Wenn die Schnullerfee kommt

  • Die Entwöhnung vom Schnuller kann für Kinder und Eltern zum Drama werden.
  • Die Schnullerfee kann den Abschied leichter machen.
  • In seiner Rolle als Schnullerfee fühlte sich unser Familienkolumnist Birk Grüling jedenfalls als väterlicher Superheld – aber nur kurz.
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Vor einigen Wochen fragte mich ein Verlag, ob ich mir vorstellen könnte, einen Elternratgeber zu schreiben. Irgendwas mit Erziehung, ein aktueller Bezug. Meine Antwort lautete Nein. Weder habe ich die pädagogische Ausbildung (dreiviertel Lehramt und ein Master in Musikjournalismus) noch die persönliche Erfahrung (ein Kind), um anderen Eltern irgendwelche Tipps zu geben. Ich bin mir selbst viel zu oft unsicher mit meinen väterlichen Entscheidungen, lasse an manchen Tagen viel zu viel durchgehen, nur um an anderen viel zu viel zu meckern – wie vermutlich alle Eltern. Bis auf eine kleine Ausnahme: Ich bin eine ausgezeichnete Schnullerfee.

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Mein Sohn brauchte schon länger seinen Schnuller nur noch zum Einschlafen. Eine endgültige Trennung kam für ihn trotzdem noch nicht in Betracht – dachten wir jedenfalls. Als ich eines Morgens der Erzieherin im Kindergarten einen neuen Schlafschnuller übergab, teilte sie mir die verblüffende Neuigkeit mit, dass mein Sohn seit zwei Wochen keinen Schnuller mehr brauche. Im Plausch zwischen Gruppenraum und Garderobe fiel dann noch das für Kinderohren offensichtlich magische Wort „Schnullerfee“.

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Ist es pädagogisch ratsam, sein Kind mit Fabelwesen zu täuschen?

Wer der Fee seinen Schnuller überlässt, bekommt ein Geschenk. Völlig einleuchtend für meinen fast dreijährigen Sohn. Sein Wunsch stand schnell fest: Ein Motorroller einer bekannten Spielzeugmarke. Also steuerte ich als Schnullerfee einschlägige Läden an. Schon beim dritten Halt wurde ich fündig. Auch das abendliche Tauschgeschäft verlief ohne Komplikationen. Der Schnuller wurde für die Fee gut sichtbar im Kinderzimmer platziert und nach dem Einschlafen durch den Roller ersetzt. Mein Sohn freute sich riesig über seinen Roller. Nach dem Schnuller hat er seit diesem Tag nicht mehr gefragt.

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Einen Moment lang fühlte ich mich wie ein väterlicher Superheld, bereit, jede pädagogische Aufgabe dieser Welt zu meistern. Sogar ein Elternratgeber mit dem Titel „Schnuller ade, Weisheiten aus dem Leben einer Schnullerfee“ erschien schon vor meinem inneren Auge. Doch schnell kamen mir Zweifel. Den größten Teil der Schnullerentwöhnung hatten ja die Erzieherinnen geleistet Und ist es überhaupt pädagogisch ratsam, einen Plastikroller zu verschenken und sein Kind mit Fabelwesen zu täuschen? Vielleicht muss ich das mal in einem Erziehungsratgeber nachlesen.

Birk Grüling ist freier Bildungsjournalist und lebt mit Frau und Kind im Hamburger Speckgürtel.