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Mutter im Interview: Mein ältestes Kind war 19, als ich wieder schwanger wurde

  • Die vierte Schwangerschaft war aus mehreren Gründen besonders für Britta.
  • Sie war 42 Jahre alt und ihr ältestes Kind war bereits 19.
  • Trotz aller Widrigkeiten hat sie eine weitere Tochter bekommen – und bereut es nicht, wie sie im Interview erzählt.
Katharina Nachtsheimer
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Hannover. Liebe Britta, Ihre Kinder sind 1990, 1992, 1997 und 2009 geboren – das heißt, es gibt einen Unterschied von 19 Jahren. Wie sehen Sie sich rückblickend als frischgebackene Mama in den Neunzigern?

Ich bin Jahrgang 1967, bei der Geburt meines ersten Kindes war ich 22 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich in einem Großfamilienverband, der aus Großeltern, Urgroßmutter, Tante und Onkel bestand. Wir hatten einen Familienbetrieb, meine Kinder wuchsen zwischen den mehreren Haushalten und der Firma auf. Ich hätte mir als frischgebackene Mutter mehr Ruhe und Zeit für meine Kinder gewünscht. Auf der anderen Seite war aber auch immer jemand da, der mir mal die Kinder abnehmen konnte. Ich würde mich selbst damals nicht als naiv beschreiben, aber ich hatte überhaupt keine Ängste und habe jeden Tag einfach so angenommen, wie er war.

Sie waren damals die einzige Mutter in Ihrem Umfeld, die berufstätig war.

Ja, das lag wohl auch daran, dass es damals auch gar keine Kindergartenplätze für Kinder unter drei Jahren gab. Die Kinder kamen also mit drei oder vier Jahren in den Kindergarten, der von 8 bis 12 Uhr geöffnet hatte. 1997, als meine Tochter geboren wurde, gab es dann auch die Möglichkeit, dass die Kinder im Kindergarten zu Mittag essen.

Nach Ihrem dritten Kind war ja sehr lange Pause. Wie haben Sie diese Jahre gefüllt?

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Als mein drittes Kind sieben Jahre alt war, haben der Vater und ich uns getrennt. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich im Familienbetrieb gearbeitet. Danach war ich vollauf damit beschäftigt, die drei Kinder zu erziehen, aufzufangen und meine Wunden zu lecken. Arbeit zu finden war sehr schwer, meine Kinder kamen mittags aus der Schule. Ganztagsschulen gab es nicht.

2009 kam dann Ihr viertes Kind ...

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Ja, und das hat mich völlig überrascht. Ihr Vater und ich kannten uns erst kurz, von einer gemeinsamen Zukunft war auch nicht die Rede. Ich bin zu einer Krebsvorsorge beim Frauenarzt und kam mit einem Mutterpass aus der Praxis. Ich gestehe: Ich hatte Panik. Vier Wochen vorher hatte ich mich selbstständig gemacht und hatte nun keine Ahnung, wie das alles klappen soll.

Gab es blöde Kommentare von anderen, warum jetzt so ein Nachzügler kommt? Und wie haben die großen Kinder reagiert?

Wir sind eine Familie mit viel Humor und Ironie. Mein Ältester, damals gerade 18, hat mich erst mal nach meiner Verhütung gefragt. Schließlich hatte ich ihm und seinem Bruder zahlreiche Vorträge zum Thema Verhütung gehalten. Meine Tochter hat sich einfach nur aufs Baby gefreut. Blöde Kommentare gab es nur in der erweiterten Familie, auch von meiner Mutter.

Sie waren beim vierten Kind wesentlich älter als beim ersten. Worin sehen Sie bei sich selbst die größten Unterschiede?

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Als junge Mutter war ich total gelassen, beim vierten Kind habe ich Panik geschoben. Ich hatte Angst vor all dem, was kommt. Vor den schlaflosen Nächten. Angst davor, dass das Kind nicht gesund ist. Angst davor, wie sich die Schwangerschaft auf meine chronische Erkrankung auswirkt. Und natürlich große Angst davor, dass ich es als berufstätige Mutter mit vier Kindern nicht schaffe.

Und wie waren die Unterschiede in den Rahmenbedingungen?

Wie schon gesagt, bei meinen anderen Kindern gab es einfach viel weniger Betreuungsangebote. Und auch die Eltern haben sich in den Jahren sehr verändert. Meine Kinder sind in ihren ersten Jahren nicht von Kurs zu Kurs gewandert, sie haben Sport im Verein gemacht, aber ansonsten haben sie mit Freunden gespielt. Heute kenne ich keine Mutter, die nicht berufstätig ist. Und die Väter arbeiten auch alle. Die Eltern haben heute viel weniger Zeit als in den Neunzigern.

Wie hat dieses Nachzüglerkind Ihr Leben bereichert?

Ganz klar: Dieses Kind hält mich jung. Ich habe mich vor zehn Jahren ganz bewusst für ein “Ja!” zum Kind mit 42 Jahren entschieden. Ich wusste, was auf mich zukommt. Und auch wenn es manchmal sehr anstrengend ist, möchte ich keinen Tag missen.

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Wie findet es Ihre Jüngste, so viel Altersabstand zu den Geschwistern zu haben? Wie ist die Beziehung generell unter den Geschwistern?

Meine Tochter hat nicht nur meine drei großen Kinder als Geschwister, ihr Vater hat Kinder im selben Alter. Er wohnt viele Kilometer entfernt und auch wenn wir nie ein Paar waren, so arbeiten wir als Eltern ganz gut zusammen. Meine Jüngste fährt in den Ferien immer zu ihrem Papa und sieht dann auch die anderen Halbgeschwister. Zu meinen drei Großen hat sie natürlich etwas mehr Kontakt, weil wir in einer Stadt leben. Trotzdem fühlt sie sich manchmal etwas einsam, weil sie ja schon eher wie ein Einzelkind aufwächst. Meine Großen sind sehr fürsorglich ihr gegenüber und erinnern mich immer daran, welche Fehler ich in der kommenden Pubertät der Jüngsten nicht mehr machen soll.

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