Ronaldo auf dem Schulhof

  • Betriebspraktika sind Pflicht für Schüler.
  • Dementsprechend gering waren die Erwartungen, bevor es in die Grundschule ging.
  • Doch zu meinem großen Erstaunen war es eine spannende und lehrreiche Zeit.
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Wie das in der neunten Klasse so üblich ist, hatte ich gerade zwei Wochen lang Betriebspraktikum. Ohne wirklich große Erwartungen bin ich in das Praktikum, das ich in der Grundschule gemacht habe, gestartet. Meine Schwester, in deren Klasse ich den Beruf des Lehrers auskundschaften durfte, sagte mir, dass das einfach werden würde. Und um ehrlich zu sein, der erste Tag gab mir das Gefühl, das könnten die entspanntesten zwei Wochen seit Langem werden.

Die Stunde des Helden

Zudem hatte ich die Befürchtung, dass es bei dem Stoff, den die Kinder in der Grundschule durchnehmen, auch bald langweilig werden würde. Dann aber kam die Kehrtwende – schon am zweiten Tag. Nachdem ich mich so langsam in den Arbeitsrhythmus der Grundschule integriert hatte, passierte es: Es war in der Sportstunde, als meine Beliebtheit um einiges stieg. Zwei Schüler, die eh ein bisschen Probleme mit sich und der Welt hatten, was sogar ich früh bemerkte, fingen plötzlich an, sich zu beleidigen, zu treten und zu schlagen. Aus dem Nichts! Und da kam die Stunde des Helden, der nur für diesen Moment geboren zu sein schien … Ich stürzte mich in das Handgemenge, trennte die Streithähne voneinander wie Batman und beruhigte die Lage. Im anschließenden Gespräch mit der Lehrerin, die mich übrigens das ganze Praktikum über so toll begleitet und unterstützt hat, regelte ich fast im Alleingang die Situation und verschaffte mir einen Respekt wie ein Häuptling bei seinem Stamm. Danach war Frieden. Das war so der Punkt, wo ich gemerkt habe: Hey, das macht voll Spaß! Ich war angekommen.

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Plötzlich Teil des Lehrkörpers

Mit neuer Energie habe ich den Kindern dann bei Mathe und Deutsch, aber auch in Religion und im Sachunterricht geholfen. Tag für Tag. Es war spannend, das Geschehen innerhalb des Unterrichts und der Pause aus einer anderen, irgendwie coolen Perspektive zu betrachten. Ich wurde als einer von den Lehrern angesehen. Von nun an hieß ich Herr Jakob. In der Pause war es so, als würde Ronaldo versuchen, durch einen Schwarm von Journalisten und Fans zu seinem Privatjet zu kommen. Vergebens! Ein tolles Gefühl. Auch unter den Lehrern habe ich mich anders gefühlt. Nicht diese Distanz, nein, ich war einer von ihnen.

Schwuppdiwupp, war das Praktikum leider zu Ende. Verabschiedet wurde ich sehr lieb mit Bildern von jedem Kind. Und natürlich von der Paparazzijugend. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir mal vorstellen könnte, Lehrer zu sein. Aber why eigentlich not?

Jakob Teetz/RND