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Neues Album: Was die Familienband Deine Freunde vom Helikoptern hält

  • Die Band Deine Freunde begeistert nicht mehr nur Kinder, sondern immer öfter auch ihre Eltern.
  • Nun erscheint ihr neues Album „Helikopter“.
  • Bandmitglied Florian Sump erzählt im Interview, warum es so heißt – und warum Kinder bei ihren Konzerten eine eigene Tanzfläche haben.
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Es gibt wohl nur wenige Kinderbands, bei denen Eltern und Kinder gleichermaßen begeistert die Konzertsäle stürmen. Bei Deine Freunde ist das anders. Die Band macht intelligente Musik für alle und zieht damit ein rasant wachsendes Publikum in ihren Bann.

Flo, bei den Konzerten von Deine Freunde kann man beobachten, dass nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern tanzen und mitsingen. Sind Deine Freunde überhaupt noch eine Kinderband?

Wir machen Familienmusik. Aber wir sind auch gern immer noch eine Kinderband, weil das unsere festeste Verwurzelung ist. Wir haben jedoch von Anfang an unterschätzt, wie viel Spaß auch die Eltern an unserer Musik haben, und haben dann im Laufe der Jahre sowohl auf den Tonträgern als auch bei den Konzerten die Eltern immer mehr als Teil des Publikums mit einbezogen.

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Ihr neues Album heißt „Helikopter“. Warum haben Sie diesen Namen gewählt?

Wir mögen das Wort aus mehreren Gründen. Wenn Kinder das Wort hören, denken sie an nichts anderes als an den wirklichen Helikopter. Wenn Erwachsene das Wort hören – und dann auch noch von uns als Kinderband –, vermuten sie, dass es etwas mit Helikoptereltern zu tun haben könnte.

Also mit diesen übervorsichtigen Eltern, deren Kinder möglichst nichts allein ausprobieren und jeder Gefahr aus dem Weg gehen sollen.

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Genau. Das ist mittlerweile ja ein sehr negativ besetztes Wort, weil es für Verkrampftheit steht. Der erste Song des Albums heißt „Helikopter“, und da finden sich auch ein paar Zeilen zu diesem Thema. Wir machen uns aber nicht über solche Eltern lustig, sondern drehen den Spieß um und sagen: Wir helikoptern über unserem jungen Publikum herum und sind noch nicht bereit, es loszulassen. Wir können es noch nicht ziehen lassen, wir müssen noch ein bisschen bei euch bleiben.

Sie haben selbst zwei kleine Kinder. Sind Sie auch ein Helikoptervater?

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Ich versuche schon, mich davon freizumachen. Ich habe bis Anfang dieses Jahres in der Kita mit Kindern zwischen zwei und sechs Jahren zusammengearbeitet und wusste daher schon, bevor ich selbst Vater geworden bin, wie viel man Kinder ausprobieren lassen kann und vielleicht auch sollte. Ich denke, es ist besser, lieber mal eine Beule mehr nach Hause zu bringen, als immer noch nicht zu wissen, dass man sich auch mal wehtun kann. Daher glaube ich nicht, dass ich ein Helikoptervater bin.

Cheese – ein Song zum Eltern-Kinder-Selfiewahn vom neuen Album

Finden Sie Helikoptereltern also komisch?

Nein. Ich würde mich nie über Menschen stellen, bei denen die Sorgen und Ängste einfach ein bisschen ausgeprägter sind, und die Schwierigkeiten damit haben, das Wertvollste in ihrem Leben loszulassen. Ich habe viel Verständnis für alle Ängste und Sorgen, die man als Eltern haben kann, und manche habe ich natürlich auch selbst.

Wie gehen Sie in der Band mit solch sensiblen Themen um?

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Wir gehen solche Themen in unseren Songs an, ohne jemanden zu verletzen. Wir packen zwar ganz viel Humor in unsere Lieder, aber wir wollen unterm Strich die Leute eher unterstützen und ermutigen, als mit dem Finger auf sie zu zeigen. Genauso wenig wie wir eine Trennlinie ziehen wollen zwischen Eltern und Kindern und dauernd sagen: Eltern sind uncool. Wir wollen eher zusammenführend sein als auseinandertreibend. Und so soll es auch mit den Helikoptereltern sein.

Die Hip-Hop-Band Deine Freunde besteht aus Florian „Flo“ Sump, Markus Pauli und Lukas Nimschek. Die drei Musiker machen in erster Linie Musik für Kinder, die sich durch intelligente und humorvolle Texte auszeichnet. Am 22. November erscheint das fünfte Album der Formation. In „Helikopter“ geht es um Eltern, die „Ameisenscheiße“ rufen, Kinder, die nicht abgeholt werden wollen, und richtig fiese Alltagsschmerzen. 2020 sind Florian Sump und Lukas Nimscheck außerdem erstmals als Coaches bei der Castingshow „The Voice Kids“ dabei. © Quelle: Universal/Sturmfreie Bude

Auf dem neuen Album spielen Sie unter anderem mit dem allen Eltern und Kindern bekannten Satz „Wollen wir dann mal endlich los?“ Kommen die Ideen eigentlich aus der Gegenwart oder aus Ihren eigenen Erinnerungen?

Bisher bin ich der einzige Vater der Band – und meine Kinder sind ja auch noch recht klein. Daher kommen die Sprüche, diese ganzen Themen in erster Linie aus unserer eigenen Kindheit. Aber wenn wir auf Tour sind, gibt es auch einen Austausch mit den Kindern.

Aber wie schaffen Sie drei es immer wieder, Phänomene aus der Kindheit, die alle kennen, Eltern wie Kinder, in einen Song zu gießen?

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Für unser letztes Album kamen wir auf den Satz: „Schatz, ich unterhalt’ mich grad’.“ Das ist ein Satz, der meistens genau in dieser Reihenfolge ausgesprochen wird. Was man in der eigenen Erinnerung erst einmal als etwas sehr Persönliches und Individuelles abgespeichert hat, entpuppt sich im Gespräch mit den Bandkollegen dann oft als ein allgemeingültiger Satz: Ach, das haben eure Eltern genauso gesagt und auch genau in demselben Tonfall? Das ist eine Spurensuche durchs eigene Leben, ein Kopfsprung in die eigene Vergangenheit, und das bringt echt Spaß.

Bei den Konzerten schaffen Deine Freunde auf der Tanzfläche immer ein Areal für Kinder, in dem Eltern keinen Zutritt haben. Warum?

Bei unserer ersten Tour hatten wir das noch nicht. Es hat sich dann schnell gezeigt: Wenn du ein Publikum von damals noch rund 300 Leuten hast, reicht es schon, wenn sich nur vier rücksichtslose Eltern am besten noch mit ihren Kindern auf den Schultern vor die Bühne stellen und allen anderen die Sicht wegnehmen. Das hat manchmal für echt schlechte Stimmung gesorgt. Und wir haben schnell gemerkt, dass es für die Kinder ein ganz anderes Konzerterlebnis bedeutet und sie sich ganz anders fallen lassen können, wenn ihre Mutter oder Vater nicht neben ihnen stehen.

Dann ist das ja auch so etwas wie eine Enthelikopterisierung während des Konzerts.

Ja, tatsächlich. Mittlerweile finden unsere Konzerte ja auch in Hallen statt, die für 5000 Besucher ausgelegt sind. Eltern schreiben uns oft, dass sie nach dem Reinkommen schon kurz schlucken mussten, wenn sie sahen, dass da ein Kinderbereich ist und ihr Sohn oder ihre Tochter da allein in diese springende Kindermasse soll. Aber weil die Kinder meistens gleich so viel Bock haben, direkt in diesen Kinderbereich zu laufen, lassen sich die meisten Eltern darauf ein.

Und danach?

Da sind die Eltern – und das ist das, was sie uns schreiben – immer glücklich, dass sie sich darauf eingelassen haben.

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