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Wie Kinder ihre ursprüngliche Freude am Rechnen behalten

  • Rechnen ist nicht gleich Matheunterricht – Kinder haben einen natürlichen Zahlensinn und können schon früh Mengen unterscheiden.
  • Bei diesen ersten Rechenversuchen sollten Eltern sie unterstützen.
  • In der RND-Kolumne „Vater, Mutter, Kind“ erklärt Birk Grüling, warum der alltägliche Kontakt mit Zahlen praktisch ist – und Spaß macht.
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Wir leben in einer Welt voller Zahlen, überall sind sie zu finden, auf der Uhr im Wohnzimmer, an der Supermarktkasse, an der Haustür. In diese Welt taucht mein Sohn gerade kopfüber ein. Wie Graf Zahl aus der „Sesamstraße“ zählt er alles ab, was ihm vor die Füße kommt. Und die Zahlen werden größer.

Früher waren die vier Motorräder auf dem Weg in die Kita schon eine kleine Herausforderung. Heute zählt er problemlos die 24 tierischen Freunde von Indianerkind Yakari am Ende der Comics. Auch ein Gefühl für Mengen entwickelt sich langsam: Wer ist älter, wer jünger, wer hat mehr Kekse, wie viel Taschengeld bekomme ich und wie viel kostet das heiß gewünschte Lego-Set?

Auch wenn ich mir das gern einreden würde, ist mein eigener Einfluss als Papa mit Mathebachelor dabei eher gering. Auch mit Hochbegabung hat der kindliche Drang, die Welt durchzuzählen, nichts zu tun. Viel mehr besitzen Kinder eine Art natürlichen Zahlensinn. So konnten Forschende zeigen, dass bereits Babys Mengen unterscheiden können. In Experimenten wurden ihnen Bilder mit unterschiedlich vielen Gegenständen gezeigt. Blieb die Menge gleich, zeigten sie kaum Interesse. Veränderte sich dagegen die Anzahl, war die Aufmerksamkeit höher.

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Diesen Zahlensinn müssen wir als Eltern nur aufgreifen, bevor die oft leider dröge Schulmathematik und Erwachsene mit Zahlenaversion die Freude an Mathematik nehmen. Natürlich muss niemand mit seinem Vorschulkind erste Rechenaufgaben lösen, das Einmaleins lernt es auch in der Schule. Viel sinnvoller ist der alltägliche Kontakt mit Zahlen. Den Tisch decken mit der richtigen Zahl von Tellern und Besteck, die Auswahl von genug Süßigkeiten für die ganze Familie oder das gemeinsame Backen und Kochen. Das macht Spaß und ist praktisch.

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Zum Beispiel zählt mein Sohn beim Einkaufen im Supermarkt neuerdings nach, ob wir auch alle Lebensmittel in der ausreichenden Menge im Wagen haben, fand beim Adventskalender auch ohne Hilfe die richtigen Türchen oder besteht neuerdings darauf, seinen Schlafanzug anzuziehen, wenn der kleine Zeiger auf der Sieben und der große auf der Zwölf steht. Danke, Mathematik!

Birk Grüling ist freier Wissenschaftsjournalist und Kinderbuchautor. Er lebt mit Frau, Kind und Pudelmischling im Hamburger Speckgürtel.

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Die lieben Kleinen (und Großen) können unser Leben ganz schön durcheinander wirbeln: Wie und was tun? Darum geht‘s in Vater, Mutter, Kind.

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