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“Twittern ist auch keine Lösung, Donald Trump!”: In diesem Buch sagen Kinder ihre Meinung

  • Kinder sind dafür bekannt, dass sie oft kein Blatt vor den Mund nehmen.
  • Autorin Britta Riederer von Paar hat in ihrem neuen Buch fiktive Kinder Briefe an bekannte Politiker schreiben lassen.
  • In “Twittern ist auch keine Lösung, Donald Trump!” stellen die Kinder kritische Fragen an Politiker wie Donald Trump und Kim Jong-un.
Helene Kilb
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“Die WHO hat es wirklich vermasselt”, klagte Donald Trump Anfang April via Twitter, als es um die Ausbreitung des Corona-Virus in den USA ging. Die Weltgesundheitsorganisation sei größtenteils von den Vereinigten Staaten finanziert, aber sehr China-zentriert. Der anklagende Tweet ist kein Einzelfall: Tagtäglich versorgt der amerikanische Präsident die Welt mit neuen Twitter-Beiträgen. Viele von ihnen offenbaren peinliche Bildungslücken, frauenfeindliche Gedankengänge und eine ungehobelte Ausdrucksweise. Hohn, Spott und zahlreiche Berichte über Trumps neueste Schnitzer lassen natürlich nicht auf sich warten. Viele haben das Bedürfnis, dem Präsidenten direkt die Meinung zu sagen.

Briefe an Politiker: Jetzt kommen die Kinder zu Wort

Einen Versuch wagt nun das Buch “Twittern ist auch keine Lösung, Donald Trump!”, das seit Ende Oktober im Handel ist. Darin lässt die Autorin Britta Riederer von Paar fiktive Kinder Briefe an bekannte Politiker schreiben, in denen sie Fragen stellen und Ratschläge geben. Das Schöne daran: Der Autorin gelingt es, die Kinder auf eine Art schreiben zu lassen, wie nur Kinder es können – unvoreingenommen, teilweise etwas naiv, aber dafür kritisch an den richtigen Stellen. Es eignet sich für Kinder und Jugendliche ab acht Jahren. Aber auch Eltern wird das Buch an der ein oder anderen Stelle ein Schmunzeln entlocken.

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© Quelle: Coppenrath Verlag

Antworten geben und mit Halbwissen aufräumen

Britta Riederer von Paar ist eigentlich Richterin und Dozentin an der Uni Münster. Bei Gesprächen mit ihrem Sohn entdeckte sie jedoch, dass er zu aktuellen Themen immer wieder Fragen hatte oder nur die halbe Wahrheit kannte. Das Ziel, das sie mit ihrem Buch erreichen wolle, sei daher: “Antworten geben, mit Halbwissen aufräumen und Klischees hinterfragen.”

Im ersten der insgesamt zehn Briefe richtet sich der zehnjährige “Donald” an seinen Namensvetter Donald Trump. “Ab jetzt vergleicht mich niemand mehr mit dieser Ente aus Entenhausen”, schreibt er darin, “dafür werde ich dir wohl mein Leben lang dankbar sein. Und ich finde, wir sehen uns sogar ein bisschen ähnlich: Auch ich habe gelbe Haare!” Zum Thema Social-Media-Verhalten kommentiert der kleine Donald, er könne verstehen, dass Trump so viel twittere: “Du kannst ganz schnell sehr vielen Menschen etwas mitteilen. Das ist für einen Präsidenten besonders wichtig! Trotzdem muss man damit immer vorsichtig sein, finde ich. Es kann ganz viel Böses passieren, wenn du zum Beispiel über eine Person etwas Falsches erzählst.” Sein Vorschlag: eine Art Führerschein für jeden, der solche Nachrichtendienste benutzt.

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Der nächste Brief geht an Angela Merkel, verfasst von der Viertklässlerin “Mathilda”. Er handelt vom Klimawandel und der Fridays-for-Future-Bewegung. “So dürfen wir nicht weitermachen!”, appelliert Mathilda an die Bundeskanzlerin und fragt: “Musst du dich nicht um die Erde kümmern? Also auch deine Regierung? Dann müsste mein Bruder nicht die Schule schwänzen. Warum tut ihr so wenig, um unsere Umwelt zu schützen?” Gegen Ende des Briefs wird sie etwas versöhnlicher und schreibt: “Ich bin mir sicher, du kannst mir das erklären.”

Etwas sarkastisch liest sich der Brief an Kim Jong-un, verfasst von “Reto”. “Erst mal muss ich dir sagen, dass du wirklich genauso aussiehst, wie man sich einen Obersten Führer vorstellt. Ganz schön cool! Da muss man einfach auf dich hören!” Offen bleibt, ob der kleine Reto dabei auf den – sagen wir: einprägsamen – Haarschnitt von Nordkoreas Oberhaupt anspielt oder gar über dessen Haarpolitik im Bilde ist, die nordkoreanischen Bürgern nur eine Handvoll Frisuren erlaubt. Die Illustration zu dem Brief legt das aber nahe: Sie zeigt einen kopfüber gedrehten, glatzköpfigen Kim Jong-un, dem gerade die akkurat geschnittene Haarpracht vom Kopf fällt.

Weiter schreibt der fiktive Schüler: “Wenn ich mir dann eure Militärparaden im Fernsehen anschaue: Wahnsinn! Da kommst du dir sicher ganz schön wichtig vor, oder?” Er ergänzt: “Aber im Fernsehen habe ich auch gesehen, dass die Menschen bei euch sehr, sehr arm sind. Ihr habt nur wenige Rohstoffe, die ihr dringend für Strom und Heizung braucht oder auch, um Dinge zu produzieren.” Sein Vorschlag, “denn es ist eigentlich ganz einfach”, wie er findet: “Du verzichtest auf die Atomraketen, also auch auf die Versuche damit, und die anderen Staaten verkaufen dir wieder all die Dinge, die ihr in Nordkorea nicht habt. Dann geht es allen Menschen in deinem Land besser. Das wäre etwas, worauf du wirklich stolz sein könntest.“

© Quelle: Coppenrath Verlag

Politik mal von einer anderen Seite betrachtet

Weitere Briefe richten sich an Frankreichs Staatspräsidenten Emmanuel Macron, Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping, den ehemaligen amerikanischen Präsidenten Barack Obama sowie den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Am Ende bietet das Buch Platz für eigene Gedanken und Fragen. Für Eltern lohnt es sich sicherlich, diese gemeinsam mit ihren Sprösslingen durchzugehen. Auf diese Weise erhalten Kinder und Jugendliche einen kleinen Einblick in Politik- und Umweltthemen und lernen, sich ihre eigenen Gedanken über die Welt zu machen. Abgerundet werden die Texte durch farbenfrohe, witzige Illustrationen: Etwa Angela Merkel trägt ein kleines Krönchen, Xi Jinping schießen Laserstrahlen aus den Augen, Barack Obama posiert mit einer Cap und Wladimir Putin hockt im unteren Teil einer Matrjoschka-Puppe.





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