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Wenn das Haustier stirbt: Entscheidung für ein neues Tier ist nicht immer leicht

  • Wenn das Haustier stirbt, wiegt die Trauer häufig genauso schwer wie die um Menschen.
  • Die Mensch-Hund-Bindung ist seit jeher hochemotional.
  • Viele fragen sich deswegen: Gibt es überhaupt einen geeigneten Zeitpunkt für einen neuen Hund? Ein Leitfaden.
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Berlin. Leeres Körbchen und keine kalte Schnauze, die einen zum Wachmachen anstupst: Wenn Hunde sterben, ist das nicht nur traurig, es stellt das ganze Leben auf den Kopf. Die Routine der Spaziergänge ist durchbrochen. Die Freiheit wird größer. Das Haaraufkommen in der Wohnung wird weniger, die Freude aber auch.

Trauerarbeit ist wichtig für die Besitzer

Fehlt ein vierbeiniger Partner zu sehr, liegt die Lösung denkbar nah: ein neuer Hund. Aber für viele Hundebesitzer fühlt sich das einfach falsch an. „Hunde haben einen immensen Stellenwert bei uns Menschen, meistens als Sozialpartner“, sagt die Psychologin Silke Wechsung. „Sie binden sich eng an ihre Person, sogar extremer als Kinder, die irgendwann unabhängig werden.“ So ein Wesen scheint kaum ersetzbar.

Gerade deshalb ist Trauerarbeit sehr wichtig. Psychologin Andrea Beetz, die an der IU Internationalen Hochschule Professorin für Heilpädagogik ist, sagt: „Nach einem halben bis einem Jahr ist beim Verlust eines Familienmitglieds das Schlimmste meistens überstanden.“ Ob Hund oder Opa gestorben sind, macht manchmal wenig Unterschied. So weh die Trauerarbeit tut, sie ist wichtig, um einem Leben ohne den Verlust entgegenzusehen.

Mensch und Hund hatten schon immer eine enge Verbindung

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Nun könnte man sagen: Ein Hund ist kein Mensch und überhaupt, die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts vereinsamt und vermenschlicht deshalb Tiere. Doch so ist es nicht, weiß Historikerin Mieke Roscher. „Die Mensch-Hund-Bindung besteht schon sehr lange, ohne den Hund wäre der Mensch niemals sesshaft geworden. Zum Jagen oder Vieh hüten hat er ihn gebraucht.“

Schon sehr früh zeigen Höhlenmalereien oder gemeinsame Gräber die enge Verbindung von Mensch und Hund, die zugegeben, eine ziemlich funktionale war – aber durchaus auch emotional. Und doch gab es, natürlich, einen Wandel in der Beziehung. „Mit dem Einzug von Hund und Katze in die bürgerlichen Stuben im 19. Jahrhundert entwickelte sich eine Partnerschaft jenseits des Nutzens.“ Die Nutz-Beziehung war zwar auch emotional behaftet, doch etwa seit dieser Zeit erlauben sich Menschen gegenüber ihren Hunden reine Emotionalität. „Das ist etwas, was sich eine Gesellschaft erst mal leisten können muss“, erklärt Roscher.

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Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den neuen Hund hängt eng mit diesen Emotionen zusammen: Einen Hund „ersetzen“, das ist in keinem Fall eine gute Idee, sagt Andrea Beetz. Es ist meistens hilfreich, wenn die größte Trauer bewältigt ist. Und man sollte sich vor Augen führen: „Der neue Hund wird anders sein als der alte.“

Wir Menschen sollten Hunde als Individuen sehen

Dabei kann es auch helfen einen auszuwählen, der sich vom alten deutlich unterscheidet. Eine andere Rasse oder zumindest ein anderes Geschlecht oder eine andere Farbe. „Es gibt die Menschen, die ihre Hunde der immer gleichen Rasse immer gleich benennen, aber es ist fraglich, ob das den Hunden zugutekommt. Denn man sollte sie schon als Individuen betrachten.“ Der einzige Rat, den man uneingeschränkt geben kann, ist laut Beetz: „Hören Sie auf sich selbst.“ Schwierig wird es da oft in Partnerschaften, hat die Psychologin beobachtet: „Hunde sind oft Streitpunkt in Partnerschaften. So auch, wenn es um die Suche nach einem neuen geht.“

Da kommt es nicht selten vor, dass der eine einen neuen möchte, der andere aber noch zu intensiv trauert. Hier rät Beetz, sich nach demjenigen zu richten, der noch Zeit braucht. Andernfalls sind Konflikte programmiert. Menschen, die sich sofort nach einem neuen umsehen, können mit dieser Entscheidung aber auch gut fahren. „Es gibt kein falsch und kein richtig. Jeder Mensch ist anders und für manche ist dieser Weg der richtige“, sagt Wechsung.

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Das verstorbene Tier macht Platz für einen weiteren Hund in Not

Kerstin Siebert aus Berlin zeigt, dass es dafür sogar gute Gründe geben kann. Ihre geliebte Ylvi starb im vergangenen Oktober nach acht gemeinsamen Jahren. Der zarte Griffon-Mischling fehlte und doch zog schon drei Wochen später Nachfolger Lucumon ein. So wie Ylvi kam auch er von einer Tierschutzorganisation. Ihre Motivation: „Ylvi fehlt, keine Frage. Aber sie fehlt sowieso. Jeder Hund ist anders liebenswert und so konnten wir einem weiteren Hund in Not ein Zuhause bieten.“ Lucumon ist Hund Nummer sieben des Paares. Er hält sie auf Trab und lenkt ein bisschen von der Lücke ab, die Ylvi hinterlassen hat.

Siebert hat viel Erfahrung mit Abschieden. Sie und ihr Partner nehmen immer ältere Hunde auf, meistens sind sie zwischen sieben und zwölf Jahre alt. „Dadurch haben wir das Ende natürlich immer mehr vor Augen.“ Das helfe. Und wie sieht es mit der Bindung aus, kann sie wirklich so schnell wachsen? Mal schneller, mal weniger schnell, sagt Siebert. Aber: „Man liebt sie irgendwann alle gleich, das habe ich ganz schnell gelernt. Und dabei ist es egal, wie alt der Hund ist.“

RND/dpa

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