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Paartherapeuten-Kolumne: Das hilft bei Streit mit der Schwiegermutter

  • So viel Mühe man sich auch gibt, manchmal entwickelt sich einfach kein gutes Verhältnis zur Schwiegermutter. Was kann dann helfen?
  • Unsere Experten raten, dass klare Abgrenzungen wichtig sind – denn nur dann kann ein Miteinander funktionieren.
  • Zu harsch sollte aber nicht mit der Schwiegermutter umgegangen werden, denn die will oft einfach nur helfen.
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Streit in der Familie ist normal. Wenn Probleme mit der Schwiegermutter jedoch so ausgereift sind, dass ein Zusammensein fast unmöglich ist, muss eine Lösung her. In der folgenden Leserfrage beschreibt eine Frau ihr Problem mit der Schwiegermutter. Die Paartherapeuten Marga Bielesch und Daniel Konermann bieten Lösungen an.

Ich schreibe euch wegen meines Schwiegermutter-Problems. Mein Freund und ich sind schon seit der Schulzeit zusammen und haben inzwischen eine kleine Tochter. Seit einiger Zeit nagen an unserer Beziehung familiäre Probleme. Die Mutter meines Freundes war sehr dominant in ihrer Erziehung und hätte bis heute am liebsten viel Kontrolle über das Leben ihrer beiden Söhne.

Ich als Schwiegertochter bin dabei eher im Weg. Das war von Anfang an so. Mein Geburtstag wurde regelmäßig von ihr vergessen, bei Besuchen wird kaum mit mir gesprochen. Damit konnte ich lange leben. Aber seit meine Tochter auf der Welt ist, mischt sich meine Schwiegermutter auch immer wieder in die Kindererziehung ein.

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Das fängt bei der Frage nach dem richtigen Essen an, geht bei der Kleidung weiter und endet bei der Entscheidung, wann meine Kleine in die Kita gehen soll.

Das größte Problem aus meiner Sicht ist dabei die fehlende Unterstützung meines Freundes. Er schafft es nicht, seiner Mutter zu verdeutlichen, dass es unsere Familie und unser Leben ist – und nicht ihres. Das führt regelmäßig zu Streit zwischen uns. Inzwischen würde ich sogar so weit gehen, von ihm zu verlangen, dass er sich zwischen uns und seiner Mutter entscheiden muss.

Sie haben auch Fragen an Marga Bielesch und Daniel Konermann? Dann schreiben Sie uns an magazin@rnd.de. Wir leiten Ihre Fragen an die Paartherapeuten weiter!

Eltern sein, Paar bleiben: In unserer Kolumne "Lass uns reden" unterstützen die Paartherapeuten Daniel Konermann und Marga Bielesch Eltern und Paare in ihrer Rolle und helfen dabei, leidige Konflikte hinter sich zu lassen. © Quelle: Gina Patan

Das rät Paartherapeutin Marga Bielesch

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Konflikte mit den Schwiegereltern kennen viele Paare. Das liegt ein bisschen in der Natur der Sache. Zwischen Eltern und ihren Kindern besteht in der Regel ein sehr enges Band, das durch die ersten Beziehungen, den Auszug und später durch die eigene Familie immer wieder unter besonderer Spannung steht.

Die Ablösung im Erwachsenenalter ist mindestens genauso wichtig wie die Bindung zur Herkunftsfamilie. Das zu erkennen fällt manchen Eltern aber nicht so leicht. Gleichzeitig ist die Abgrenzung als Familie wichtig, wenn wir selbst Eltern werden. Nur so können wir unseren eigenen Weg als junge Familie finden. Und das kann zu Konflikten führen – schließlich wollen die eigenen Eltern ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben und sich als Großeltern engagieren. Dies kann schnell als Grenzüberschreitung empfunden werden – vor allem bei der frischgebackenen Mutter.

Mütter: Seid mutig

Ist dies der Fall, dürft ihr mutig sein und euch von Anfang an in eurer Erziehungshaltung positionieren. Dafür muss aber erst mal klar sein, was ihr selbst als Verletzung der eigenen Grenzen empfindet. Deshalb ist es wichtig, im ersten Schritt über Wünsche, eventuelle Unzufriedenheit und eure Vorstellungen von Familie zu sprechen.

Neben Grenzen sollten dabei auch konstruktive Lösungen ein Thema sein. Also nicht nur: “Wo stört die Schwiegermutter?”, sondern “Wo kann sie sich vielleicht noch stärker einbringen?”. Vielleicht indem sie mal eine Runde mit dem Kinderwagen dreht oder einen Kuchen für den Kindergeburtstag backt. Es darf deutlich werden, dass ihr als Familie eine klare und einheitliche Haltung habt, die euch wichtig ist. Und das braucht es auch, um sich als Familie finden zu können.

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Der Partner will es beiden recht machen

Natürlich ist das nicht immer leicht – auch nicht für deinen Mann. Immerhin möchte er es euch beiden recht machen. Aber ohne eine klare Positionierung in Richtung der eigenen Familie und Partnerschaft wird es schwierig. Doch auch wenn ihr euch einig seid, kann es passieren, dass die Gespräche mit der Schwiegermutter nicht einfach werden.

Deshalb ist es wichtig, auch in diesen Gesprächen sehr wertschätzend und achtsam zu bleiben. Überhäuft die Großmutter nicht mit Vorwürfen, Zuschreibungen und Kritik, denn das sind Kommunikationssperren. Macht eure Grenzen sichtbar, zeigt aber gleichzeitig auf, wo ihr die Unterstützung der Großmutter benötigt und zu schätzen wisst. Und lasst ihr bei ihrem Engagement auch ein wenig Freiheiten – bei Großeltern ist einfach “mehr” erlaubt, mehr Zucker, mehr Fernsehen, mehr Quatsch. Das ist auch gut und wichtig – nicht umsonst erinnern sich viele von uns gerne an die Zeit mit den eigenen Großeltern zurück.

Zur Person: Marga Bielesch ist Paartherapeutin und lebt mit ihrem Partner und zwei Kindern in Weimar. In ihrer Praxis begleitet sie Paare und Familien in schwierigen Lebenssituationen. Sie ist Mitgründerin der THEKLA – Thüringer Eltern Kind Lern und Aktivkurse. © Quelle: Susann Mueller

Das rät Paartherapeut Daniel Konermann

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Das von dir geschilderte Thema kennen viele von uns. In Umfragen geben regelmäßig 25 bis 30 Prozent der befragten Frauen an, dass ihre Beziehung unter Konflikten mit der Schwiegermutter leidet. Es gibt sogar einen Kaktus, der so zu seinem Namen kam: der Schwiegermuttersitz. Schwiegermüttern eilt also ein gewisser Ruf voraus – sie haben es heutzutage aber auch nicht leicht. Anders als früher, wo das junge Paar häufig in die unmittelbare Nähe der Eltern zog und die Einflussnahme der Schwiegereltern größer war, verlieren sie heute schnell an Einflussnahme und Wichtigkeit im Leben ihrer Söhne, sobald diese sich ernsthaft binden.

Das empfinden viele Mütter als Verlust – immerhin wird dann eine andere die wichtigste Frau im Leben des Sohnes. Doch das ist natürlich keine Entschuldigung: Das Verhalten deiner Schwiegermutter erscheint mir grenzüberschreitend und wenig wertschätzend. Deswegen wünschst du dir den Schutz eures Familienraumes durch die klare Abgrenzung deines Mannes – er erduldet die Einmischung seiner Mutter aber bislang.

Söhne haben Angst, den guten Kontakt zur Mutter zu verlieren

Aus deiner Beschreibung ist jedoch nicht zu erkennen, warum er das tut. Will er sich abgrenzen, traut sich aber nicht, weil er Angst hat, die Mutter zurückzuweisen? Befürchtet er ihre wütende Reaktion? Oder findet er die Ansprüche und Einwände seiner Mutter sogar berechtigt? Das wäre erst einmal wichtig zu klären.

Nehmen wir einmal an, dass es ihm so wie vielen Söhnen geht und er Angst hat, den guten Kontakt zur Mutter zu verlieren, wenn er sie in ihre Schranken weist. Vielleicht weiß er auch gar nicht, wie das geht. Die eigene Mutter zu begrenzen bedeutet, ein gewisses Maß an Aggression ihr gegenüber zu zeigen. Für viele Männer ist dies stark tabuisiert: Die Frau, die uns auf die Welt gebracht, sich für uns aufgeopfert und so viel gegeben hat, mit der eigenen Zurückweisung zu konfrontieren, sorgt für Angst und Schuldgefühle.

Eine klare Forderung nach Abgrenzung ist wichtig

Dein Mann kann in dieser Situation erst einmal nur verlieren, er kann nämlich wählen: Stress mit der Frau oder Stress mit der Mutter. Der ängstliche Junge in ihm wird es womöglich immer derjenigen recht machen, die ihm stärkere Strafen androht – eigentlich möchte er es aber allen recht machen und kommt immer mehr in die Enge. Wenn er gezwungen wird, sich zu entscheiden, bekommst du im besten Falle einen Mann, der äußerlich ganz bei dir ist, sich innerlich aber von dir erpresst fühlt und eine offene Rechnung mit sich herumträgt, weil es eben nicht seine Entscheidung war.

Wichtig ist jedoch, dass du klar in deiner Forderung nach Abgrenzung gegenüber seiner Mutter bleibst und dich angemessen gegen ihre Kontrolle zur Wehr setzt. Was es braucht, ist die Entwicklung der erwachsenen Seite deines Mannes, die den Konflikt sowohl mit dir als auch mit seiner Mutter nicht mehr um jeden Preis vermeiden muss und einstehen kann für das, was er richtig findet. Er sollte also sowohl vor dir dafür einstehen, wenn er seinen Kontakt zur Mutter verteidigen will, als auch seine Mutter begrenzen, wenn sie sich zu sehr einmischt.

Zur Person: Daniel Konermann ist psychologischer Psychotherapeut und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Heidelberg. Er hat eine Praxis für Einzel- und Paartherapie und gibt regelmäßig Fortbildungen zum Thema Achtsamkeit und Burn-out-Prophylaxe. © Quelle: Thilo Ross

Manchmal kann es nur helfen, sich zu entziehen

Vereinfacht könnte man sagen, wenn er bereit ist, sich da, wo es nötig ist, unbeliebt zu machen, könnte er stärkere Konturen bekommen und beide Beziehungen verteidigen lernen. Wenn seine Mutter sich ungefragt in die Erziehung eurer Kinder einmischt, überschreitet sie damit ihren Zuständigkeitsbereich und verletzt eine Regel: Mutter und Vater entscheiden über den Erziehungsstil.

Aber wenn du als seine Frau ihm den Kontakt mit seiner Mutter verbieten willst, verletzt auch du eine Regel: Jeder Mensch darf selbst entscheiden, ob er Kontakt mit seiner Mutter halten möchte oder nicht. Wie du den Kontakt mit deiner Schwiegermutter gestaltest, ist deine Entscheidung und vielleicht braucht ihr auch eine Lösung, in der du dich ihrem Einfluss entziehst – dein Mann den Kontakt jedoch auf seine Art und Weise aufrechterhält.

RND/aufgezeichnet von Birk Grüling

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