Mütter verdienen mehr!

  • Das Lebenserwerbseinkommen von Frauen mit Kindern ist laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung deutlich geringer als das kinderloser Frauen.
  • Die Folgen davon spüren jedoch nicht nur Mütter, sondern auch die Gesellschaft.
  • Es ist Zeit, dass die Politik erkennt, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie alle trifft, meint Leonie Schulte.
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Würde ich einen Scheck bekommen, er hätte erstaunlich viele Nullen. Sechs um genau zu sein, denn auf knapp eine Million Euro beläuft sich das Geld, das mir der Staat schuldet. So viel mehr hätte ich in meinem Leben verdienen können – hätte ich nicht drei Kinder bekommen.

Die Bertelsmann Stiftung hat heute eine Studie veröffentlicht, die uns noch einmal so deutlich vor Augen führt: Mütter zahlen einen verdammt hohen Preis. Bis zu 70 Prozent ihres sogenannten Lebenserwerbseinkommens verlieren Frauen, wenn sie Kinder bekommen. Und da sind die Auswirkungen der Corona-Krise nicht einmal eingepreist. Denn noch immer leben die meisten in Deutschland so: Die Mütter verdienen ein bisschen was dazu, die Väter bleiben die Familienernährer. Die 50er-Jahre haben angerufen, sie hätten gern ihr Lebensmodell zurück.

Es ist fahrlässig, Frauen vom Arbeitsmarkt fernzuhalten

Die Folgen spüren Frauen im Alter, wenn ihnen das Geld fehlt. Die Folgen spürt aber auch die Gesellschaft. Gerade in der Corona-Krise mussten wir schmerzlich lernen, wie unverzichtbar Frauen und eben auch Mütter auf dem Arbeitsmarkt sind. Denn wer saß da noch gleich an den Supermarktkassen, pflegte die Kranken und betreute die Kinder der Systemrelevanten? Es waren mehrheitlich Frauen.

Aber nicht nur in Krisenzeiten ist es fahrlässig, Mütter vom Arbeitsmarkt fernzuhalten, ihr Potenzial nicht auszuschöpfen. Frauen sind heute so gut ausgebildet wie nie. Bekommen sie Kinder, geben sie ihren Intellekt auch nicht am Kreißsaal ab. Studien zeigen: Mütter wollen sehr wohl arbeiten, dass sie es tun, ist für das Bruttosozialprodukt unverzichtbar. Männer haben heute übrigens deutlich egalitärere Vorstellungen. Sie wollen sich die Aufgaben zu Hause partnerschaftlicher teilen und mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Teilzeitstellen für alle, die weniger arbeiten müssen oder können

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Es ist Zeit, dass der Kulturwandel, der in den Partnerschaften längst stattgefunden hat, auch in die anderen Teile der Gesellschaft hineinwirkt. Damit Mütter mehr und Väter weniger arbeiten können, müssen wir in der Politik und auch in den Unternehmen die Vereinbarkeit als das sehen, was sie ist: etwas, das alle betrifft. Kinderlose wie Eltern, Mütter wie Väter. Schließlich geht es nicht nur darum, kleine Kinder und Erwerbsarbeit unter einen Hut zu bringen. Die Pflege Angehöriger, das Ehrenamt, die eigene Fortbildung aber auch die Freizeit an sich braucht ihren Raum. Denken wir das mit, sind Teilzeitstellen nicht mehr nur den “Muttis” vorbehalten, sondern allen, die weniger arbeiten wollen oder müssen. Unternehmen, die flexibel auf die Lebensphasen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen, sind übrigens krisenfester. Ihre Belegschaft ist zufriedener, kündigt seltener. Das Wissen bleibt im Unternehmen.

Die Einführung der Elternzeit zeigt uns deutlich, welche Kraft in politischen Maßnahmen stecken kann. Noch vor 15 Jahren wären Väter, die zwei Monate beim Säugling bleiben, undenkbar gewesen. Doch längst hätten nächste Schritte folgen müssen, eine Steuerpolitik etwa, die Familien und nicht die Ehe fördert. Doch wo ist diese Kraft geblieben? Es ist, als wären wir auf halber Strecke liegen geblieben. Schaue ich auf meinen imaginären Scheck, verstehe ich den Unwillen, daran etwas zu ändern, noch weniger, schließlich wäre von der einen Million auch der ein oder andere Euro für Steuern übrig geblieben.

RND

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