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Wer bekommt den Heiligabend? Wenn getrennte Eltern Weihnachten feiern

  • Leben die Eltern getrennt, ist Weihnachten oft ein unangenehmes Thema.
  • Denn meist wollen beide Elternteile den Heiligabend mit dem Kind verbringen.
  • Die Ideallösung sei, wenn getrennte Eltern trotz allem gemeinsam mit dem Kind Weihnachten feiern, findet Familien- und Paartherapeutin Cornelia Kroes.
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Einen Weihnachtsbaum werde sie noch besorgen, Geschenke wird es geben, auch ein schönes Abendessen. Alles andere aber ist noch unklar. Es ist das erste Weihnachten seit der Trennung und Mutter Caro steht vor vielen Fragen: Wie und wo werden sie feiern? Wer wird dabei sein? Wie machen wir es mit den Geschenken? Und vor allem: Geht das überhaupt, ein schönes Weihnachtsfest so kurz nach der Trennung?

Als Paar getrennt, als Familie zusammen Weihnachten feiern?

Gehen Eltern getrennte Wege, gibt es viele Dinge zu klären. Nicht immer gelingt das so harmonisch, wie sich die Beteiligten das vielleicht wünschen. An emotional aufgeladenen Feiertagen wie Weihnachten wird es oft besonders kritisch, wenn Paare darum ringen, wer Herzenswünsche erfüllt, wer den Heiligabend bekommt, was Kinder gerade wirklich brauchen und ob sie vielleicht doch zusammen feiern könnten.

Letzteres sei die Ideallösung, findet Familien- und Paartherapeutin Cornelia Kroes aus Münster. „Eltern sollten sich immer bewusst sein, dass sie sich zwar als Paar, aber nicht als Familie getrennt haben“, so die Therapeutin. „Und Weihnachten ist ja nun ein Familienfest. Es wäre also schon schön, wenn das auch im Äußeren erkennbar ist.“

Keine heile Familie vorspielen, sondern neuen Weg finden

Vorausgesetzt natürlich, dass dies überhaupt möglich wäre. Einen gemeinsamen Heiligabend kann sich Caro zum Beispiel nur sehr schwer vorstellen. Der Vater aber drängt, sie sollten unbedingt zusammen feiern. Für die Kinder. Expertin Kroes hält dagegen: Ja, Kindern bräuchten die Gewissheit, dass die Familie bestehen bleibe. „Aber es müssen Lösungen gefunden werden, die für alle lebbar sind.“ Und manchmal seien das eben nur die zweitbesten Lösungen für die Kinder.

Es geht also nicht darum, eine heile Familie vorzuspielen, sondern einen neuen Weg zu finden für sich als Familie – eben mit getrennt lebende Eltern. „Wovon man sich verabschieden muss ist die Vorstellung, dass es ein Weihnachten wie früher werden wird. Denn das gibt es nicht mehr.“

Vater von zwei Jungs nach der Trennung: „So ausgestoßen zu sein, das verletzt natürlich“

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Diese Erfahrung musste auch Moritz machen. „Das erste Weihnachten nach der Trennung war hart“, sagt der Vater von zwei Jungs im Grundschulalter. Sie wollten so wenig wie möglich ändern, er ist sogar an Heiligabend mit zur Familie seiner Ex-Frau gekommen. „Alle haben sich um eine gute Stimmung bemüht, aber für mich war das schon ein ganz seltsames Gefühl. Alles war so vertraut und gleichzeitig war ich ja nicht mehr Teil dieser Gesellschaft. So ausgestoßen zu sein, das verletzt natürlich.“

Seither nimmt sich der Vater an Heiligabend lieber zurück, sieht die Kinder morgens und bleibt den Rest des Tages allein. „Ich will vor allem, dass die Jungs ein schönes Weihnachten haben. Sie sollen ihre Tante, ihre Cousins und ihre Oma sehen. Da will ich nicht der Doofmann sein und sagen: Nee, Heiligabend müsst ihr zu mir!“ Inzwischen sei er sogar ganz entspannt was Weihnachten betrifft, so Moritz. „Mir hilft es total, dass wir eine klare Absprache getroffen haben. Ich weiß, wann ich wo gebraucht werde und wann ich es mir auch selbst nett machen kann.“

Expertin: Geschenke für Kinder sollten von beiden Elternteilen etwa gleichwertig sein

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Tatsächlich komme es auch auf eine gute Planung an, sagt Therapeutin Kroes, schließlich brauche man auch in Zukunft die Kooperation des anderen Elternpartners, „da sollten alle Beteiligten fair bleiben“. Neben Absprachen über Zeit und Ort geht es auch um die Geschenke. „Schlecht wäre ein gegenseitiges Überbieten, deshalb sollten die Geschenke angemessen und vom Wert her etwa gleich ausfallen“, so Kroes.

Fair bleiben, das gilt natürlich auch in Bezug auf die Kinder. Wie viel können sie mitentscheiden? Wann wird die Verantwortung zu groß? „Ich habe die Kinder bisher nicht gefragt, was sie sich fürs Weihnachtsfest wünschen“, erzählt Caro. Sie hat Sorge, der emotionale Druck könne zu groß werden. Gerade die beiden älteren, sieben und neun Jahre alt, fühlten sich oft verantwortlich, „sie würden sich vermutlich gar nich trauen zu sagen, was sie sich wünschen, weil sie Mitleid hätten mit ihrem Vater. Oder aber jeder wünscht sich etwas anderes. Damit wäre auf jeden Fall irgendeins der Kinder am Ende enttäuscht und fühlt sich mit seinen Wünschen nicht berücksichtigt.“

Kindern Chance auf Mitbestimmung geben

„Grundsätzlich gibt es Kindern ein besseres Gefühl, wenn sie mitwirken können“, gibt die Therapeutin zu bedenken. „Schlecht ist es aber, wenn sie dabei Partei für ein Elternteil ergreifen müssen.“ Eine Lösung könnte sein, wenn Eltern mögliche Varianten für die Feiertage durchspielen und eine Vorauswahl treffen, mit denen sie selbst gut klarkommen könnten. So hätten die Kinder immer noch eine Chance auf Mitbestimmung.

Die meisten Erwachsenen aber werden einen Kompromiss finden müssen. Daher empfiehlt Kroes, während der Feiertage immer wieder Freiräume einzubauen, für Pausen, zum Durchatmen. Und nicht zu viele Aktivitäten zu planen, lieber mehr Puffer, „denn gerade am Anfang wird sicher viel schief gehen“. Und bevor einem in Anwesenheit des Ex-Partners die Hutschnur platzt, könne ein Spaziergang helfen, vielleicht sogar ein einfaches Schuhe Zubinden. „Das reicht manchmal schon aus, um die Gedanken neu zu sortieren und sich klarzumachen: Nur noch ein paar Stunden, dann ist’s auch wieder vorbei.“

Als getrenntes Paar gemeinsam mit dem Kind Weihnachten feiern kann emotional belasten

Es gibt sie aber auch, die Paare, die sich nicht nur irgendwie zusammenreißen. Die einen neuen, einen guten Weg als Familie finden. An diesem Heiligabend werden Verena und Tanja wieder mit Theo frühstücken. Es ist das vierte Weihnachten, dass sie als getrenntes Paar gemeinsam mit ihrem Sohn verbringen. Frühstück bei Mama Verena, Bescherung mit einem gemeinsamen Geschenk. Dann fährt Verena mit dem Achtjährigen zu ihren Eltern, Bescherung am Abend mit einem weiteren Geschenk. Am ersten Feiertag bringt sie den Sohn zu Tanjas Vater, trinkt dort gemeinsam mit ihr und der anderen Verwandtschaft Kaffee, abends Bescherung mit einem Geschenk von Tanja.

„Wir wollten Theo zeigen, dass seine Familie erhalten bleibt“, erzählt Verena. „Gleichzeitig haben wir ein Setting gewählt, bei dem wir nicht so viele Stunden gemeinsam verbringen müssen. Denn gerade am Anfang war das für uns emotional schon sehr belastend.“ Der neue Ablauf ist inzwischen zum Ritual geworden. Wichtigste Voraussetzung dafür: Es sollte sich für alle okay anfühlen. „Dafür mussten wir Erwachsenen die Bedürfnisse untereinander klären. Wir mussten viel miteinander reden, darüber, wo unsere Möglichkeiten, aber auch unsere Grenzen liegen.“

Auch der ein oder andere neue Partner war schon Teil dieses neuen Rituals – meist ohne größere Konflikte. Aber klar, weitere Personen könnten grundsätzlich die Dynamiken noch einmal ändern. Doch auch da sind sich die beiden Mütter einig: Das Weihnachten gehört ihnen als Familie – da hat ein neuer Partner oder eine neue Partnerin so schnell auch nichts zu melden.

Paartherapeutin: Gemeinsam beraten und nicht vor vollendete Tatsachen stellen

Wiederum komplizierter wird es, wenn noch weitere Kinder mit ins Spiel kommen. Für Patchworkfamilien sei eine gute Planung unerlässlich und vorbereitende Gespräch der „Kerneltern“ und auch Gespräche mit den Großeltern, rät Kroes. „Dabei sollte die Devise sein: Niemanden vor vollendete Tatsachen stellen, sondern gemeinsam beraten und die Bedürfnisse äußern und die von anderen erfragen.“ Neue Partnerinnen und Partner sollten nur dann an der Familienweihnacht mit Kindern teilnehmen, wenn sie schon gut und verlässlich bei den Kindern eingeführt sind. „Ich finde es sinnvoll, dass die, die hauptsächlich zusammen wohnen, auch den Heiligabend miteinander verbringen“, sagt die Therapeutin. „An den restlichen Feiertagen kann dann zum anderen Elternteil und den übrigen Verwandten ausgeschwärmt werden. Und wenn dazu die zwei Weihnachtsfeiertage nicht reichen, könnte man ja als Familie noch einen dritten und vierten Feiertag dazuerfinden.“

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