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Kinderfotos im Netz: Experten warnen vor zunehmenden Missbrauch

  • Herbstferien – die Reiselust ist nach gut eineinhalb Jahren Corona groß. Im Urlaub gibt es oft eine Menge Familienfotos von Pool und Strand, die in den sozialen Medien geteilt werden.
  • Immer öfter aber landen die Aufnahmen auf vollkommen anderen Seiten – sogar im Netzwerk von Pädophilen.
  • Experten warnen eindringlich davor, Bilder der eigenen Kinder im Netz hochzuladen.
Katrin Schreiter
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Berlin. Ein Schnappschuss beim Baden, ein Urlaubsfoto beim Spielen am Strand, ein lustiges Bild von der Poolparty: Das Smartphone ist schnell zur Hand, die Aufnahme noch schneller bei Facebook und Instagram gepostet. Doch die Bilder nehmen ihre eigenen Wege, landen mitunter auf ganz anderen Internetseiten.

Es sind vor allem die harmlosen Alltagsbilder, die von Pädosexuellen massenhaft kopiert werden, um sie auf Kinderpornoseiten zu teilen und zu tauschen. Das hat das Rechercheteam des ARD-Politikmagazins „Panorama“ herausgefunden, das mehrere Millionen Fotos mithilfe einer speziellen Software untersucht hat.

Irreparable Schäden

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Die Schäden sind irreparabel, warnen Experten. Denn sind die Aufnahmen einmal in den sozialen Netzwerken hochgeladen, verlieren sowohl die Fotografen als auch die Abgebildeten schnell die Kontrolle darüber, was mit den Bildern letztendlich passiert und wo sie landen. Manchmal hängen sogar Standortdaten der Bilder dran, die Aufschluss geben, wo sie gemacht wurden.

Eltern sind bei diesem Thema zu sorglos – das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Initiative jugendschutz.net, die 2019 einen Report über Kinderbilder auf Instagram veröffentlicht hat. Dafür wurden 50 Profile analysiert: 29 Elternprofile und 21 von Eltern geführte Kinderprofile. Das Ergebnis: Die meisten Eltern hatten die Kinderbilder nicht ausreichend unkenntlich gemacht. In 94 Prozent der Fälle konnten die Kinder leicht identifiziert werden.

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Auf 49 der 50 untersuchten Profile wurden die Persönlichkeitsrechte der Kinder verletzt: So wurden die Mädchen und Jungen zum Beispiel schlafend oder im Badezimmer gezeigt, krank auf der Couch oder verängstigt beim Arztbesuch. Zudem gaben die Texte zu den Bildern viele intime Details preis, etwa die Toiletten- oder Essgewohnheiten der Kinder. Auch das erhöht das Risiko für eine Sexualisierung im Netz, warnt jugendschutz.net.

Auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre

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Einmal veröffentlichte Fotos lassen sich in der Regel nicht mehr aus dem Netz löschen und sind auch Jahrzehnte später noch zugänglich. Oft sind Kinder schon in ihren ersten Lebensjahren in den sozialen Netzwerken präsent, entscheiden darüber aber nicht selbst. Das verletzt sowohl ihr Recht auf informationelle Selbstbestimmung als auch ihr Recht am eigenen Bild.

Oh, wie niedlich? Für Fotos, die Eltern lustig oder süß finden, schämen sich Kinder nicht selten später massiv. Eltern sollten sich klarmachen, dass sie die Privatsphäre ihrer Töchter und Söhne verletzen.

Cybermobbing

Besonders problematisch sind oft peinliche Aufnahmen, die im Netz die Runde machen. Sie können genutzt werden, um Kinder online zu mobben. Doch auch harmlose Bilder lassen sich digital nachbearbeiten – und die Abgebildeten so schikanieren, dass sie langfristig großen psychischen Schaden nehmen.

Cybergrooming

Haben die Kinder bereits selbst ein Social-Media-Profil, kann es zu Cybergrooming kommen. Dabei nehmen Personen gezielt Kontakt im Internet auf, um eine sexualisierte Beziehung aufzubauen. Werden Fotos zusammen mit sensiblen Daten wie dem Namen und dem Wohnort veröffentlicht, können diese Übergriffe sogar im realen Umfeld stattfinden.

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Was also tun? Nichts mehr online stellen? Experten raten, vor dem Posten lieber einmal mehr nachzudenken, welche Folgen das Foto haben könnte. Dabei sollten Eltern unbedingt beachten:

  • Keine peinlichen und unangenehmen Fotos posten, die später als Vorlage für Mobbing dienen könnten.
  • Keine Standortdaten und Kontextinfos preisgeben, die Rückschlüsse auf Alter oder Wohnort möglich machen.
  • Die Profile bei Facebook, Instagram und Co. so privat wie möglich halten und die Einstellungen regelmäßig nach Updates überprüfen.
  • Kinder nicht wiedererkennbar fotografieren, zum Beispiel seitlich mit Sonnenbrille. Auch ein digitaler Sticker über dem Gesicht anonymisiert.
  • Nie ohne Erlaubnis der Eltern Fotos mit anderen Kindern online stellen.

Ein Tipp zum Schluss: Medienkompetenz muss gelernt werden. Eltern sollten als Vorbilder verantwortungsvoll mit Daten im Internet umgehen. Davon profitieren ihre Kinder später, wenn sie selbst Bilder ins Netz stellen.

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