(K)Ein Leben ohne Mittagsschlaf

  • Für viele Eltern ist er existenziell, um im mitunter anstrengenden Alltag mit Kids zu bestehen: der Mittagsschlaf.
  • Nicht der eigene selbstverständlich. Gemeint ist die tägliche kleine Auszeit, die Mama und Papa ein tief schlummerndes Kind beschert.
  • Fällt diese ersehnte Pause plötzlich weg, kann das den elterlichen Alltag ganz schön durcheinanderbringen, findet unser Familienkolumnist Birk Grüling.
Birk Grüling
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Hamburg. Wir sind in einer „Es geht auch ohne“-Phase. Den Schnuller braucht mein Sohn nur noch zum Einschlafen. Der Kinderaufsatz vom Hochstuhl ist lange eingemottet. Trinken, essen, anziehen – all das, was früher elterliche Unterstützung brauchte, wurde zu „Ich mach das“. Sogar beim Spielen sind wir oft nur Assistenten, verbannt auf das Sofa, nur eingewechselt, wenn der Helm nicht vom Playmobil-Kopf runter will.

Sogar auf die Windel verzichten wir jetzt die meiste Zeit des Tages, noch mit wechselhaftem Erfolg, aber das „Es geht auch ohne“ ist in greifbarer Nähe. Aus väterlich-sentimentaler Sicht ist jeder dieser Entwicklungsschritte ein kleiner Abschied, im Sinne von: „Sie werden so schnell groß.“ Trotzdem bedeutet ein selbstständiges Kind natürlich auch mehr Freiheit und cooleres Spielzeug.

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„Ich bin überhaupt nicht müde“

Nur mit dem Abschied vom Mittagsschlaf können wir uns noch nicht anfreunden. Während mein Sohn in der Kita täglich mindestens eine Dreiviertelstunde ruht, verzichtete er am vergangenen Wochenende erstmals ganz auf sein Mittagsschläfchen. Damit brachte er den gut geplanten Tagesablauf seiner Eltern gewaltig durcheinander. Normalerweise beginnt der Samstag mit einem langen, frühen Frühstück, etwas Toben, einem Abstecher in die Bücherei und auf den Wochenmarkt, danach zwei Runden Laufrad und Mittagessen.

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Bisher folgten eine Stunde Ruhe für meinen Sohn oder viel wichtiger: für uns. Eine Stunde, um aufzuräumen, zu bügeln, zu reden, die Termine der nächsten Woche zu besprechen, Einkaufslisten zu schreiben, Kaffee zu trinken, kurz mal durchzuatmen. Eine Stunde Ruhe vor dem restlichen Nachmittag, vor Zoobesuchen, Ziegenstreicheln, Duplo-Türmen.

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Nun stand mein Sohn freudestrahlend vor mir und verkündete, er sei überhaupt nicht müde. Selbst das Vorlesen dreier wenig aufregender Conni-Geschichten brachte ihn nicht von dieser Haltung ab. Also gingen wir gleich zur Tagesordnung über, aßen das vermutlich letzte Eis der Saison, füllten das Planschbecken. Mein Sohn hielt sich wacker, bis um 19 Uhr jedenfalls. Eine Stunde vor seiner üblichen Zubettgehzeit schlief er schnell und seelenruhig ein. Und wie nutzten wir Eltern die gewonnene Zeit? Nicht zum Aufräumen, nicht zum Bügeln, wir fielen todmüde ins Bett. Schweigend vereint in der Erkenntnis, dass wir noch nicht bereit sind für ein Leben ohne Mittagsschlaf.

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  • Birk Grüling ist freier Bildungsjournalist und lebt mit Frau und Kind im Hamburger Speckgürtel.