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Schluss mit Blumen, Pralinen und Parfüm: Was sich Mütter wirklich zum Muttertag wünschen

  • Zahlreiche Menschen beschenken ihre Mutter jährlich zum Ehrentag aller Frauen mit Kindern, dem Muttertag.
  • Doch eine aktuelle Umfrage zeigt: Was sich viele Mütter eigentlich wünschen, ist nicht materieller Natur.
  • Sie wünschen sich tägliche Wertschätzung und Alltag und eine bessere Vereinbarkeit von Job und Familie.
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Am 9. Mai ist Muttertag. Ob den Feierlichkeiten heutzutage Dankbarkeit oder Kommerz zugrunde liegt, ist umstritten. Und doch ist der Muttertag für viele alljährlich ein Grund, loszuziehen und eine kleine Aufmerksamkeit zu besorgen – oftmals auch im letzten Moment. Es wird gebastelt, gebacken oder das Geschenk schlicht verpackt. Vom Fotobuch über den Wellnesskorb bis hin zum selbst gekochten Dinner: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Als Geschenkeklassiker gelten aber Blumen, und das noch immer, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov in Zusammenarbeit mit dem Onlineportal Statista aus dem vergangenen Jahr zeigt. Demnach gab rund die Hälfte der 2052 Befragten Blumen als beliebtestes Muttertagsgeschenk an. Auf Platz zwei lag in dem Ranking eine Essenseinladung, gefolgt von Pralinen oder Süßigkeiten.

Mütter wünschen sich mehr Ansehen

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Doch während Unternehmen aller Art weiter fleißig die Werbetrommel rühren, sieht Wertschätzung für die Mütter selbst vielfach anders aus. Laut einer Umfrage der Networking-App Momunity wünschen sich Frauen vor allem zwei Dinge: mehr Ansehen für die Mutterrolle in der Gesellschaft und eine gerechte Entlohnung für Pflegeberufe.

Für die Umfrage anlässlich des Muttertags wurden 100.000 Nutzerinnen gefragt, was sie sich wirklich zu diesem Tag wünschen. Die Ergebnisse sind – gerade nach einem Jahr Pandemie – wenig überraschend. Mütter sehnen sich demnach weder nach Schokolade noch Schaumbädern, sondern nach Anerkennung, und zwar jeden Tag. „Ich würde mir mehr Wertschätzung wünschen. Mamasein ist nun mal eine 365-Tage-im-Jahr-Aufgabe, egal, wie man sich fühlt!“, schreibt eine Userin. Eine andere ergänzt: „Es wäre schön, wenn wir nicht nur an einem Tag im Jahr mit Respekt behandelt werden für den tollen Job, den wir machen.“

Wunsch nach besserer Vereinbarkeit von Job und Familie

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Auch im Hinblick auf finanzielle Unterstützung melden sich viele Mütter im Rahmen der Umfrage zu Wort: „Ich wünsche mir, dass Erziehungsarbeit gerecht entlohnt wird“, heißt es in einem Kommentar – und in einem weiteren: „Ich wünsche mir einen finanziellen Ausgleich zum früheren Verdienst. Ich hätte gerne mehr Zeit mit meinen Kindern, aber nicht diesen hohen finanziellen Verlust.“ Damit einher geht der Wunsch nach Elterngeld für die gesamten drei Jahre Elternzeit sowie einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie: „Ein Kind zu bekommen sollte nicht das Risiko für Altersarmut steigern“, meint eine Nutzerin. Auch Mütter, die früher wieder in den Job einsteigen, fühlen sich gesellschaftlich unter Druck: „Es wäre schön, wenn man nicht zur Rabenmutter erklärt würde, wenn man als Mutter vor einem Jahr wieder arbeiten geht oder keine Elternzeit nehmen möchte.“

Den Wunsch, dass der Muttertag nicht nur ein Fest der Blumen und Pralinen sein, sondern auch auf die Situation von Müttern aufmerksam macht, verfolgt Annette Loers schon viele Jahre. Die Stuttgarterin ist alleinerziehende Mutter und hat sich schon im Jahr 2016 dafür eingesetzt, dass der Muttertag nicht bloße Symbolik ist. Unter dem Hashtag #muttertagswünsche spitzte sie diesen Konflikt zu, andere Twitter-Userinnen und -User taten es ihr gleich. „Ich brauche keine Torte. Ich brauche ein gesundes Mittagessen für meine Fünftklässlerin, wenn ich Vollzeit arbeite“, heißt es in einem ihrer Tweets.

Der Muttertag entstand aus der Frauenbewegung heraus

Loers erinnert in ihrem Blog daran, dass der Muttertag ursprünglich zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus der Frauenbewegung heraus entstand. Seine Begründerin, Anna Maria Jarvis, wollte damit ihre Mutter ehren, die sich selbst jahrelang für die Belange von Frauen eingesetzt hatte. Schon in den 1920er-Jahren allerdings wehrte Jarvis sich gegen die Kommerzialisierung des Tages. Später bereute sie, den Muttertag ins Leben gerufen zu haben.

„Der Muttertag ist wichtig und er ist bekannt“, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin der Stiftung Müttergenesungswerk. „Allerdings ist das Gedenken oder der Dank an die Mütter eindimensional und klischeebehaftet: Frühstück ans Bett, Blumen als Geschenk und von Kindern Gemaltes oder Gebasteltes.“ Das bediene Klischees und ein traditionelles Bild, „das Müttern nicht hilft und keinerlei Veränderung bringt“. Als Gedenktag aber öffne der Muttertag Chancen auf Veränderung und neue Positionierung.

Frauen wie Annette Loers nehmen die ursprüngliche Bedeutung des Tages wieder auf und hauchen ihr neues Leben ein: Sie münzen die Aufmerksamkeit, die der Muttertag traditionell in Deutschland genießt, um in konkrete politische Forderungen. Im Fokus stehen dabei besonders die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie finanzielle Sicherheit von Alleinerziehenden.

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„Man ist fast immer ‚beste Mama auf der ganzen Welt‘“

Dass Kindererziehung und Arbeit oft nicht einfach miteinander zu kombinieren sind, weiß auch die Instagram-Influencerin „__noraaaa“. Die 26-Jährige hat zwei Kinder im Alter von fünf und vier Jahren und macht derzeit neben ihrem Job im öffentlichen Dienst noch ein duales Studium. Für sie ist das Wichtigste, dass sie von ihren Kindern und ihrem Mann nicht nur am Muttertag Wertschätzung erfährt. Unter dieser Bedingung hält sie den Ehrentag aber für eine schöne Idee: „Das führt ja auch dazu, dass sich die Väter für diesen Tag ein wenig Gedanken machen und auch mal bewusst wahrnehmen, was Mütter machen und tun.“

Dass längst nicht alle Frauen mit Kindern im Alltag Dankbarkeit erfahren, weiß die Influencerin. Ihrer Ansicht nach schätzen und lieben vor allem Kinder das, was Mütter für sie tun, aber allemal. „Man ist fast immer die ‚beste Mama auf der ganzen Welt‘“, sagt sie.

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