Wenn Papa im Knast ist: So versuchen Berater zu helfen

  • Wenn jemand in Haft muss, ist das nicht nur ein Einschnitt im Leben des Häftlings.
  • In Familien ist der Partner plötzlich alleinerziehend - und die Kinder leiden.
  • Noch komplizierter wird es, wenn Frauen nach der Geburt ihres Kindes ins Gefängnis gehen.
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Wittlich/Mainz. Eine Haftstrafe trifft nicht nur die Verurteilten, sondern ist auch für die Angehörigen schwierig. Gerade für Kinder ist es Experten zufolge schwer, damit klar zu kommen, dass ein Elternteil lange Zeit nicht zuhause ist. Initiativen wie die Anlaufstelle "Rückenwind" in Wittlich stehen Betroffenen mit Rat und einem offenen Ohr zur Seite.

"Bei uns kann man sagen, was man will, und das wird dann nicht weitergetragen", sagt Hans-Peter Pesch von "Rückenwind". Vor allem Frauen wendeten sich an die Initiative; gerade in Familien gehe es immer wieder um die gleichen Probleme. "Die Mütter tragen die Hauptlast während der Inhaftierung ihres Ehemanns", sagt Pesch. Häufig gebe es Geldsorgen. "Da fällt der Ernährer weg." Manche Frauen machten sich Sorgen, ob ihre Beziehung die Haftsituation aushalte. Und es gehe oft um den gemeinsamen Nachwuchs. "Die Erziehung der Kinder ist natürlich ein Riesenthema und das Gerede der anderen."

Belastend sei für viele, dass man sich nicht einfach erkundigen könne, wie es ihrem Mann gehe, erzählt Pesch. "Der Kontakt ist immer noch von innerhalb des Gefängnisses nach außen möglich, anders herum nie." Zwar sei es möglich, Briefe zu schreiben. Aber es dauere lange, bis die beim Empfänger ankämen. Die Staatsanwaltschaft lese beispielsweise während der Untersuchungshaft mit.

Eine Belastung für die Kinder

Einige Anlaufstellen haben auch Angebote speziell für Kinder und Jugendliche. Ein Beispiel ist der gemeinnützige Verein "Treffpunkt" in Nürnberg. Dort weiß Sozialpädagogin Beate Wölfel: "Die Kinder leiden natürlich sehr unter der Trennung." Schlimm sei unter Umständen auch die Tatsache, dass sie schweigen müssten, weil eine Haft ein Tabuthema sei. "Häufig dürfen Kinder das niemandem erzählen", sagt Wölfel. "Das ist für sie eine große Belastung."

Manchmal sagten Eltern ihrem Kind oder ihren Kindern auch gar nicht, dass Papa oder Mama im Gefängnis sind. Stattdessen werde zum Beispiel erzählt, der Vater arbeite im Gefängnis. Kinder durchschauten das schnell und spielten oft trotzdem mit, erklärt die Fachfrau. Dann könnten sie nicht einmal mit der Mutter über die Situation sprechen. Wölfel rät zur Offenheit beim Thema Inhaftierung. Vor allem kleinen Kindern sei es in der Regel egal, warum ein Elternteil im Gefängnis sei. Für sie sei wichtig, dass Vater oder Mutter wieder heimkomme.

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Damit Kinder mit ihren Fragen nicht alleine bleiben, bietet der Verein "Treffpunkt" unter anderem eine Online-Beratung und begleitete Besuche im Gefängnis an. Vor allem jüngere Kinder hätten oft konkrete Fragen zum Alltag, erzählt Wölfel. Sie fragten, wie groß eine Zelle sei, wo ihre Fotos aufgehängt seien, was der Vater den ganzen Tag im Gefängnis mache und ob er dort Freunde habe. Ältere Kinder interessierten sich beispielsweise dafür, ob ihr Vater Freigang haben könne und wann er wieder dauerhaft nach Hause komme.

Mutter-Kind-Gefängnisse sind die Ausnahme

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Wenn eine schwangere Frau ins Gefängnis muss, oder dort schon sitzt, entbindet sie in der Regel in einem örtlichen Krankenhaus, wie das Justizministerium berichtet. Nach der Geburt heißt es dann oft erst einmal Abschied nehmen. "In vielen Fällen werden die Kinder dann von Angehörigen aufgenommen und betreut." Nur in Einzelfällen könnten sie zusammen mit der Mutter in eine Mutter-Kind-Einrichtung im Justizvollzug eines anderen Bundeslandes kommen - wenn ein Platz frei ist. Außerdem müsse die Mutter die "notwendige Erziehungskompetenz" haben. Wo das Kind letztlich unterkommt, darüber entscheidet grundsätzlich das Jugendamt.

Der Bedarf an Mutter-Kind-Häusern in den Justizvollzugsanstalten (JVA) steigt allerdings nach Ministeriumsangaben: In den vergangenen Jahren hätten Inhaftierte in Rheinland-Pfalz nur zwei bis drei Babys pro Jahr zur Welt gebracht. Im vergangenen Jahr seien es jedoch zehn gewesen. Dafür sollen nun neue Angebote geschaffen werden.

RND/dpa