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Eine Schulleiterin erzählt: „Elterntaxi ist vielen Kindern peinlich“

  • Das Fahren mit dem Schulbus ist vielen Grundschülern in manchen Gegenden unbekannt.
  • Der Grund: Viele Eltern bringen ihre Kinder täglich mit dem Auto zur Schule.
  • Die sogenannten Elterntaxis sind aber verpönt. Aus dem Alltag einer Schulleiterin...
Kristin Schröder
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Blankenhagen. Schulen und Verkehrsämter beklagen Gefahren für Grundschüler auf ihrem täglichen Schulweg. Vor der Schule angekommen, wird es nicht unbedingt sicherer. Kinderrechtler und Verkehrsexperten warnen vor der Bedrohung, die von Elterntaxis ausgeht: Viele hektisch geparkte und hin und her rangierende Autos sorgten vor vielen Schulen für unübersichtliche Situationen. Warum Elterntaxis aus Schulperspektive so unbeliebt sind, erzählt Katy Fröhlich im Interview. Sie ist Schulleiterin der Grundschule Blankenhagen im Landkreis Rostock.

Sind Elterntaxis wirklich so gefährlich?

Ich würde gar nicht sagen, dass sie generell gefährdend sind. Es kommt darauf an, wo und wie viele es sind. Vor größeren Schulen sieht man morgens ein regelrechtes Autochaos: Feuerwehrausfahrten sind blockiert, Kinder rennen zwischen den Autos hin und her. Wir sind mit 130 Kindern eine kleine dörfliche Grundschule. Bei uns halten morgens nur bis zu sieben Autos gleichzeitig direkt vor dem Schultor. Aber trotzdem weichen die Kinder, die vom Schulbus kommen, wegen der Autos auf die Straße aus. Das ist gefährlich. Hinnehmen können wir den Zustand also nicht.

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Welche Maßnahmen ergreifen Sie gegen die Elterntaxis?

Wir sprechen Eltern direkt an, wenn sie vor dem Schultor stehen. Das wirkt: Die meisten Eltern sind einsichtig und entschuldigen sich. Darüber hinaus haben wir die Thematik in den aktuellen Elternbrief aufgenommen, der jährlich an alle Eltern versendet wird. Und wir behandeln das Thema Bewegung im Schulalltag, zum Beispiel im Sachkundeunterricht oder in Projekten. So lernen auch Kinder, dass man nicht immer gefahren werden muss.

Ist Bequemlichkeit entscheidend für das hohe Aufkommen von Elterntaxis?

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Eltern nennen uns ganz unterschiedliche Gründe. Bequemlichkeit zählt dazu – oft liegt die Schule auf dem Weg zur Arbeit. Oder der Schulbus fährt einen Ort nicht an, dafür gibt es Ausnahmegenehmigungen. Oft sind es aber die Ängste der Eltern, ihr Kind allein auf den Schulweg zu schicken, besonders, wenn er im Winter dunkel ist. Manche Kinder sollen nicht bei Wind und Wetter an der Bushaltestelle warten, zumal der Schulbus nicht immer pünktlich kommt. Auch die Fahrt im Schulbus selbst kann Sorgen bereiten.

Warum?

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Im Bus gibt es schon mal Ärger, manchmal wird geschubst und gestoßen. In Zusammenarbeit mit Rebus (Busverkehrsunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern im Landkreis Rostock) setzen wir deshalb Busassistenten ein: Einige Kinder der vierten Klassen werden von Rebus eingewiesen und erhalten einen Extraausweis. Sie dürfen bei Vorfällen eingreifen und sie melden. Busschulungen für Vorschüler gibt es sowieso. Wir appellieren immer wieder an die Eltern, ihr Kind ruhig dem Bus anzuvertrauen, zumal er kostenlos ist. Oft wollen Kinder sowieso lieber Bus fahren, weil sie morgens schon mit Freunden schnattern können.

Grundschüler sitzen also lieber im Schulbus als im Auto?

Die meisten Kinder möchten vor allem selbstständig sein. Vielen ist es richtig peinlich, wenn die Eltern sie überall hinbringen. Ich finde es erstaunlich, wie unterschiedlich Eltern sind: Manche schicken Erstklässler aus dem Nachbardorf mit dem Rad zur Schule. Andere Kinder dürfen im eigenen Dorf nicht zu Fuß gehen. Aber den Schulweg eigenständig zu meistern, fördert das Selbstvertrauen. Letztlich entscheiden natürlich die Eltern, was das Beste für ihre Kinder ist. Und Schulwege muss man üben. Aber ich würde mich freuen, wenn mehr Eltern ihre Kinder zumindest fragen, wie sie am liebsten zur Schule kommen wollen.

Katy Fröhlich, Schulleiterin der Grundschule in Blankenhagen.

Tipps für Eltern: Mit Kindern den Schulweg üben

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Kinder lernen die Regeln des Straßenverkehrs nur, wenn sie sich dort auch aufhalten. Ab wann ein Grundschüler den Schulweg allein meistert, hängt jedoch von der Länge und Schwierigkeit des Weges ab. Für Eltern gilt: Schulweg üben und Verhalten beobachten! Die Deutsche Verkehrswacht Mecklenburg-Vorpommern gibt Eltern dazu folgende Tipps mit auf den Weg:

1. Den sichersten Schulweg wählen: Wählen Sie für Ihr Kind den Weg mit den wenigsten Gefahrenquellen. Auch wenn ein Umweg nötig ist: Gibt es Überquerungshilfen, sollte Ihr Kind diese auch nutzen.

2. Üben und beobachten: Lassen Sie Ihr Kind auf dem Schulweg vorgehen („Wegbestimmer") und lassen sie es erklären, was es tut. Beobachten Sie später aus der Entfernung, ob Ihr Kind alles richtig macht und auch den vereinbarten Weg nutzt. Ist der Schulweg schwierig, zum Beispiel, weil er unbeleuchtet oder stark befahren ist, dann begleiten Sie Ihr Kind bis zum Ende der Grundschulzeit auf dem Weg.

3. Bordstein-Grenze erklären: Ob Zebrastreifen, Ampel, Verkehrsinsel oder auf Wohnstraßen: Die Grenze zur Fahrbahn ist der Bordstein. Vor dem Bordstein sollte Ihr Kind immer kurz stehen bleiben.

4. In beide Richtungen schauen: Vor dem Weitergehen sollte Ihr Kind ganz in Ruhe mehrmals in beide Richtungen schauen, bis es sicher ist, dass es die Straße gefahrlos überqueren kann. Vor dem Losgehen sollte Ihr Kind nochmals nach links schauen, denn von dort kommen die Fahrzeuge zuerst.

5. Erst ab der 4. Klasse Fahrrad fahren: Jüngere Kinder sollten nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren. Sie können in diesem Alter das Rad in schwierigen Verkehrssituationen noch nicht sicher beherrschen.

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6. Schulbus nutzen: Die Mitfahrt im Schulbus ist sicherer als im elterlichen Auto. Zudem werden vor der Schule keine Kinder durch Ihr an- und abfahrendes Auto gefährdet.