“Ich liebe meine Kinder, kann sie aber gerade nicht leiden”

  • Eigentlich hatte sich Ariane (39) das Familienleben mit zwei Kindern anders vorgestellt. Friedlich und harmonisch.
  • Doch ihre Kinder benehmen sich zuhause unmöglich. Ist das nur eine Phase?
  • Oder steckt mehr dahinter? Die Geschichte einer verzweifelten Mutter.
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Mein Name ist Ariane, ich bin 39 Jahre alt und habe zwei Kinder. Meine Tochter ist 7 und mein Sohn 9. Ich gehe 25 Stunden die Woche arbeiten, mein Mann Vollzeit. Er ist aber nicht nur ein Feierabend-Papa, sondern übernimmt auch viele Pflichten. Unser Leben ist aber derzeit sehr anstrengend, was nicht an unseren Jobs liegt, sondern an den Kindern.

Das mag ein hartes Fazit sein, aber genau so fühlt es sich eben an. Warum? Weil seit gut einem Jahr NICHTS, aber auch gar NICHTS einfach so läuft. Ich liebe meine Kinder sehr, aber ich kann sie gerade nicht wirklich gut leiden. Denn ihr Benehmen geht manchmal einfach gar nicht.

Alles endet in einer Diskussion

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Das fängt schon morgens an. Der Große steht jeden Tag schlecht gelaunt auf. Ein "Guten Morgen" kommt ihm nicht mehr über die Lippen. Immerzu muss ich ihn antreiben. Am Frühstückstisch lümmelt er nur herum, jeden Morgen muss ich mir anhören, dass wir voll uncool seien, weil es keine Schokopops gäbe und, dass ich allen mit meinem gesunden Müsli auf die Nerven gehe.

Meine Tochter fühlt sich nonstop ungerecht behandelt. Alle anderen bekommen mehr Taschengeld, haben den neuen Film im Kino schon gesehen, dürfen öfter bei Freundinnen übernachten. Generell endet bei uns alles in einer Diskussion. Dass einfach mal was gemacht wird, was ich sage, kommt nie vor. Dass einfach mal klappt, um was ich sie bitte – Fehlanzeige.

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"Ich fühle mich wie ein Box-Sack"

Wenn die Kinder aus der Schule kommen, feuern sie ihre Schuhe einfach in die Ecke. Ich weiß nicht, wie oft ich schon gesagt habe, sie sollen die Schuhe ins Regal stellen und nicht den Spielplatzsand auf die Dielen kippen. Mindestens fünf Millionen mal, schätze ich. Die Jacken landen im Eck. Die Kids haben natürlich keinen Bock auf Hausaufgaben und fangen an, sich zu zanken. Geschwister-Harmonie? Nicht bei uns.

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Beim Abendessen wird gemeckert. Das Brot schmeckt blöd, die Wurst ist nicht die Richtige. Kein nettes Wort, kein Danke – den ganzen Tag nicht. Ich fühle mich wie ein Box-Sack, auf den einfach alle draufhauen. Wie es mir geht? Scheint keinen zu interessieren.

Die Frage nach dem "Warum"

Ich bin die "Putze", die ihnen ihren Dreck weg macht, die Köchin, bei der es nie schmeckt, die Managerin, ihre externe Festplatte, die sie an Dinge erinnert. Die nervige Meckerziege, weil man es mir ja nie recht machen kann. Luxusprobleme – bestimmt. Aber sie gehen mir gerade sowas von auf die Nerven! Ich stelle das Wohl der anderen über meins und ernte dafür noch Kopfschütteln. So fühlt es sich an.

Und das Schlimmste? Ich sitze abends auf dem Sofa und frage mich: Ist das alles meine Schuld? Sind die Kinder so, weil ich nicht streng/liebevoll/konsequent/zugewandt war und bin? Oder bin ich vielleicht zu nett und sie nutzen es schamlos aus? Hab ich schlicht und einfach versagt mit der Erziehung?

Kinder verhalten sich zuhause anders

Mein Mann sagt dann, es sei sicher nur eine Phase und es sei gar nicht möglich, dass wir alles nur falsch gemacht haben. Ich hoffe, er hat recht. Wenn ich mich im Alltag so rumwüten sehe, bin ich da nämlich nicht immer so sicher. Ich will doch einfach nur das Beste für uns alle. Und ein bisschen Liebe! Sieht denn niemand, wie viel Mühe ich mir gebe?

Meine Kinder sind gute Kinder, sie haben ein gutes Herz, engagieren sich, haben viele Freunde. Sie sind nette Kinder – bis auf zu Hause. Natürlich weiß ich, dass man als Mutter nicht 24/7 Dankbarkeit erwarten sollte – aber ein bisschen Wertschätzung? Ein kleines bisschen Mitdenken, ein wenig Freundlichkeit? Einfach mal Zähneputzen ohne Diskussion?

"Wir geben uns Mühe. Die Kids nicht."

Ich bin in der "Mama macht ja eh alles"-Falle. Klar, ich bücke mich, wenn die Jacken in der Ecke liegen und hebe sie auf. Ja, ich sage am Morgen: "Bitte pack dein Mathe-Heft ein." Das könnte ich alles sein lassen. Dann würden die Jacken eben liegen bleiben und das Kind hätte in der Schule kein Mathe-Heft. Wäre auch nicht der Weltuntergang. Aber irgendwie kriege ich es nicht immer hin, die Kids einfach mal auflaufen zu lassen.

Ich merke, wie müde ich vom ganzen Ermahnen, vom ständigen Schlichten, Eingreifen, Diplomatisch-sein bin. Ich habe auch keine Lust mehr, ständig zu schimpfen. Ich bin es so leid. Ich stecke fest in einem Familien-Alltag, der uns Eltern einfach nur noch Nerven kostet. Der momentan null Spaß macht, weil wir das Gefühl haben, dass wir Eltern uns Mühe geben, die Kids aber nicht. Das ist so frustrierend.

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Geht die Phase vorüber?

Ich werde so traurig, wenn ich überall glückliche Familien und Geschwister-Plüsch sehe. So will ich das auch. Ehrlich! Ich gebe alles dafür. Aber es kommt so wenig zurück. Ich hoffe, dass es wirklich nur eine Phase ist. Dass wir gerade durch ein Tief gehen und in ein paar Wochen oder Monaten alles besser wird. Und dass es einfach wieder friedlicher wird. Wieder ein bisschen mehr so, wie wir uns Familie früher vorgestellt haben.

RND/protokolliert von Katharina Nachtsheim

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