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Holzspielzeug vs. Wunschzettel: Woran erkenne ich gutes Spielzeug?

  • Die Weihnachtszeit steht vor der Tür und damit auch der elterliche Kaufrausch im Spielzeugladen.
  • Pädagogisch wertvolles Spielzeug steht im Wettbewerb mit dem kindlichen Wunschzettel, der oftmals weniger pädagogisch wertvoll daherkommt.
  • Worauf man beim Kauf achten sollte, erklärt ein Spieleforscher. Seine These: Entscheidend ist, dass mit dem Spielzeug auch gespielt wird.
Birk Grüling
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Weihnachten rückt näher, und alle Jahre wieder geht der Run auf Spielzeug los. Doch was ist eigentlich gutes Spielzeug und kann man zu viel davon haben? Antworten kennt Spielzeugforscher und Erziehungswissenschaftler Volker Mehringer von der Universität Augsburg.

Herr Mehringer, was macht gutes Spielzeug aus?

Am wichtigsten finde ich, dass mit dem Spielzeug gespielt wird. Nur so hat es überhaupt einen Sinn. Das klingt vielleicht banal. Aber wenn ein Spielzeug zur Interaktion und zu einem für das Kind spannenden Spiel einlädt und positive Emotionen hervorruft, ist das sehr wertvoll.

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Warum liegen die kindlichen und erwachsenen Vorstellungen von gutem Spielzeug oft so weit auseinander? Mein Sohn interessiert sich zum Beispiel absolut gar nicht für hochpädagogisches Holzspielzeug und liebt aber alle lauten und bunten Autos.

Ich glaube, das liegt an den unterschiedlichen Interessen. Die Kinder interessieren keine Güte-Siegel oder Altersempfehlungen. Sie wollen spielen. Sie schauen eher darauf, was sie mit dem Spielzeug im Alltag anstellen können.

Auch ihr Ästhetikempfinden ist ein anderes. Sie finden Holzspielzeug in Naturfarben nicht unbedingt schöner als die quietschbunte Plastikfeuerwehr. Eltern achten viel mehr auf die Sicherheit oder darauf, ob das Spielzeug die Feinmotorik fördert oder wie hochwertig die Materialien sind. Dabei rückt das eigentliche Spiel manchmal etwas in den Hintergrund.

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Wonach entscheiden Eltern beim Spielzeugkauf?

Neben Sicherheit, Gütesiegeln oder Altersempfehlungen spielen vor allem Emotionen eine große Rolle. Dazu gehört zum Beispiel die eigene Spielzeugerfahrung. Mütter und Väter verschenken häufig Dinge, mit denen sie selbst früher gerne gespielt haben und entsprechend positive Erinnerungen verbinden.

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Ein nicht unerheblicher Faktor ist das Geld, gerade wenn sich das Kind etwas sehr Großes wünscht wie eine Ritterburg oder eine Spielkonsole. Selbst Eltern mit weniger Einkommen versuchen häufig, diesen Wunsch zu erfüllen, zum Beispiel indem die Verwandten und Großeltern etwas dazugeben. Das Kind glücklich zu machen, einen Wunsch zu erfüllen und damit wichtige Beziehungsarbeit zu leisten, ist immens wichtig beim Schenken.

Und wonach entscheiden Kinder?

Kinder greifen gerne Alltagserlebnisse in ihrem Spiel auf. Diese können auch aus einer Serie oder einem Kinderbuch stammen oder etwas sein, was sie häufig auf der Straße sehen. Dementsprechend suchen sie sich auch ihr Spielzeug aus – zum Beispiel ein Müllauto oder ein Kuscheltier, das so aussieht wie der Nachbarshund.

Auch Spielzeug, dass sie bei Freunden gesehen haben, landet oft auf dem inneren Wunschzettel. Natürlich spielen auch die Farbe und Features eine Rolle – wenn es fährt, Geräusche macht, sich verändern lässt, steigen damit die Spielanreize und damit auch das kindliche Interesse.

Volker Mehringer arbeitet als Erziehungswissenschaftler und Spielzeugforscher an der Universität Augsburg. Ihn interessiert, welche Bedeutung Spielzeuge für das Spielen bei Kindern aber auch bei Erwachsenen haben. Und nicht zuletzt freut er sich, wenn er selbst ab und an mit Spielzeugen spielen kann.

Unter Eltern herrscht der Konsens, dass unsere Kinder zu viel Spielzeug haben. Trotzdem fällt Minimalismus im Kinderzimmer schwer. Kann ein Kind zu viel Spielzeug haben?

Diese Frage wird tatsächlich schon lange diskutiert. Manche Pädagogen warnen davor, dass zu viel Spielzeug die Gefahr der Überforderung birgt. Es gibt aber kaum wissenschaftliche Studien, die das belegen würden. Auch eine Grenze, ab wann die Anzahl des Spielzeugs negativ wirkt, gibt es nicht. Ich glaube, es ist eher die Frage der Qualität und Unterschiedlichkeit.

Wenn jemand 20 Puppen oder sehr ähnliche Kuscheltiere hat, kann man den Sinn schon in Frage stellen. Wenn es aber um sehr viele Bauklötze oder Legosteine geht, ist es doch etwas anderes. Immerhin können daraus facettenreiche Spielwelten entstehen. Ein ganz anderer Aspekt ist natürlich die Nachhaltigkeit und die Frage nach dem Sinn und den Umwelt-Folgen von so viel Konsum. Aber das hat wenig mit dem eigentlichen Spielen zu tun.

Wie stark prägt uns das Spielzeug?

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Schon in der Antike wurde Spielzeug genutzt, um Kinder auf ihre späteren Rollen vorzubereiten. Und in frühen Erziehungsratgebern wird Eltern geraten, das Spielzeug sorgfältig auszuwählen, um spätere Berufswünsche zu prägen. Als angehender Architekt braucht ein Kind Bausteine. Damit wird schon früh das räumliche Vorstellungsvermögen trainiert.

Ich persönlich finde es falsch, Kinder schon früh in eine bestimmte Richtung prägen zu wollen. Mädchen nur die Puppen zu geben und Jungs auf wildes Toben und Autos zu reduzieren, ist mir zu einseitig. Natürlich prägt Spielzeug allein noch keinen Menschen, aber Spielzeug darf ruhig ein Kontrast zu all den anderen Rollenzuschreibungen sein. Dafür sollten Eltern auch mal den Blick über den spielerischen Tellerrand wagen, ohne natürlich die Interessen des eigenen Kindes aus den Augen zu verlieren.

Welche Rolle spielt Vielfalt für die Spielzeughersteller?

Ich sehe einen langsamen, aber positiven Trend zu mehr Diversität auf dem Spielzeugmarkt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Thema Behinderung. Playmobil hat zum Beispiel eine barrierefreie Schule auf den Markt gebracht, samt Kindern im Rollstuhl. Auch Mattel ist hier sehr umtriebig. So gibt es inzwischen Barbies mit Prothesen.

Mit dem typischen Körperschema der Puppe wurde ebenfalls schon längst gebrochen. Auch Dinge wie verschiedene Hautfarben oder ausgeglichene Geschlechterrollen werden häufiger. Inzwischen ist in vielen Feuerwehrspielzeugen auch eine Feuerwehrfrau enthalten. Das ist eine positive Entwicklung, natürlich noch mit Luft nach oben.

Kommen wir zum Abschluss mal zu Trends auf dem Spielzeugmarkt. Gibt es spannende Neuheiten im Weihnachtsgeschäft?

Das ist etwas kurios. Spielzeug ist ein sehr schnelllebiges Geschäft. Hersteller wie Lego tauschen pro Saison rund 90 Prozent ihres Sortiments. Gleichzeitig verändert sich erstaunlich wenig. Klassiker wie Spielzeugautos oder Puppen werden jedes Jahr neu aufgelegt und verkaufen sich im Weihnachtsgeschäft einfach sicher. Auch die Mechanismen der Brettspiele sind selten wirklich neu.

Etwas neuer ist vielleicht der Trend zum Digitalen. Man versucht nun stärker „analoge“ und „virtuelle“ Welt zu verknüpfen. Echte Verkaufsschlager sind dabei aber noch nicht entstanden, auch die Spielprinzipien ändern sich selten grundlegend. Stärker boomt da schon der Bereich der programmierbaren Roboter für Kinder. Aber auch diese Ideen gibt es im Bildungssektor schon länger, nun schwappt er in den Consumer-Markt. Stärker ändern sich da schon die Inhalte und Lizenzen. Ende November und Mitte Dezember kommen mit Frozen 2 und dem dritten Star Wars Teil zwei große Filme in die Kinos. Entsprechend stark sind ihre Helden in den Spielzeugregalen vertreten.