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Alt genug für den Kinder-Garten

Wie Sie Ihre Kinder für das Gärtnern begeistern

Früh übt sich: Kinder lassen sich in jedem Alter ans Gärtnern heranführen – jüngere helfen beim Gießen, ältere pflanzen.

Gartenhandschuhe überstreifen, sich Hacke und Schaufel schnappen und in den Beeten werkeln: Für viele Erwachsene ist das der Inbegriff des Glücks. Auch für Kinder ist die Natur wichtig. So fand eine Untersuchung der Universität Cambridge heraus, dass naturverbundene Kinder ausgeglichener sind und weniger Verhaltensprobleme haben. Eine mexikanische Studie von 2020 legt nahe, dass die Natur Kinder nicht nur glücklich macht, sondern nachhaltiger und uneigennütziger handeln lässt.

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Insofern ist es eine gute Idee, die Kinder mit ins grüne Reich zu nehmen. Diese Erfahrung hat auch Silvia Appel gemacht: „Ich bin quasi im Garten aufgewachsen. Mir hat das Gärtnern wahnsinnig viel für mein weiteres Leben gegeben“, sagt sie. Heute teilt die 35-Jährige unter dem Namen „Garten-Fräulein“ ihr Wissen in Büchern, auf Instagram und in ihrem Blog. „Für mich gehört das Gärtnern zum menschlichen Grundwissen“, sagt sie. „Es geht darum, wie man etwas anbaut und wie Pflanzen wachsen.“ Ihr zufolge ist es wichtig, Kindern zu zeigen: „Gärtnern ist etwas total Schönes. Man fühlt sich gut, wenn man draußen arbeitet und einen Fortschritt sieht.“

Die Kinder bei allen Arbeiten mitnehmen

Appel hat zwei Kinder, von denen das ältere gerade den Garten für sich entdeckt. „Mein Sohn mit seinen drei Jahren findet alles total spannend, was wir als Eltern machen. Man muss sich nicht irgendwelche verrückten Sachen für seine Kinder ausdenken. Es reicht, wenn man sie mitmachen lässt.“ Und zwar auf spielerische Weise: „Wenn ich Pflanzen setze, sage ich ihm: ‚Ich mache jetzt hier ein Loch, und du machst dort eins.‘“ Beim Rasenmähen läuft ihr Sohn mit seinem Spielzeugrasenmäher neben ihr her. Beim Ernten zeigt sie ihm, wo sich reife Früchte verstecken, oder erklärt ihm, dass manche noch einige Tage hängen bleiben müssen. Nach und nach entwickelt er so einen eigenen Blick: „Ihm fällt ganz genau auf, wenn eine Tomate wieder rot geworden ist.“

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Wichtig findet es die Gartenbloggerin, immer auf das Kind einzugehen und dafür auch mal seine Arbeit zu unterbrechen, „auch wenn man gerade eigentlich woanders ist und schnell was fertig machen will“. In ihrem Garten stehen vor allem Nutzpflanzen wie Tomaten, Kräuter und viele Erdbeeren. Für die Zukunft sind weitere Beerensträucher geplant: „Das ist besonders schön für Kinder, weil es da immer etwas zu ernten gibt.“

Für Eltern eine gute Übung in Geduld und Toleranz

Gerade wenn die Kinder noch klein sind, fordert das gemeinsame Gärtnern die Geduld der Eltern: „Manchmal erledigen Kinder die Dinge nicht so, wie man es sich selbst vorstellt“, sagt Appel. So könne es gut sein, dass die Eltern später nacharbeiten müssten – oder noch nicht ganz ausgereifte Früchte präsentiert bekämen: „Man muss damit leben können, dass alle erst halb roten Erdbeeren doch weg sind, wenn man sich einmal umgedreht hat.“

Bei Carolin Engwert ist diese Phase bereits vorbei. Die Autorin und Gartenbloggerin ist Mutter von zwei Töchtern im Alter von elf und 14 Jahren. Sie meint: „Kinder lassen sich in jedem Alter ans Gärtnern heranführen. Aber ich glaube, je kleiner die Kinder sind, desto leichter gelingt das. Das hat etwas ganz Natürliches, wie wenn die Kinder von Anfang an zusammen beim Kochen oder woanders im Haushalt mithelfen dürfen.“ Als Engwerts Kinder klein waren, stand nur ein Balkon zur Verfügung. „So richtig losgelegt haben wir deshalb erst, als wir 2017 unseren Kleingarten bekommen haben“, erzählt sie.

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Engwert war es vor allem wichtig, dass für ihre Kinder Gärtnern nicht nur Unkrautjäten bedeutete. Kinder im Grundschulalter könnten beim Aussäen mithelfen. „Etwa Radieschen sind eine gute Sache. Hier können Kinder das Saatgut gut greifen und sich mit einem Trick behelfen: Wenn sie eine Eiswürfelform in den Boden drücken, entstehen dabei mehrere Kuhlen. Dann können sie in jede Kuhle einen Radieschensamen hineinlegen.“ Dazu kommt ihr zufolge, dass Radieschen relativ schnell wachsen und eine hohe Gelinggarantie haben – ideal für kleine Gärtner und Gärtnerinnen.

Den Kleinen ruhig ein eigenes Beet anvertrauen

Ab einem gewissen Alter können Eltern den Kindern ein eigenes Beet anvertrauen. „Ein guter Zeitpunkt ist ab sechs oder sieben Jahren, je nachdem, wie verantwortungsbewusst die Kinder sind“, sagt Engwert. „Wer ganz klein anfangen will, schlägt eine Apfelkiste mit wasserdurchlässigem Vlies aus und füllt Erde hinein. Als Maximalgröße für ein eigenes Beet empfehle ich einen Quadratmeter.“ Für die Bepflanzung könnten Eltern die Kinder fragen, was sie gerne essen. Gut geeignet seien Erdbeeren, Karotten, kleine Tomaten oder Zuckererbsen. Engwerts Kinder haben Tomaten in ihren Beeten stehen, früh- und spättragende und weiße Erdbeeren, mexikanische Minigurken, die aussehen wie tomatengroße Melonen, sowie Minze und Zitronenverbene.

Was Engwert darüber hinaus rät: „Ich würde die Kinder fragen, wie viel Unterstützung sie sich wünschen.“ Zwar empfiehlt sie, als Eltern auch immer wieder nach dem Beet zu sehen „und die Kinder nicht in den totalen Misserfolg rauschen zu lassen“ – aber es durchaus einmal auszuhalten, wenn das Beet vielleicht unordentlich aussehe. Sie selbst habe aber die Erfahrung gemacht: „Was man gerne isst und woran man sich freut, das pflegt man auch mit viel Liebe.“

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