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Mutter besorgt über Ein-Freund-Regel: „Da werden wir wohl leer ausgehen“

  • In Corona-Zeiten sollen die Deutschen ihre sozialen Kontakte minimieren.
  • Die Bundesregierung schlägt vor, dass sich Kinder nur noch mit einem ausgewählten Freund treffen dürfen.
  • Eine Mutter erzählt, was dieses Vorhaben für ihre Tochter bedeuten würde.
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Schaut Mara (der Name wurde von der Redaktion geändert) aus dem Küchenfenster, sieht sie die Kinder auf der Straße spielen. Kreidezeichnungen säumen den Boden, Klinker so weit das Auge reicht. Das Neubaugebiet, eigentlich ein Paradies für die Sechsjährige. Doch seit Corona den Alltag bestimmt, verbringt Mara die meiste Zeit allein mit ihrer Mama.

Kommt jetzt die vom Kanzleramt vorgeschlagene Ein-Freund-Regel, wird es für Mara besonders hart: Niemand wird sie als die beste Freundin, als den einen Kontakt, auswählen. „Da werden wir wohl leer ausgehen“, sagt ihre Mutter Silke (Name ebenfalls von der Redaktion geändert). Bitterkeit schwingt in diesen Worten mit. Die vergangenen Monate waren hart für die beiden.

Ein-Freund-Regel soll soziale Kontakte minimieren

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Die alleinerziehende Mutter hat gerade noch den letzten Bissen vom Frühstück im Auto gegessen, auf dem Weg zur Arbeit erzählt sie von der Situation ihrer Tochter. „Mara hat zwar Spielkameradinnen. Aber alle diese Kinder haben andere Freundinnen. Müssen sie wählen, werden sie sich nicht für Mara entscheiden.“

Dass Kinder nur einen Freund oder eine Freundin als festen Kontakt auswählen sollen, ist ein Vorstoß aus dem Kanzleramt, um die Zahl der Sozialkontakte einzudämmen und die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Beschlossen ist diese Maßnahme bisher aber nicht. Kritik kommt von den Ländern, aber auch Kinderschutzverbände kritisieren diese Maßnahme scharf. Weil sie schwerwiegende Folgen für Kinder wie Mara befürchten.

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Schule unter Corona-Bedingungen: „Es fehlt die Herzlichkeit“

Die Corona-Krise hat eine richtige Schneise in Maras Freundschaften geschlagen. Nachdem im Kindergarten alle Freunde längst eingeschult waren und sie gerade neue Kinder zum Spielen gefunden hatte, kam erst der Lockdown. Vier Wochen war sie mit ihrer Mutter komplett allein zuhause. Dann fing die Kita wieder an – mit völlig neuen Gruppen, abgeriegelt voneinander. „Ihre neuen Freunde konnte sie dann nur noch durch den Zaun sehen“, erzählt Silke. Im Sommer dann die Einschulung unter Corona-Bedingungen und nun Unterricht mit viel Distanz. „Das ist ja auch nicht Schule, wie wir sie kennen. Da fehlt die Nähe, die Herzlichkeit.“ Neue Freunde zu finden, fällt unter den Bedingungen nicht gerade leicht.

Corona sorgt für mehr Distanz

Aber auch viele andere Freunde und Bekannte hätten sich über die Monate immer weiter distanziert. „Wir alle versuchen ja, Kontakte zu vermeiden. Wir natürlich auch. Viele entscheiden sich dann aber lieber für die Schwester oder für die Freundin mit mehreren Kindern im gleichen Alter“, sagt Silke. „Mara und ich bleiben immer außen vor.“ Schon jetzt höre sie immer wieder: „Leider haben wir schon einen anderen Kontakt.“

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Dabei begrüße sie die Maßnahmen eigentlich, betont Silke, schließlich gehöre sie selbst zur Risikogruppe, ebenso der Opa. „Dass die Regierung entscheidet, auf Menschen wie mich Rücksicht zu nehmen, finde ich natürlich gut.“ Sie sehe aber eben auch, wie schmerzlich die Folgen sein können. „Mara äußert das zwar nicht so direkt, aber ich glaube schon, dass sie sehr einsam ist.“

Was bedeutet die Ein-Freund-Regel für Trennungskinder?

Gerade an den Wochenenden merke sie es besonders, wenn der Alltag die Einsamkeit nicht mehr verdrängt. „Selbst auf den Spielplätzen treffen wir inzwischen niemanden mehr“, sagt Silke. „Mara verbringt daher viel Zeit allein mit ihrer Mutter.“

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So wird es wohl auch in der Vorweihnachtszeit bleiben. Denn an diese Maßnahme werde sie sich halten, sollte sie kommen, sagt Silke. „Ich bin ein sehr regelhafter Mensch. Die Regel einfach zu brechen, käme für mich nie infrage.“

Da ihre Eltern getrennt leben, hat Mara ohnehin schon mehr Kontakte zu anderen Personen. Streng genommen dürfte sie bei einer entsprechenden Regelungen sowieso niemand anderen mehr treffen, da ihr Vater der zweite Kontakt wäre. Ein Problem, vor dem dann wohl auch die anderen der mehr als 120.000 Trennungskinder in Deutschland stehen würden.

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