Mundschutz für Kinder: Was zu beachten ist und wie man ihn selbst näht

  • Eine bundesweite Maskenpflicht ist beschlossen. Auch Kinder müssen Masken tragen.
  • Es gibt jedoch einige Ausnahmen.
  • Was Sie über Mundschutz für Kinder wissen sollten und wie sie einen selber nähen.
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Nun müssen wir also (fast) alle in Bus, Bahn und beim Einkaufen einen Mundschutz tragen. Auch die Kinder. Die Einführung der Maskenpflicht in Deutschland erfolgt zwar Schrittweise, aber relativ zügig. Eltern müssen sich also zeitnah um einen Mundschutz für ihre Kleinen kümmern. Da kann man auf fertige Masken zurückgreifen, die im Handel oder im Internet erhältlich sind oder selber welche nähen. Im Netz gibt es eine große Anzahl an Masken mit kinderfreundlichen Motiven, die durchschnittlichen Kosten liegen etwa bei 10 bis 20 Euro. Beachtet werden sollte hier immer die Angabe der Versanddauer.

Bei Atemschutzmasken ist die Passform besonders wichtig, damit diese wirksam sind. Die meisten Masken werden für Erwachsene konzipiert, die in medizinischen, wissenschaftlichen oder technischen Berufen arbeiten. Für Kindergesichter sind Standard-Masken daher in den meisten Fällen zu groß und es braucht einen speziellen Mundschutz für den Nachwuchs, um eine gute Abdichtung zu erreichen.

Wichtig bei den Alltagsmasken ist, dass es sich lediglich um eine zusätzliche Maßnahme zur Kontaktreduzierung handelt und diese nicht die allgemeinen Hygieneregeln ersetzt.

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Chronologie des Coronavirus
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Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © RND

Ausnahmeregelung für Kinder bei Maskenpflicht

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Inzwischen haben alle Bundesländer in Deutschland eine Maskenpflicht beschlossen. Die Regeln, wo die Masken getragen werden müssen, variieren ebenso, wie Ausnahmeregelungen für Kinder. Während Hamburg zum Beispiel plant, dass die Maskenpflicht bei Kindern unter drei Jahren ausgesetzt wird, soll die Pflicht in Bayern erst für Kinder ab dem 7. Lebensjahr gelten.

Eine bundesweit einheitliche Regelung wird es voraussichtlich also nicht geben. Zwei Faktoren sind bei den Überlegungen besonders zu bedenken. Auf der einen Seite ist es schwieriger – je jünger die Kinder sind – ihnen die Hygiene- und Umgangsregeln mit dem Mundschutz beizubringen. Kleinkindern kann man auch nicht erklären, dass sie einen Mundschutz tragen müssen, sie werden sich diesen also vermutlich abreißen. Auf der anderen Seite haben gerade kleinere Kinder eine feuchtere Aussprache und sorgen so für eine Tröpfchenzirkulation. Weiter stecken sie gerne ihre Finger oder Gegenstände in den Mund, die von anderen wieder angefasst werden.

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Sind Masken für Kinder gefährlich?

Viele Eltern sind durch einen Kettenbrief verunsichert, der vor allem auf WhatsApp kursiert und von besorgten Eltern fleißig geteilt wird. Hier wird vor dem Gebrauch von selbst genähten Masken für Kinder gewarnt. Angeblich sammle sich unter der Maske zunehmend mehr CO2, sodass es zu einer Atemlähmung kommen könne. Für Kinder unter 12 Jahren seien die Masken ungeeignet, für Kinder unter sechs Jahren gefährlich.

Dieser dubiosen Warnung haben im Internet bereits zahlreiche Ärzte widersprochen. Kohlenstoffdioxid-Moleküle seinen so klein, dass sie von einem luftdurchlässigen Stoff nicht gesammelt oder aufgehalten werden können. Das würden nicht einmal die deutlich stärker filternden FFP-Masken schaffen.

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Eigenschutz oder Fremdschutz – Welche Maske wirkt wie?
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Welche Masken gibt es, wen schützen sie und was sollte man beim Tragen von selbstgenähten Masken beachten?  © RND

Grundsätzlich gilt für Kinder auch, was bei Erwachsenen gilt. Die Belastung durch Atemschutzmasken kann für Personen mit einem Grundleiden, wie zum Beispiel Asthmatiker, ein zusätzliches Risiko darstellen. Zudem sollten die Masken nicht rund um die Uhr getragen werden. Auch wenn jedes Bundesland individuelle Regeln zur Maskenpflicht hat, sollen Alltagsmasken grundsätzlich in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen getragen werden. Also immer dort, wo viele Menschen zusammenkommen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) rät außerdem dazu, in der Arztpraxis einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, um eine Weiterverbreitung zu vermeiden. Beim Toben im Garten sollten Kinder hingegen keine Maske tragen. Es würde ihnen nur das Atmen erschweren und sie könnten leicht hängenbleiben.

Säuglinge und Kleinkinder sollten aufgrund von Erstickungsgefahr niemals Atemschutzmasken tragen. Kinderärztin Dr. Claudia Dominicus empfiehlt: „Einem Säugling würde ich auf keinen Fall einen Mundschutz aufziehen! Und eigentlich auch keinem Kind, das unter zwei Jahre alt ist.“ Kinder könnten sich in so einem jungen Alter noch nicht verständigen, wenn ihnen der Mundschutz Probleme beim Atmen mache.

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Inwieweit Kinder vom Coronavirus infiziert werden können, ist noch unklar. In Medizinerkreisen gibt es zwei Studien, die gegensätzliche Erkenntnisse zeigen. Isländische Wissenschaftler hatten in ihrer Studie unter 13.000 Teilnehmern kein Kind unter zehn Jahren, das mit dem Virus infiziert war. Eine chinesische Studie hingegen zeigt eine nahezu identische Infektionsrate wie bei Erwachsenen. Die vier Universitäts-Kinderkliniken, koordiniert von der Heidelberger Klinik, im Südwesten Deutschlands wollen nun in einer Studie Klarheit schaffen.

Worin sich jedoch alle einig sind: Grundsätzlich ist der Verlauf der Erkrankung bei Kindern deutlich milder als bei Erwachsenen oder älteren Menschen. Teilweise würde man nicht einmal bemerken, dass Kinder sich mit Covid-19 angesteckt haben. Das Virus verbreiten können Sie jedoch trotzdem.

Worauf muss man bei Nutzung der Maske achten?

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Auch für uns Erwachsene ist die korrekte Handhabung eines Mundschutzes nicht einfach. Man soll die Innenseite nicht berühren, um eine Kontaminierung zu vermeiden, nach Benutzung nicht die Außenseite und während des Tragens die Maske nicht berühren.

Das Bundesinstitut für Arznei und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt, vor Aufsetzen der Maske die Hände zu waschen, die Maske richtig über Mund, Nase und Wangen zu platzieren, dass sie eng anliegt, die Außenseite nach dem Tragen nicht zu berühren, nach dem Absetzen der Maske die Hände gründlich mit Seife zu waschen und sie nach Benutzung möglichst zeitnah zu waschen – idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad. Bis zum Waschen in einem geschlossenen Behälter aufbewahren.

Bei gekauftem Mundschutz sollten immer Herstellerangaben zur maximalen Zyklusanzahl, nach der die Festigkeit und Funktionalität noch gegeben ist, beachtet werden.

Mundschutz für Kinder selbst nähen

Wenn Kinder bei der Musterauswahl mit entscheiden dürfen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass sie sie tragen. © Quelle: Vanessa Casper

Wer eine Nähmaschine sein Eigen nennt, kann mithilfe eines passenden Schnittmusters auch für seine Kinder eine Atemschutzmaske nähen. Die Größen variieren um ungefähr zehn Prozent je nach Altersstufe. Wenn wir eine Maske für Erwachsene als 100 Prozent sehen, hat eine Maske für Jugendliche etwa 90 Prozent der angegebenen Abmaße, bei Kindern sind es rund 80 Prozent und bei kleinen Kindern demnach 70 Prozent. Viele Schnittmuster kommen direkt in mehreren Größen und stehen kostenlos zum Download im Internet bereit.

Als besonders beliebt wegen der guten Passform haben sich bei Eltern und Kindern inzwischen Masken mit einem extra Nasenansatz und senkrechter Naht in der Mitte erwiesen. Ein passendes Schnittmuster (in vier verschiedenen Größen) finden Sie zum Beispiel auf textilsucht.de.

Mit diesem einfachen Schnittmuster können Sie Atemschutzmasken in vier verschiedenen Größen nähen. © Quelle: textilsucht.de

Zusammen mit Verena Heuer – sie ist angehende Kindheitspädagogin und Mitarbeiterin in einem Stoffgeschäft in der Region Hannover – haben wir das Schnittmuster von pattydoo.de ausprobiert und in zweifacher Ausführung genäht. Wichtig ist zuerst, dass Sie das passende Schnittmuster für Ihr Kind finden. Verlassen Sie sich nicht auf angegebene Größen, sondern probieren Sie das ausgeschnittene Muster vorab mit ihrem Kind aus. Dabei sollte die Maske im Idealfall nicht zu locker oder eng sitzen, da die Kinder sonst die Masken entweder immer hochschieben oder sie zwicken und deswegen nicht tragen wollen.

Die perfekte Stoffwahl für Ihre DIY-Maske

Am besten eignet sich ein Baumwollstoff. Für diesen Schnitt sollte der Stoff nicht dehnbar sein, da sich die Maske sonst verzieht. Ein Jersey-Stoff eignet sich also nur, wenn Sie ein Schnittmuster für eine seitlich raffbare Maske nutzen wollen.

Bei der Wahl des Stoffes sollten Sie auf jeden Fall Ihre Kinder mit einbeziehen. Denn nur wenn diese ihre Maske mögen und sich mit ihr identifizieren, werden sie den Mundschutz auch tragen. Suchen Sie das Stoffmuster also am besten gemeinsam aus. Für die Innenseite eignet sich sogenanntes Musselin, woraus auch Spuckwindeln für Babys hergestellt werden. Das ist angenehm weich und verursacht keine großen Problem mit dem Atmen.

Das Nähen beginnt!

  • Schneiden Sie den gewünschten Stoff mithilfe des Schnittmusters zu. Dafür brauchen Sie je zwei gegengleiche Grundformen, die die Außen- und Innenseite der Maske bilden. Nähen Sie rechts auf rechts (also die schönen Stoffseiten aufeinandergelegt) je beide Teile für Innen und Außen mittig zusammen.
Für diesen Mundschutz hat sich die 6-jährige Nike gleich zwei unterschiedliche Stoffe gewünscht. © Quelle: Vanessa Casper
  • Schneiden Sie an der Rundung überflüssigen Stoff mit einer Zickzack-Schere aus. Das hat den Vorteil, dass sich der Stoff leichter in die Rundung einfügt. Nun wiederum rechts auf rechts die zusammengenähten Stoffstücke zusammenstecken. Achten Sie dabei darauf, dass die beiden Nahtzugaben, die sich an der Ecke für die Nase treffen, eine nach links und eine nach rechts klappen. So verhindern Sie eine wulstige Naht.
Der Innenstoff besteht aus weichem Musselin, der für die Außenseite aus Baumwolle. © Quelle: Vanessa Casper
  • Nun werden die obere und untere Seite zusammengenäht. Die Maske wenden und im Anschluss die Nähkanten bügeln. Die kurzen seitlichen Überstände der äußeren Hülle knapp nach innen einklappen, bügeln und wieder absteppen, also abnähen. Das Bügeln sollten Sie auf jeden Fall machen, da ansonsten der Stoff schnell verrutscht und die Maske nicht ihre Form hält.
Durch das Bügeln ist es einfacher, alle Teile ordentlich zusammenzunähen und die Maske hält später ihre Form. © Quelle: Vanessa Casper
  • An dieser Stelle können Sie optional noch einen Draht als Nasenbügel einarbeiten, da der Draht nun durch die offenen Seiten eingeschoben werden kann. Die Seiten noch einmal mit einer Breite von etwa 1,5 Zentimetern umklappen und knapp an der Kante zunähen. Das bietet den Schlauch für das Gummi. Dieses einziehen, die passende Länge am Kopf des Kindes austesten und entweder zusammenknoten oder rund zusammennähen und die Nahtstelle so drehen, dass sie innerhalb der Maske versteckt ist.
Die Maske ist fast fertig. Nur noch die Gummibänder müssen eingezogen werden. © Quelle: Vanessa Casper

Für die Kleinen empfiehlt Verena Heuer übrigens, kein Band zum Binden zu nehmen, sondern auf Gummi zu setzen. Dieses gibt es flach oder rund – ähnlich wie bei Schnürsenkeln. Bei sogenanntem Schrägband, das hinter dem Kopf gebunden werden muss, ist der Nachteil, dass die Kinder die Maske nicht selbst aufsetzen können.

Nike (6) und Enno (9) haben sich den Stoff für ihre Masken selbst ausgesucht. © Quelle: Vanessa Casper
Durch die Naht an der Nase liegt die Maske gut an und stört an den Augen weniger. © Quelle: Vanessa Casper
Seitlich wird der Stoff durch das Gummiband leicht gerafft und über den Ohren getragen, sodass Kinder die Maske auch selbstständig aufsetzen können. © Quelle: Vanessa Casper
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