Richtig einrichten: Wohnexperten geben Tipps fürs Kinderzimmer

  • Alles in Blau für Jungs und alles in Rosa für Mädchen – ganz so einfach ist die Einrichtung eines Kinderzimmers nicht.
  • Denn Kinderzimmer müssen nicht nur schick, sondern auch funktional sein und sollten sich am Alter der Bewohner orientieren.
  • Zwei Mütter und Wohnexpertinnen beantworten zehn Fragen zur perfekten Kinderzimmergestaltung.
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Interior-Designerin Katharina Licari-Flammann und Innenarchitektin Dina Hanes-Krüger beschäftigen sich als Wohn-Coaches mit bedürfnisorientierter Einrichtung. Doch an welchen Bedürfnissen sollten sich Kinderzimmer eigentlich orientieren? Und welche Trends auf Instagram und Co. gehen an eben diesen eigentlich vorbei? Die beiden Mütter und Wohnexpertinnen geben Antworten auf diese und weitere Fragen.

1. Was macht ein gutes Kinderzimmer aus?

Es ist beim Wohnen wichtig, dass wir zwischen unseren Bedürfnissen und den Wünschen, die wir haben, unterscheiden. Das gilt für uns Erwachsene und natürlich auch für die Kinder. Ein Kinderzimmer sollte daher die menschlichen Grundbedürfnisse erfüllen: Geborgenheit, Sicherheit und die persönliche, freie Entfaltung der eigenen Kreativität sowie die Freiheit, unterschiedliche Dinge auszuprobieren.

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Kinder sollten in ihrem Zimmer Nischen oder kleinere geschützte Bereiche haben, wie ein Stockbett, ein Spielzelt oder eine Höhle, um sich entsprechend ihrer Größe zurückziehen zu können. Für eine echte Wohlfühlatmosphäre sorgen außerdem eine beruhigende und kinderfreundliche Farbgestaltung und unterschiedliche Lichtquellen. Dazu gehört natürlich auch Tageslicht durch Fenster, sowie warme, natürliche Materialien.

Außerdem ist die Flexibilität eines Kinderzimmers von Bedeutung – während der Entwicklung eines Kindes ändern sich die Ansprüche an das eigene Zimmer. Idealerweise hat das Kinderzimmer daher einen flexiblen Grundriss, bei dem die unterschiedlichen Funktionsbereiche für Schlafen, Spielen, Arbeiten ihre einzelnen Positionen tauschen können.

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© Quelle: Victoria Borodinova/Pixabay

2. Ab wann wird Wohnen für Kinder relevant?

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Das Wohnen ist für Kinder bereits ab der Geburt relevant. Kinder sind sehr sensibel und nehmen viel mehr wahr, als wir denken, so auch eine heimelige und wohltuende Umgebung. Das heißt aber nicht, dass sie unbedingt ein eigenes Zimmer brauchen. Meist schlafen die Kleinen ja noch bei den Eltern. Gerade fürs Schlafzimmer empfehlen wir gedeckte Farben, vielleicht Pastelltöne, die Ruhe ausstrahlen.

Generell sollte sich die Art, wie ein Kinderzimmer gestaltet wird, an der Entwicklungsphase der Kinder orientieren. Während Babys viel Nähe brauchen, wohnen sie bei den Eltern mit. Auch Kleinkinder sollten ein möglichst nah zum Schlafzimmer der Eltern liegendes, eigenes Zimmer bekommen. Beim allmählichen Übergang vom Kindergartenalter zum Schulalter wird das eigene Zimmer immer wichtiger.

Interior-Designerin Katharina Licari-Flammann und Innenarchitektin Dina Hanes-Krüger geben Tipps für das perfekte Kinderzimmer. © Quelle: privat

3. Wie lange können sich Kinder gut ein Zimmer teilen?

Es ist auch hier wieder eine individuelle Entscheidung. Kinder sind unterschiedlich in ihren Bedürfnissen, was der eine gerne mag, kann der andere als völlig nervig empfinden. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass Kinder anfangs lieber mit ihren Geschwistern zusammen sind. Besonders das gemeinsame Schlafen in einem Zimmer ist für die Geborgenheit wichtig. Ab dem Alter von acht bis zehn Jahren wird der Anspruch auf Privatheit größer und damit das eigene Zimmer wichtiger. Wenn nicht anders möglich, dann kann man ein großes Zimmer auch mit einer Trennwand oder einer anderen Art von Raumteiler in zwei kleinere Zimmer teilen.

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© Quelle: Cottonbro/Pexels

4. Was tun bei kleinem Budget?

Eine bedürfnisorientierte Einrichtung ist nicht unbedingt eine Frage des Geldes. Es geht vor allem darum, dass es nach den Bedürfnissen der Kinder eingerichtet ist und nicht, dass dort besonders hochwertige Designermöbel sind. Viele tolle kreative Elemente, etwa eine Tafelwand oder eine Wand aus Legoplatten, lassen sich mit kleinem Budget gestalten.

5. Wie groß sollte ein Kinderzimmer sein?

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Natürlich ist ein eigenes Zimmer für Kinder schön. Ein Zimmer mit einer Größe von zwölf Quadratmetern erfüllt das Mindestmaß, jedoch bietet eine größere Grundfläche von etwa 15 bis 20 Quadratmetern mehr Entfaltungsmöglichkeiten – sofern eben möglich. Grundsätzlich ist ein Kinderzimmer ein Allzweckraum; es muss auf meist wenig Quadratmetern viele Funktionen erfüllen. Hier ist es wichtig, dass diese Bereiche in Zonen wie Schlafen, Spielen oder Schreiben eingeteilt werden kann und eine klare Abgrenzung hergestellt wird. Das sorgt nicht nur für Ordnung, sondern gibt dem Kind Struktur und Sicherheit.

6. Wer sollte den größten Raum bekommen: Der Teenager oder das Kindergartenkind?

Der erste Impuls ist oft: Der Teenager hat das Recht des Älteren und bekommt das größere Zimmer. Aber ein Kita-Kind braucht mehr Raum zum Spielen, um seine sensorischen Sinne zu entwickeln. Dazu braucht es Platz – gerade in den kalten Monaten, in denen die Kinder nicht so viel draußen sind.

Der Teenager dagegen lümmelt gerne auf dem Bett oder (wenn vorhanden) in der Sitzecke, und das gerne auch mit seinen Freunden. Während der Pubertät ist das eigene und abschließbare Zimmer ein entscheidender Part bei der Persönlichkeitsentwicklung, die Größe ist da eher nebensächlich.

© Quelle: Gtas/Unsplash

7. Wie viel sollten Kinder mitbestimmen dürfen?

Grundsätzlich kann man die Kinder ab dem Zeitpunkt mit einbinden, an dem sie sich artikulieren können. Bei einem Kita-Kind können dies Fragen sein zum Thema Wandfarbe, welche Bilder ihm gefallen, ob es seine selbst gemalten Werke aufhängen will. Als Eltern gibt man in dieser Altersgruppe Optionen vor, bei zu viel Mitsprache können Kinder hier leicht überfordert werden.

Einem Schulkind im Grundschulalter kann durchaus mehr Verantwortung übertragen werden, es ist in seinen Wünschen und Bedürfnissen viel klarer. Man kann gezielter fragen, etwa: „Passt der Standort deines Schreibtisches?“

Mit zwölf Jahren haben Kinder bereits sehr klare Vorstellungen von ihrem Zimmer, wie es eingerichtet sein soll und womit sie sich wohlfühlen. Die eigene Identität entwickelt sich, natürlich wollen sie dann selbst entscheiden dürfen.

8. Wie ist das mit der lieben Ordnung?

Ordnung müssen Kinder erst lernen. Ab einem Alter von zwei Jahren etwa fangen die Kinder an, mit Vorliebe zu helfen und Dinge wegzuräumen. Das ändert sich dann wieder mit dem Schulalter. Kinder haben ihre eigene Vorstellung von Ordnung und sie sollten hier auch einen gewissen Freiraum haben.

Bei der Kinderzimmergestaltung kann man aber schon darauf hinwirken, dass Ordnung leichter zu halten ist. Die Möglichkeiten zum Verstauen sollten altersgerecht sein. Die Kleinsten können von einer Kommode oft nur die untersten Schubladen erreichen. Für Schubladen bietet es sich an, Einlegesysteme zu kaufen, um Stifte, Blöcke und Co. vernünftig abzulegen. Stapelbare Systeme sind zudem noch platzsparend, was gerade in kleineren Räumen sinnvoll ist. Auch für das Innere der Schränke und Co. bieten sich Kisten oder Boxen an, damit die Dinge ihren festen Ort haben.

© Quelle: Tatiana Syrikova/Pexels

Kinder sammeln ja auch ganz gerne Dinge, die wir als Erwachsene eher unnötig finden, für sie aber sehr wichtig sind. Die sollten sie auch aufbewahren dürfen. Trotzdem ist regelmäßiges Ausmisten oder Wegstellen wichtig, damit das Kinderzimmer nicht zumüllt. Die Kinder müssen etwas Entscheidendes lernen: das Loslassen. Hier sollten die Eltern je nach Alter anleiten, denn Kinder überfordert es, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Fällt es einem selbst auch schwer, sollte man sich nicht scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das muss nicht immer gleich ein Therapeut sein, manchmal hilft schon eine gute Freundin oder jemand aus der Familie.

Für viele Jugendliche ist das Aufräumen ein absolutes Reizwort. Wir empfehlen, dass sich Eltern hier weitestgehend aus der Zimmergestaltung raushalten. Hilfreich könnte es sein, gewisse Regeln aufzustellen – etwa keine Essensreste im Zimmer lassen, schmutziges Geschirr wird in die Spülmaschine gebracht. Ordnung wie auch Chaos gehören dem Teenager. Das eigene Zimmer ist eine gute Chance, seine eigenen Strukturen zu lernen.

9. Was vergessen Eltern oft in der Kinderzimmergestaltung?

Der Wunsch von Erwachsenen, etwa hohe Decken und offene Räumen zu haben, geht oft an den Bedürfnissen der Kinder vorbei. Gerade kleine Kinder brauchen das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, das kann die offene Raumgestaltung aber nicht bieten. Architekten und Eltern ist oft das Rückzugsbedürfnis der Kinder nicht bewusst. Reizintensität ist ebenfalls ein wichtiger Punkt bei der Gestaltung. Hier ist darauf zu achten, dass die Umgebung nicht zu reizüberflutet, aber eben auch nicht zu reizarm ist. Die Balance macht hier die gesunde Mischung.

© Quelle: Collov Home Design/Unsplash

Auch der absolut minimalistische Einrichtungsstil oder auch Pop-Art sind Trends, die wir für eine Kinderzimmergestaltung nicht so in Betracht ziehen würden. Eine zu reizarme wie auch reizüberflutete Umgebung sind nicht gut für die Entwicklung. Wenn ein Kinderzimmer zu clean gestaltet ist, mit weißen Wänden oder nur schwarz-weiß, dann wäre das eine zu reizarme Umgebung und diese ist nicht entwicklungsfördernd. Das gilt umgekehrt genauso: Zu viele bunte Farben, knallige Muster auf Tapeten oder Ähnlichem sind eine Reizüberflutung der Sinne.

Die Architektur folgt dem Trend der Offenheit und Transparenz, hier spielt Glas eine wichtige Rolle. Es gibt Architekten, die Kinderzimmer zu offen gestalten. Ein großes Glasfenster beispielsweise zum Flur hin, damit Licht einfallen kann, da aufgrund der Planung keine Fenster zur Außenseite möglich sind. Hier fehlt die Privatsphäre, diese könnte nur hergestellt werden, wenn davor Vorhänge oder Rollo permanent geschlossen blieben.

10. Wie werden die Kinderzimmer von morgen aussehen?

Der Trend sollte immer dahin gehen, bedürfnisorientiert und entwicklungsfördernd zu planen und zu bauen. Das Thema Nachhaltigkeit und natürliche Materialien wird immer wichtiger, auch in der Einrichtungswelt. Die Kinderzimmer von morgen werden vermutlich Möbel beherbergen, die multifunktional einsetzbar sind, die mitwachsen. Oder die Möbel werden getauscht, umfunktioniert oder upgecycelt. Auch beim Einrichten kommen wir weg von der Wegwerfmentalität.

„Achtsam wohnen = glücklich leben“ - das ist das Motto der beiden Wohn-Coaches. Auf ihrer Instagram-Seite finden Sie Inspiration für ein Wohlfühl-Zuhause.

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