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Was Väter und Mütter über das Elterngeld wissen sollten – die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Basiselterngeld, Elterngeld Plus und Partnerschaftsbonus, diese Varianten gibt es.
  • Je nachdem, wofür sich Eltern entscheiden, ist die Höhe und Dauer der Zahlung anders.
  • Wer Anspruch auf Elterngeld hat oder worauf beim Antrag zu achten ist: Antworten auf Fragen rund ums Elterngeld.
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Berlin/Bochum. Ein positiver Schwangerschaftstest stellt das Leben erst einmal auf den Kopf. Neben den ganzen Anschaffungen wie Kinderwagen und Babybett müssen sich werdende Eltern auch mit ihren Finanzen beschäftigen. Nach der Geburt erhalten sie für einige Zeit Elterngeld, mit dem sie die ersten Lebensmonate als Familie finanzieren können. 1,9 Millionen Mütter und Väter nahmen 2020 laut dem Statistischen Bundesamt die Leistung in Anspruch. Wichtige Fragen und Antworten.

Wer hat Anspruch auf Elterngeld?

Die Leistung können alle Eltern beantragen, egal ob sie vor der Geburt gearbeitet haben oder nicht. Sie erhalten Elterngeld sowohl für leibliche Kinder als auch Adoptivkinder oder das leibliche Kind der Lebenspartnerin. In Ausnahmefällen können auch Großeltern oder zum Beispiel Tanten und Onkel Elterngeld erhalten.

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„Schwierig wird es aber unter Umständen bei ausländischen Eltern“, weiß Carla Roder von der Beratungsstelle Pro Familia in Bochum. „Neben der jeweiligen Staatsangehörigkeit kommt es darauf an, ob der Aufenthalt voraussichtlich dauerhaft in Deutschland sein wird und ob hier gearbeitet werden darf. Kein Elterngeld gibt es während des Asylverfahrens oder mit einer Duldung.“

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Wie lange gibt es Geld?

Es gibt zwei Varianten: Basiselterngeld und Elterngeld Plus. Das Basiselterngeld zahlt der Staat zwölf Monate lang. Beantragen beide Eltern die Leistung, erhalten Eltern noch zwei Monate zusätzlich. Die bekommen auch Alleinerziehende.

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Ein Monat Basiselterngeld entspricht zwei Elterngeld-Plus-Monaten. Wer sich für diese Variante entscheidet, hat also 24 bis 28 Monate Anspruch auf Zahlungen.

„Wie lang genau der Bezugszeitraum ist, hängt auch davon ab, wie Eltern sich die Monate untereinander aufteilen. Sie können diese ganz flexibel nehmen, nacheinander oder gleichzeitig. Auch Pausen sind innerhalb der ersten 14 Lebensmonate möglich“, erklärt Roder. Festlegen muss sich übrigens niemand. Während des Bezugs lässt sich der Antrag für künftige Monate noch immer ändern.

Einen Stolperstein gibt es noch: „Für Mütter, die nach der Geburt Mutterschaftsgeld erhalten, gelten die betroffenen Lebensmonate des Kindes als Basiselterngeld-Monate und kommen in der Regel nicht zur Auszahlung“, sagt Roder.

Bei termingerechter Entbindung sind also mit achtwöchiger Mutterschutzfrist bereits zwei Monate Basiselterngeld verbraucht. Es verbleiben dann maximal zehn Lebensmonate mit Basiselterngeld oder 20 Lebensmonate Elterngeld Plus.

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Noch etwas verlängern lässt sich das Elterngeld mit dem Partnerschaftsbonus. Arbeiten beide Elternteile gleichzeitig vier Monate lang jeweils zwischen 25 bis 30 Stunden pro Woche, erhalten sie dafür vier Elterngeld-Plus-Monate. Alleinerziehende haben dazu ebenfalls die Möglichkeit.

Ab September 2021 gilt eine neue Regel: Dann gibt es den Partnerschaftsbonus zwei bis vier Monate lang bei einer Wochenarbeitszeit zwischen 24 und 32 Stunden.

Wie hoch ist das Elterngeld?

Mindestens 300 und maximal 1800 Euro beträgt das Basiselterngeld. Beim Elterngeld Plus gibt es davon monatlich genau die Hälfte. Zwillingseltern erhalten jeweils einen kleinen Zuschlag.

Wie hoch die Zahlung genau ausfällt, hängt vom früheren Verdienst ab, erklärt Michael Sittig, Rechtsexperte bei der Stiftung Warentest: „Als Faustregel gilt, dass es etwa 65 Prozent des vorgeburtlichen Nettoeinkommens gibt.“ Genauer können das Eltern mit dem Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums ausrechnen.

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Je nach Arbeitsverhältnis ist das relevante Nettoeinkommen ein anderes. Für Beamtinnen und Beamte, Soldaten und angestellte Väter gilt der Verdienst der letzten zwölf Monate vor der Geburt als Berechnungsgrundlage. Bei angestellten Müttern sind es die zwölf Monate vor dem Mutterschutz.

Wer selbstständig ist, muss in der Regel die Steuererklärung aus dem letzten Kalenderjahr vor der Entbindung vorweisen. „Manche Selbstständige gehen vor der Geburt noch mal in die Vollen und arbeiten sehr viel, um ihr Elterngeld zu erhöhen. Das bringt aber leider nichts mehr“, sagt Sittig.

Bringt der Wechsel der Steuerklasse etwas?

Ja, damit können Verheiratete das Elterngeld ein bisschen erhöhen. Der Ehepartner, der mehr Monate Elterngeld beantragen wird als der andere Elternteil, sollte in die Steuerklasse III wechseln. Dadurch steigt der Nettolohn. „Bei den allermeisten Paaren bringt das etwas, sogar wenn sie die Monate gleich aufteilen“, sagt Sittig. „In dem Fall sollte der Mehrverdiener wechseln.“

Damit die Steuerklasse für das gesamte Jahr angerechnet wird, muss der Wechsel allerdings mindestens sechs Monate vor dem Mutterschutz geschehen – also gleich nach dem Schwangerschaftstest.

Derzeit greift übrigens noch eine spezielle Corona-Regelung: Monate mit Einkommensverlusten durch Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld, die zwischen März 2020 und Dezember 2021 liegen, können Eltern von der Berechnung ihres Elterngelds ausnehmen.

Welche Variante lohnt sich wann?

„Wer lange in Elternzeit gehen möchte und währenddessen nicht arbeitet, kann aus ökonomischer Sicht zwischen Basiselterngeld oder Elterngeld Plus frei wählen“, sagt Sittig. Die Summe der staatlichen Zuschüsse bleibt in beiden Fällen gleich. Elterngeld Plus bedeutet in diesem Fall nur verdoppelte Auszahlungszeit bei halbiertem monatlichen Elterngeld.

Wer schnell wieder mindestens in Teilzeit arbeiten möchte, für den lohnt sich eher Elterngeld Plus. Denn der Hinzuverdienst ist beim Elterngeld Plus bis zu einer individuellen Zuverdienstgrenze möglich, ohne dass die Summe auf die Leistung angerechnet wird. „Letztendlich müssen die Paare aber abwägen, wie lange sie aussetzen oder wie viel sie arbeiten möchten. Und auch wie viel Geld sie in der Zeit brauchen.“ Die Elterngeld-Varianten lassen sich beliebig miteinander kombinieren.

Worauf achten beim Antrag?

Elterngeld können Eltern erst nach der Geburt des Kindes beantragen, spätestens aber nach drei Monaten muss er vorliegen. Allerdings ist das Wochenbett nicht gerade die beste Zeit, um sich mit Papierkram zu beschäftigen.

Werdende Eltern sollten sich deshalb etwa ab der 25. Schwangerschaftswoche mit dem Thema beschäftigen, empfiehlt Roder. „Viel früher sollte niemand anfangen, da sich im Verlauf der Schwangerschaft erste Überlegungen zur Elternzeit verändern dürfen und können.“

Schwangere können dann aber schon ihre Lohnsteuerabrechnungen zusammensuchen und den Antrag ausfüllen. Ist das Kind da, fehlt dann nur noch das Geburtsdatum vom Nachwuchs. „Ganz wichtig ist außerdem, dass beide Elternteile den Antrag unterschreiben. Auch, wenn einer von ihnen kein Elterngeld beziehen möchte.“

Was gilt bei Steuern und Versicherung?

Mütter und Väter, die in der gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert sind, bleiben auch während der Elternzeit pflichtversichert, und zwar beitragsfrei. Freiwillige Mitglieder müssen sich weiterhin versichern, zahlen aber in der Regel nur den Mindestbeitrag von knapp 170 Euro im Monat. Dafür erhalten sie ein etwas höheres Elterngeld. Wer einen pflichtversicherten Partner hat, ist über diesen beitragsfrei versichert.

Auch privat Krankenversicherte müssen weiterhin ihre Beiträge zahlen und erhalten ebenfalls dafür etwas mehr Elterngeld, weil keine Versicherungspauschale bei der Berechnung ihres Nettoeinkommens abgezogen wird.

Bei den Steuern kann es für manche Eltern im Folgejahr eine böse Überraschung geben. Zwar ist das Elterngeld selbst nicht steuerpflichtig, aber es steht unter Progressionsvorbehalt. Das bedeutet: Das Elterngeld wird bei der Bestimmung des Steuersatzes, der auf das restliche Einkommen fällig ist, angerechnet. „Das führt dazu, dass Eltern teilweise Steuernachzahlungen leisten müssen“, sagt Sittig. Er rät, vom Elterngeld dafür lieber etwas zurückzulegen.

RND/dpa

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