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Früh übt sich: So lernen Kinder Radfahren und sicheres Verkehrsverhalten

  • Mit dem eigenen Fahrrad morgens zur Schule und am Wochenende zu Oma und Opa – Kinder, die Fahrrad fahren, werden früh selbstständig.
  • Der Vorteil für die Erwachsenen: Das Elterntaxi kann öfter stehen bleiben.
  • Sobald Kinder das Gleichgewicht halten können, können sie Rad fahren üben – meist erlernen sie das bereits am ersten Tag.
Sebastian Hoff
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Es fördert die kindliche Gesundheit und die Unabhängigkeit: Radfahren. Zudem entlastet es Eltern und Großeltern, wenn die Kids morgens mit dem eigenen Fahrrad zur Schule, nachmittags zum Sportverein und am Wochenende zu Oma und Opa fahren. Ab wann ist es richtig, dem eigenen Nachwuchs das Radfahren beizubringen? Was lässt sich als Elternteil tun, um die Lust am Radeln zu fördern? Und gibt es eine Altersgrenze, ab der am normalen Verkehrsgeschehen teilgenommen werden kann?

Welche Vorübungen sind hilfreich?

Sobald sie sicher laufen, können Kinder ein Laufrad ausprobieren, sagt Annika Meenken vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Je nach Entwicklungsstand könne das bereits ab anderthalb Jahren sein. „Der Wunsch kommt meist ganz von alleine“, ergänzt René Filippek, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Auch Roller hält er für eine „gute Einstiegsdroge“. Beide Zweiräder schulen Gleichgewicht, Motorik und Koordinationsvermögen. Auf dem Dreirad lernen Kinder, sich mittels Treten fortzubewegen. Eine kostengünstige Alternative zum Laufrad ist ein kleines Fahrrad, an dem die Pedale abgeschraubt werden.

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Ab wann können Kinder aufs Rad steigen?

Sobald sie das Gleichgewicht halten und lenken können, erklärt Filippek. Das könne schon im Alter von zwei, drei Jahren der Fall sein. Geübt werden sollte nur an sicheren Orten, etwa nachmittags auf einem leeren Schulhof. Die Kinder sollten leicht mit den Füßen auf den Boden gelangen und das Rad im Stehen halten können. Von Stützrädern wird in der Regel abgeraten: Sie vermittelten eine vermeintliche Sicherheit und schulten nicht das Gleichgewichtsvermögen, sagt Meenken: „Sie sind deshalb nur für Kinder mit Mobilitätseinschränkungen geeignet.“

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Wie können Eltern beim Lernen unterstützen?

Filippek empfiehlt, das Kind zunächst festzuhalten, bis es auf den Pedalen steht. Dann kann das Kind leicht angeschoben werden. Wer mag, läuft ein paar Schritte nebenher. „Es kommt der Moment, in dem man loslassen muss“, erklärt Meenken. „Wenn das Kind zuerst ein wenig wackelig fährt, schaut man am besten weg.“ Stürze bleiben nicht aus, hindern das Kind in der Regel aber nicht daran, wieder aufs Rad zu steigen. „Ermutigen Sie Ihr Kind weiterzumachen, loben Sie es, üben Sie aber niemals Druck aus“, rät Meenken.

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Meist erlernen Kinder das Radfahren am ersten Tag. „Bei manchen dauert es sogar nur 15 Minuten“, sagt Filippek. Mit vier bis sechs Jahren bewegen sie sich auf dem Rad sicher fort. Mit fortgeschrittenen Kindern sollten Übungen zur Schulung der Motorik gemacht werden, empfiehlt der ADFC – etwa auf einer Kreidelinie die Spur halten, um Hütchen herum Slalom fahren, im Schneckentempo radeln oder aus voller Fahrt heraus zwischen zwei Linien zum Halten kommen.

Wie sollte das erste Kinderfahrrad beschaffen sein? Es sollte verkehrssicher sein, muss aber keine vollständige Ausstattung besitzen. So wird zunächst kein Licht benötigt. Handbremsen und Rücktritt müssen aber einwandfrei funktionieren. Da Kinder schnell wachsen, rät Filippek zu gebrauchten Rädern. „Wird ein neues Fahrrad erworben, kann es später gut weiterverkauft werden.“ Vorteilhaft sind ein tiefer Einstieg und ein geringes Gewicht. Ein Fahrradhelm schützt vor schweren Verletzungen.

Wann können Kinder am Straßenverkehr teilnehmen?

Viele Fähigkeiten, die im Verkehr erforderlich sind, erwerben Kinder erst im Laufe der Jahre: Mit sechs, sieben Jahren lernen sie, rechts und links zu unterscheiden. Etwa ab acht Jahren können sie Höreindrücke nutzen, um Gefahren zu erkennen. Ab neun Jahren entwickeln sie ein ausgereiftes räumliches Sehen. „Die Faustregel ist, dass Kinder ab acht Jahren unter Aufsicht am Verkehr teilnehmen können“, sagt Filippek deshalb.

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Meenken empfiehlt, mit den Kindern regelmäßig zu üben, vor allem auf Alltagswegen, die sie später alleine zurücklegen können sollen. „Kinder müssen dabei erleben, dass sich ihre Eltern an die Regeln halten“, weist Meenken auf deren Vorbildfunktion hin. Sie rät außerdem dazu, Kinder Geschwindigkeiten und Entfernungen abschätzen zu lassen, ihnen viel zu erklären und mit ihnen über Verkehrssituationen zu sprechen.

In den ersten Jahren sollten die Kinder regelmäßig begleitet werden, wobei sich Eltern immer stärker im Hintergrund halten könnten, erklärt Meenken weiter. „Im Alter von 14 Jahren können Kinder sich in der Regel dann sicher im Straßenverkehr bewegen.“ Sie sollten bis dahin auch gelernt haben, für sich selbst verantwortlich zu sein und mit Fehlern anderer zu rechnen.

Welchen Mehrwert besitzt das Radfahren?

Viele Studien belegen, dass die motorischen Fähigkeiten von Kindern seit Jahren abnehmen, weil sie sich seltener draußen spielerisch bewegen. „Die Corona-Pandemie ist dieser Entwicklung nicht gerade zuträglich“, sagt Meenken. In einer Zeit, da andere Bewegungsangebote eingeschränkt sind, sei es umso wichtiger, viel Rad zu fahren. Eigenständig mobil zu sein fördere nicht nur die motorischen Fähigkeiten, sondern stärke auch die eigene Persönlichkeit, schreibt der VCD in einer Broschüre. Einer dänischen Studie zufolge können sich Kinder zudem länger konzentrieren, wenn sie mit dem Rad oder zu Fuß zur Schule kommen.

Was bringen Fahrradprüfungen in der Grundschule?

In vielen Grundschulen werden Fahrradprüfungen abgenommen. In der Regel geschieht das in der vierten Klasse. Während der Corona-Pandemie musste das Angebot allerdings ausgesetzt werden. Schon vorher zeigte sich, dass Kinder zunehmend Schwierigkeiten haben, die Aufgaben in den Prüfungen zu bewältigen. Das Auf- und Absteigen fällt ebenso schwer, wie sich umzuschauen und gleichzeitig die Spur zu halten. Deshalb fielen mancherorts einige Kinder durch die Prüfungen. Andere bestanden, obwohl sie sich nicht sicher auf dem Rad bewegten. Die Erlaubnis, mit dem Fahrrad bis zum Schulgelände zu fahren, ist übrigens nicht an das Bestehen der Prüfung geknüpft. Für ein Verbot seitens der Schulleitung gibt es keine rechtliche Grundlage.

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