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„Mama macht das schon“ geht nicht mehr! Elternprotest in der Corona-Krise

  • Homeoffice und Kinder ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.
  • Zunehmend mehr Eltern kritisieren, dass dies von der Politik zu wenig beachtet wird.
  • Im Internet formieren sich Eltern zum Protest und fordern realitätsnahe Lösungen.
Leonie Schulte
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Lautes Kindergebrüll dringt durch den Hörer. „Ich rufe gleich zurück“, sagt Louisa Löwenstein und beendet das erste Telefonat nach sechs Sekunden. Sechs Sekunden, die exemplarisch sind für Situation vieler Eltern in der Corona-Krise, die gleichzeitig arbeiten und ihre Kinder betreuen sollen. Nach mehr als fünf Wochen kommen viele Familien an ihre Grenzen. Im Internet formiert sich Protest. Während Geschäfte, Autohäuser und Golfplätze langsam wieder öffnen, bleiben Spielplätze vorerst geschlossen. Der Regelbetrieb in der Kita? Frühestens ab August, empfehlen etwa die Wissenschaftler der Leopoldina. Wer in den nächsten dreieinhalb Monaten die Kinder betreut, während die Eltern weiterhin ihrer Arbeit in vollem Umfang nachgehen sollen, bleibt unklar. Und nun startet auch in NRW die nächste Homeschooling-Saison - Ende offen.

Die Signale der vergangenen Tage lassen viele Familien ratlos, verzweifelt, manche auch wütend zurück. Immer mehr werden inzwischen aktiv, sie starten Petitionen, sie diskutieren unter dem Hashtag #CoronaEltern, sie vernetzen sich online. „Eltern in der Krise“ etwa heißt die Facebook-Gruppe, die Louisa Löwenstein am 17. April gegründet hat. Inzwischen zählt sie über 5000 Mitglieder. Darunter Alleinerziehende, die noch immer nicht überall Anspruch auf einen Platz in der Notbetreuung haben, oder Erzieherinnen, die arbeiten müssen aber nicht wissen, was sie mit ihren eigenen Kindern machen sollen.

Lösungen müssten auch in der Realität funktionieren

Was die vielen Väter und Mütter eint ist das Gefühl, in der Krise bislang übersehen worden zu sein. „Daher fordern wir Lösungen, die sich an der Realität, an den echten Bedürfnissen der Familien orientieren“, sagt die 35-jährige Aktivistin. Dabei gehe es ihnen nicht um konkrete Forderungen, etwa die breitere Öffnung der Kitas oder die Einführung eines Corona-Elterngeldes, wie es das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ins Gespräch gebracht hatte. „Das sind Dinge, über die Experten entscheiden sollen“, so Löwenstein.

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„Wir sind weder Virologen noch Kinderpsychologen oder Wirtschaftsexperten. Wir wissen aber um die Bedürfnisse der Familien und Kinder und fordern, dass diese in allen Entscheidungen auch Gewicht haben. „Es geht ihnen ums Abwägen. Welches Risiko ist größer, wo sind Schutzmaßnahmen wichtig, wo Lockerungen angebracht. Bisher sei zu wenig über die Perspektive der Kinder gedacht, geforscht worden, sagen Eltern. Tatsächlich: Ob Kinder wirklich vermehrt zur Verbreitung des Corona-Virus beitragen, dazu herrscht eine Forschungslücke.

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Kita-Schließungen beruhen also bisher auf Annahmen, nicht auf Daten. Dabei ist die Corona-Krise gerade für Kinder eine Zeit voller Entbehrungen: Sie können ihre Freunde, ihre Großeltern nicht sehen, sie dürfen draußen nicht spielen und müssen mitunter in sehr beengten Wohnungen und manchmal auch sehr unsicheren Verhältnissen irgendwie zurecht kommen.

Ein Umstand, der auch Dreifach-Mutter und Bloggerin (grossekoepfe.de) Anne-Luise Kitzerow wütend macht: „Wir wollen in der Krise die Schwächsten schützen, dazu gehören aber auch die Kinder. Und ausgerechnet die sind seit Wochen isoliert. “Bislang haben Familien die Situation irgendwie eigenständig bewältigt — mit Ausflügen in den Wald und Arbeiten in den frühen Morgenstunden, am Abend und an Wochenenden. Mit Urlaubstagen, mit unbezahltem Urlaub und abgefeierten Überstunden. Inzwischen sind die Ressourcen allerdings erschöpft. Eltern warten auf Lösungen aus der Politik. Die seien bis dato eher lebensfern gewesen, so die Kritik. „Mama macht schon!“, sei Devise in der Krise, sagt etwa Barbara Vorsamer, Redakteurin der Süddeutschen Zeitung, in der WDR-Sendung „Hart aber Fair“ am Montag. Homeoffice als Lösung zur Kinderbetreuung, „das kann nur jemand vorschlagen, der das noch nie gemacht hat“, so die Journalistin.

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Welche Masken gibt es, wen schützen sie und was sollte man beim Tragen von selbstgenähten Masken beachten?  © Leonie Schulte/RND

Hoffnung durch die „AG Kita“

Wie drängend das Problem für Familien inzwischen ist, scheint zumindest im Familienministerium angekommen zu sein. Sie wolle eine Perspektive geben, sagte Familienministerin Franziska Giffey, dazu berate seit Monat die „AG Kita“, eine Arbeitsgemeinschaft aus Bund, Ländern und Expert, die Empfehlungen zur Wiederöffnung des Kitabetriebs erstellen soll. Diese sollen in die Beratungen des Corona Kabinetts am 30. April einfließen.

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