der Sache kann aber keinesfalls schaden. Probieren Sie doch mal ein paar dieser Dinge aus:

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  • die Kinder mitbestimmen lassen - lassen Sie das Kind Zahnbürste und Zahnpasta selbst auswählen
  • elektrische Zahnbürsten haben bei Kindern keine Vorteile, was die Sauberkeit der Zähne angeht, können allerdings motivieren, sich die Zähne zu putzen
  • die Zeit messen - mit einer hübschen Eieruhr, einer niedlichen Sanduhr oder einer lustigen digitalen Zahnputzuhr die blinkt, leuchtet und Signale gibt
  • Handpuppen putzen lassen - das macht Spaß und die Charaktere können ins Putzen eingebaut werden: die Maus putz vorsichtig, der Elefant mit großen Schwüngen und die Fee zaubert die Zähne im Nu sauber
  • für jedes Mal (ordentlich) Zähneputzen können Kinder auch einen Sticker bekommen, den sie anschließend in ihrem Heft einkleben können
  • Zahnputz-Songs: Im Internet gibt es viele Lieder, die extra für das Zähneputzen gedacht sind und die Kinder spielerisch durchs Zähneputzen führen - mit Titeln wie „Zahnputzsong“, „Hacki Backi“, „Die Zahnfeuerwehr“ oder „Schrubb Schrubb“
  • wenn Kinder älter werden und mit den Zahnputzliedern nichts mehr anfangen können, können Sie auch „coole Songs für coole Kids“ suchen, im Idealfall dauern diese auch etwa zwei Minuten

Auch im Handel gibt es einige smarte Helfer zu kaufen, die Kinder spielerisch motivieren sollen, Zähne zu putzen. Die „Playbrush“ zum Beispiel ermöglicht es Kindern, mit der Zahnbürste Spiele zu spielen. Das funktioniert ähnlich wie mit einem Wii-Controller. Indem Kinder ordentlich und an allen Stellen im Mund putzen, können sie Bakterien besiegen, Bilder ausmalen oder ein kleines Flugzeug über den Himmel fliegen lassen. Dafür gibt es eine App für Smartphone und Tablet, die mit der Zahnbürste auf dessen Bewegungen reagiert.

Solche Modelle gibt es als eigenständige Zahnbürste oder auch als Fuß für die meisten gängigen Handzahnbürsten. Wer immer neue Spiele haben möchte, muss allerdings neben den Anschaffungskosten in ein Abo investieren.

Spielerisches Zähneputzen kann einen kleinen Motivationsschub auslösen. © Quelle: Playbrush

Ein ähnliches Angebot gibt es auch von Colgate. Die „Colgate Magik Toothbrush“ gibt es bisher aber nur auf dem amerikanischen Markt zu kaufen.

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Zähne putzen per App

In den Appstores finden sich einige smarte Apps, die spielerisch beim Zähneputzen helfen sollen. So gibt es zum Beispiel den „Disney Magic Timer“, den Oral-B herausgebracht hat. Für zwei Minuten Zähneputzen erhält man hier einen Sticker aus der Disney-, Marvel- und Star Wars-Welt. Nicht nur die Disney-Figuren sind bei Kindern sehr beliebt, es hat auch den Charakter von Sammelbildern. (iOS | Android)

Bei der App „Brush Up“ lernen Kinder zusammen mit ihrem Zahnbürstenlehrer Budd das richtige Putzen. Auf dem Bildschirm sehen sie die dreckigen Zähne vom lustigen Budd, die gemeinsam geputzt werden müssen. Als Belohnung fürs Zähne putzen können Einrichtungsgegenstände für ein virtuelles Badezimmer gekauft werden. Allerdings auf Englisch. (iOS | Android)

Auf musikalische Untermalung setzt die „Putzzeit“ von Odol-med3. Neben einem speziellen Zahnputzsong können auch andere Lieder abgespielt oder auch eine eigene Playlist integriert werden. (iOS | Android)

Im doppelten Sinne „Monster wegputzen“ können Kinder in der App „ZahnHelden“. Die Handykamera zeichnet die Putzbewegungen des Kindes auf und lässt kleine Monster dort erscheinen, wo noch geputzt werden muss. Putzt das Kind richtig, besiegt es die Monsterchen auf den Zähnen. (iOS | Android)

Einige Nutzer bewerteten die Apps teils eher kritisch. Daher sollten Sie sich die App erst einmal selbst anschauen, bevor sie mit ihren Kindern das Zähneputzen üben wollen.

Frühzeitig zum Zahnarzt gehen

Hilfreich ist auch, das Kind frühzeitig mal mit zum Zahnarzt zu nehmen. „Auch um die Kontrollen zur Normalität werden zu lassen“, wie der Experte sagt. Im frühkindlichen Bereich gehe es hier eher um ein spielerisches Kennenlernen des Zahnarztes. Später aber wird bei den Kontrollen auch die Technik des Putzens thematisiert. Dietmar Oesterreich dazu: „So lernen die Kinder auch, wie es richtig geht.“ Angst vorm Zahnarzt haben Kinder meistens nicht - höchstens dann, wenn die Kleinen Karies und somit schon früh Schmerzen haben.

Laut einer Studie der Krankenkasse Barmer hat ein Drittel der Zwölfjährigen in Deutschland Karies in den bleibenden Zähnen. Zuvor ging man von rund 20 Prozent aus. Der “Zahnreport 2020” berichtet von 240.000 Kindern mit einer Karies-Behandlung im Jahr 2018. Bei Kindern unter sechs Jahren waren mehr als 15 Prozent noch nie beim Zahnarzt, das sind rund 720.000 Kinder.

mit dpa

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