Verkehrssicheres Kinderfahrrad: Darauf sollten Eltern achten

  • Das erste eigene Fahrrad – es gibt wohl kaum ein Kind, das darauf nicht mächtig stolz ist.
  • Eltern sollten aber beim Kauf darauf achten, dass das Kinderfahrrad auch verkehrstüchtig ist.
  • Experten zufolge sind viele Räder, die im Handel angeboten werden, nicht sicher genug.
Katja Bülow
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Rostock. Keine vernünftige Klingel, keine Reflektoren… Polizeioberkommissar Matthias Bartsch, Präventionsfachmann der Polizeiinspektion Rostock, blickt mit einem Kopfschütteln auf viele Kinderfahrräder, die der Handel für den Nachwuchs im Angebot hat. Er bedauert: "In Deutschland darf man leider alles verkaufen, auch Räder, die im Straßenverkehr überhaupt nicht zugelassen sind."

Sicher mit dem Fahrrad im Straßenverkehr: Minimalanforderungen checken

Damit Jungen und Mädchen mit ihrem ersten Rad wirklich sicher unterwegs sind, rät Bartsch allen Eltern, genau zu prüfen, ob zumindest die Minimalanforderungen der Straßenverkehrsordnung erfüllt werden. Kurz: Gibt es eine gut zu hörende Klingel und zwei voneinander unabhängige Bremsen? Hat das Gefährt vorne eine weiße und hinten eine rote Leuchte sowie Reflektoren vorne und hinten, falls das Licht doch mal ausfällt? Auch an den Pedalen und an den Speichen sollten Reflektoren angebracht sein. Letztere müssen nicht unbedingt die klassischen Speichenreflektoren sein, es gibt auch Speichenstäbchen, die viele Kinder cooler finden oder ganz einfach reflektierende Mantelstreifen, die den Vorteil haben, dass sie nicht verloren gehen können. Wichtig ist ganz einfach, dass auch ein Autofahrer, der von der Seite kommt, sofort sieht, dass er einen Radfahrer vor sich hat.

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Fahrradhelme können im Notfall Leben retten

Nützlich seien darüber hinaus Wimpel am Gepäckträger, helle Kleidung, Reflektorstreifen, zum Beispiel auf dem Schulranzen, oder eine Warnweste. Fahrradhelme sind in Deutschland zwar nicht zwingend vorgeschrieben, sie können im Notfall aber Leben retten. Und schließlich rät der Technische Überwachungsverein (TÜV) auch noch darauf zu achten, dass das erste Rad einen komplett geschlossenen Kettenkasten hat, dass es keine scharfe Ecken und Kanten gibt und dass die Griffe wirklich fest am Lenker angebracht sind. Mögliche Berührungspunkte bei Stürzen sollten gut gepolstert sein.

Um ein unkompliziertes Auf- und Absteigen zu ermöglichen, ist es auch hilfreich, wenn der Einstieg möglichst tief ist. Schließlich sei auch ein zu großes Rad für den Nachwuchs eine echte Gefahr. Als Faustregel gilt: Kinder müssen, wenn sie mit ausgestreckten Beinen auf dem Fahrrad sitzen, mindestens mit den Fußballen den Boden berühren können, denn sonst haben sie nicht ausreichend Stabilität.

Tipp: Üben, üben, üben

Was den richtigen Weg für junge Fahrradfahrer angeht, gilt laut Straßenverkehrsordnung die Regel, dass Kinder unter acht Jahren nur auf Gehwegen oder baulich von der Straße getrennten Radwegen unterwegs sein dürfen. Kinder zwischen acht und zehn Jahren haben die Wahl, danach ist das Fahren auf Gehwegen verboten. Einzige Ausnahme: Eltern, die ihre unter zehn Jahre alten Kinder begleiten, dürfen seit zwei Jahren ebenfalls auf dem Gehweg radeln.

Bartsch, der regelmäßig mit Grundschülern zu tun hat, für die es noch ganz neu ist, allein mit dem Zweirad unterwegs zu sein, rät, dass Eltern mit ihren Kinder viel üben sollen.

Polizeioberkommissar Matthias Bartsch findet es vor allem wichtig, dass der Nachwuchs auch im Dämmerlicht von allen Seiten gut zu sehen ist.

Verkehrsregeln gelten nicht nur für Autofahrer

Auch Radler können belangt werden und sogar Punkte in Flensburg kassieren, wenn sie diese missachten. Wer weder Licht noch Klingel oder Rückstrahler an den Pedalen hat, muss unter Umständen 80 Euro berappen und kassiert dazu noch einen Punkt in der Verkehrssünderkartei. Radler, die sich durch eine geschlossene Halbschranke schlängeln, um noch schnell übers Bahngleis zu huschen, können mit 350 Euro Geldbuße und zwei Punkten rechnen.

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Wer ohne Freisprechanlage auf dem Rad telefoniert, zahlt 55 Euro. Und auch Alkohol am Lenker wird hart bestraft. Bei mehr als 1,6 Promille kann das drei Punkte und eine saftige Geldstrafe bedeuten, was auch den Autoführerschein kosten kann. Ohnehin ist es für alle Seiten besser, sich an die Verkehrsregeln zu halten – zur eigenen Sicherheit.

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