• Startseite
  • Familie
  • Warum-Phase: Wie ein Zweijähriger seine Mutter zur Verzweiflung treibt

Willkommen in der „Warum?“-Phase: Wie ein Zweijähriger seine Mutter zur Verzweiflung treibt

  • Kinder sind von Natur aus wissbegierig.
  • Im Alter von gut zwei Jahren erreicht diese kindliche Neugierde ihren Höhepunkt und mündet in der „Warum?”-Phase.
  • Warum das für Eltern mitunter ganz schön zermürbend sein kann, weiß unsere Kolumnistin Ninia LaGrande aus eigener leidvoller Erfahrung.
Ninia LaGrande
|
Anzeige
Anzeige

Die Oma ist zu Besuch und stellt fest: „Bald müsste das doch losgehen – die ‚Warum?‘-Phase.“ Wir sagen: „Ja, vielleicht, noch kam da nix.“ Am Abend scheint das Kind sich daran zu erinnern, was die Oma gesagt hat. „Mensch“, denkt sich das Kind, „jetzt bin ich schon zweieinhalb, jetzt muss ich doch auch mal nach dem Warum fragen!“ Es fragt. Und es hört die nächsten Wochen nicht mehr auf zu fragen.

Die Bloggerin, Poetry-Slammerin und Moderatorin Ninia LaGrande schreibt an dieser Stelle regelmäßig über die herausfordernden Momente des Mutter-Daseins.

Als wir vor einigen Tagen an der Straßenbahnhaltestelle sitzen, fährt ein Dienstwagen ein. „Ist das unsere Bahn?“ fragt das Kind ungeduldig. „Nein“, sage ich, „das ist ein Dienstwagen.“ Ach, verdammt, wenn man dem Kind eine neue Information gibt, muss man sie auch schon im nächsten Moment erklären. „Warum, Mama?“, fragt das Kind. „Da sitzen keine Leute drin, der fährt schnell dorthin, wo er gebraucht wird.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Manchmal braucht es Nerven wie Drahtseile

„Warum sitzen da keine Leute drin?“ Die großen, wissbegierigen Augen meines Kindes machen gleichzeitig mein Herz weich und meinen Kopf angestrengt. „Weil ein Dienstwagen nicht nach Fahrplan fährt, der lässt die Leute nicht ein- und aussteigen.“

„Warum, Mama?“ Bald kriege ich einen Drehwurm vom reinen Auf-der-Bank-Sitzen.

Zum Glück kommt im Anschluss eine richtige Straßenbahn, die uns zum Ohrenarzt bringt. Im Behandlungsraum rutscht das Kind auf meinem Schoß hin und her. „Warum kommt der Arzt noch nicht?“, fragt es. Ja, das frage ich mich auch, denke ich und sage: „Weil er bestimmt noch was anderes zu tun hat.“

Anzeige

„Ist das der Arzt?“, fragt das Kind, als die Arzthelferin in den Raum kommt. „Nein, die unterstützt den Arzt bei seiner Arbeit“, erkläre ich. „Warum kann der Arzt das nicht alleine machen?“, wundert sich das Kind. Erst zwei Jahre alt und schon Teamarbeit infrage stellen – der kommt nach mir, denke ich.

Ausdauer ist gefragt

Anzeige

Im Anschluss darf es sich etwas aus der Kinderkiste aussuchen. Drama: Es gibt keine Autos mehr. „Warum gibt es keine Autos mehr, Mama?“

„Weil die alle sind.“

„Ich will aber Autos.“

„Aber es gibt keine mehr.“

„Warum?“ Hilfe!

Am Abend schickt mir der Mann von zu Hause eine Nachricht: „Wir spielen Straßenbahn, aber ich darf leider nicht einsteigen, weil es ein Dienstwagen ist. Wenn ich Glück habe, kommt als Nächstes eine Straßenbahn.“

Anzeige

„Na dann, viel Erfolg!“, schreibe ich zurück.