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Hitzefalle Kinderwagen: Falsche Abdeckung kann gefährlich werden

  • Bei hochsommerlichen Temperaturen sind Babys und Kleinkinder darauf angewiesen, dass ihre Eltern sie vor Hitze und direkter Sonneneinstrahlung schützen.
  • Das versuchen viele Mütter und Väter, indem sie den Kinderwagen abdecken.
  • Doch unter der Abdeckung staut sich die Hitze – und das kann gefährlich werden.
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Hannover. Mit Tüchern und Decken wollen viele Eltern ihr schlafendes Baby im Kinderwagen vor Sonneneinstrahlung schützen. Doch was als Vorsichtsmaßnahme gemeint ist, kann für den Nachwuchs schnell gefährlich werden.

Wie sich Hitze auf Babys und Kleinkinder auswirkt

Steigen die Temperaturen, reagieren wir zunächst, indem wir schwitzen. Der Schweiß auf der Haut verdunstet und kühlt auf diese Weise. Kinder hingegen schwitzen bis zur Pubertät weniger als Erwachsene – sie geben also weniger Wärme ab, da weniger Schweiß verdunstet. Bei extremer Hitze gelingt es dem kindlichen Körper deshalb schnell nicht mehr, seine Temperatur genügend herabzusetzen. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Herzstillstand kommen.

Steigende Temperaturen im Kinderwagen durch Abdeckung mit Tuch

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Viele Eltern denken, sie könnten den Nachwuchs mit einer Decke oder einem Handtuch über dem Kinderwagen vor Sonne schützen. Doch die Abdeckung kann zur Gefahr werden: "Unter einem Tuch kann die Luft schlechter zirkulieren", erklärt Kinderärztin Tanja Brunnert aus Göttingen. "Dazu kommt, dass Eltern ihr Kind nicht mehr sehen können. Sie kriegen oft gar nicht mit, wenn es im Kinderwagen zu warm wird."

22 Grad Außentemperatur – 37 Grad im Kinderwagen

Um zu verdeutlichen, wie drastisch die Temperaturen in einem abgedeckten Kinderwagen ansteigen, hat die schwedische Zeitung „Svenska Dagbladet“ gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlern ein Experiment durchgeführt: Als die Forscher bei einer Außentemperatur von 22 Grad Celsius eine dünne Decke über den Kinderwagen legten, stieg die Temperatur im Inneren innerhalb von 30 Minuten auf 34 Grad Celsius an. Nach einer Stunde waren es schon 37 Grad. Bei einer dickeren Decke wären die Temperaturen sogar noch höher gewesen, so die Forscher.

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Hitzewelle über Europa
2:15 min
Von der Ostsee bis nach Frankreich: Eine klassische hochsommerliche Hitzewelle legt sich zurzeit und in den kommenden Tagen über Europa.  © Reuters
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So erkennen Sie einen Hitzschlag

Die Symptome eines Hitzschlages sind vielfältig:

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  • Blasse, feuchte und/oder heiße Haut
  • Schneller Puls, Unruhe
  • Schnelle, flache Atemzüge
  • Erbrechen
  • Dunkler Urin, weniger Windelwechsel als gewöhnlich
  • Weigerung zu trinken oder erhöhter Durst

Wer bei einem Kind einen Hitzeschlag vermutet, sollte es schnell an einen kühlen Ort bringen und einen Arzt rufen. In der Zwischenzeit können feuchte Tücher auf Stirn, Nacken und um die Waden gewickelt, helfen. Sie wirken unterstützend für den Kreislauf.

Alternative: Sonnenschirm oder Sonnensegel

Um das Baby im Kinderwagen vor Sonne zu schützen und nicht zu gefährden, eignen sich ein Sonnenschirm oder ein Sonnensegel, also ein trapezförmiges Tuch, das man mit Schnüren oder Klammern zwischen Kinderwagenlenker und Verdeck befestigt: Die Luft kann weiterhin zirkulieren und das Kind bekommt genügend Sauerstoff. Außerdem gibt es Alternativen mit UV-Schutz im Handel.

„Grundsätzlich sollten Eltern den Kinderwagen jedoch nicht dauerhaft in der prallen Sonne stehen lassen – egal, wie hoch der Schutz ist“, so Brunnert. „An heißen Tagen eignet sich ein Spaziergang im Schatten, zum Beispiel im Park oder Wald, eher.“

Außerdem wichtig im Sommer: Die richtige Kleidung

Auch bei bedecktem Himmel dringen bis zu 80 Prozent der UV-Strahlung durch. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) empfiehlt deshalb, auf sonnengerechte Textilien zu achten. Ein Hut mit Schirm und Nackenschutz sei ebenso wichtig wie ein luftiges, möglichst langärmliges Shirt und eine weitgeschnittene, lange Hose. Mittlerweile gibt es auch Kleidung mit speziellem UV-Schutz: Eltern erkennen sie an dem Prüfsiegel “UV-Standard 801”. Hose, Shirt und Hut sollten für Kinder einen Schutzfaktor von mindestens 30 aufweisen.

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