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Jugendämter: Zahl der Schulabbrecher könnte sich wegen Corona-Krise verdoppeln

  • In Folge der Corona-Krise rechnet die Gemeinschaft der Jugendämter mit doppelt so vielen Schulabbrüchen wie noch 2019.
  • Auch die Arbeit der Ämter werde durch die Pandemie um Jahre zurückgeworfen.
  • Über alle Lebensbereiche hinweg wurden negative Auswirkungen festgestellt, wie eine Umfrage unter Mitarbeitern ergab.
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Braunschweig, Köln. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Jugendämter rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Schulabbrecher-Zahl infolge der Corona-Krise. Die Pandemie werfe die Kinder- und Jugendarbeit um mindestens fünf Jahre zurück, sagte der Vorsitzende Lorenz Bahr den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Samstag), zu der auch die „Braunschweiger Zeitung“ gehört. „Mit Blick auf die beiden Abschlussjahrgänge droht sich die Zahl der Schulabbrecher zu verdoppeln“, warnte er.

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Anstatt der zuletzt 104.000 Schulabbrecher rechnen die Landesjugendämter mit „210.000 Schulabbrecher in 2020 und genau so vielen noch einmal in diesem Jahr“, sagte Bahr. Diese Entwicklung werde sich durch viele Schichten ziehen, auch Kinder aus der Mittelschicht würden einen „früheren Karriereknick“ erleben.

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Post-Corona-Kinder-und-Jugendhilfefonds gefordert

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Die Bundesarbeitsgemeinschaft mit Sitz in Köln fordert von Bund, Ländern und Kommunen einen sogenannten Post-Corona-Kinder-und-Jugendhilfefonds für den Zeitraum von 2022 bis 2027. Damit solle der zu erwartende höhere Bedarf an Hilfsangeboten und Präventionsarbeit finanziert werden. So habe eine Studie im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft ergeben, dass sich der jährliche Mehrbedarf auf etwa zehn Prozent der regulären Aufwendungen für Kinder- und Jugendhilfe in Höhe von rund 56 Milliarden Euro belaufen könne. Dabei seien die Mehrkosten noch konservativ geschätzt, sagte Bahr.

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Neben dem Ausbau von Hilfsangeboten sollten mit dem Fonds auch bestehende Angebote attraktiver gemacht werden, etwa die Vergütung des Freiwilligen Sozialen oder Ökologischen Jahres (FSJ/FÖJ). Bisher würden solche Angebote fast ausschließlich von Abiturientinnen und Abiturienten genutzt, erläuterte Bahr. „Wir müssen aber gerade auch Jugendliche mit anderen Bildungsabschlüssen oder ohne Schulabschluss erreichen, um ihnen eine Perspektive aufzeigen zu können.“

84 Prozent der Mitarbeiter bemerken Folgen

Der Studie zufolge machen sich in den Jugendämtern die negativen Folgen der Pandemie bereits bemerkbar. Bei einer bundesweiten Umfrage unter Mitarbeitern gaben 84 Prozent an, dass sie über alle Lebensbereiche hinweg negative Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Leben von Kindern und Jugendlichen feststellen.

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Seit Beginn der Krise haben die Jugendämter demnach Schwierigkeiten, den Kontakt mit einzelnen Gruppen zu halten. Besonders betroffen seien Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, Familien, die sich in prekären Lebenslagen befinden sowie Kinder, deren Eltern psychisch erkrankt sind oder unter Suchtproblemen leiden. An der Umfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft in Kooperation mit dem Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz nahmen den Angaben zufolge 298 der 559 Jugendämter in Deutschland teil. Es wurden 1750 Beschäftigte interviewt.

RND/epd

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