Ganz ohne Fallstricke: So kommen Eltern sicher zum Elterngeld

  • Nach der Geburt eines Kindes bleibt meistens ein Elternteil für die Betreuung zu Hause.
  • Das staatliche Elterngeld soll Familien dabei helfen, fehlendes Einkommen auszugleichen.
  • Allerdings gibt es dabei ein paar wichtige Dinge zu berücksichtigen.
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Berlin. Nach der Geburt dreht sich für frischgebackene Eltern erst einmal alles um das Kind. Ein Grund, warum sich Eltern auch mal aus ihrem Job zurückziehen. Damit die finanzielle Lücke zumindest ein wenig geschlossen wird, gibt es nach Angaben des Bundesfamilienministeriums Elterngeld. Dafür müssen die Eltern allerdings einen Antrag ausfüllen.

Wer, wann und wie lange nach der Geburt zuhause bleibt, können die Eltern dabei weitgehend frei entscheiden. Möglichkeiten gibt es viele. Deswegen lohnt es, sich bereits vor der Geburt darüber Gedanken zu machen.

Was braucht man für den Elterngeld-Antrag?

Sobald das Kind auf der Welt ist, bekommen die Eltern vom Standesamt die Geburtsurkunde. Diese muss dem Amt mit einer Reihe weiterer Unterlagen vorliegen, erklärt Sandra Thiemar von dem Beratungsportal Elterngeld.net. Dazu gehört neben einer Kopie der Personalausweise der Eltern auch der vom Arbeitgeber bestätigte Antrag auf Elternzeit.

"Berufstätige müssen die Elternzeit zwischen der siebten und achten Woche vor ihrem Beginn beantragen", erinnert Thiemar. Leistet die Krankenkasse Mutterschaftsgeld, muss außerdem die Bewilligung vorliegen. Denn diese Leistungen werden dem Elterngeld angerechnet.

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Zur Berechnung des Elterngeldes benötigt das Amt außerdem den Steuerbescheid aus dem Jahr vor der Geburt des Kindes. Wenn dieser noch nicht vorliegt, muss der Bescheid aus dem Vorjahr sowie ein Ausdruck der Lohnsteuerbescheinigung eingereicht werden.

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Der Berechnungszeitraum unterscheidet sich je nachdem, welches Elternteil den Antrag stellt. Bei der Mutter werden die 12 Monate vor Beginn des Mutterschutzes hinzugezogen, beim Vater die 12 Monate vor der Geburt, erklärt Thiemar. Aus diesen Zeiträumen müssen der Elterngeldstelle die entsprechenden Gehaltsabrechnungen vorliegen. Bei Selbstständigen wird eine Einnahmeüberschussabrechnung aus dem Jahr vor der Geburt verlangt.

Wann kann ich als Vater Elterngeld beantragen?

Die Voraussetzungen für einen Elterngeldantrag sind bei Müttern und Vätern die gleichen. Wenn ein Elternpaar allerdings nicht verheiratet ist, benötigt der Vater für den Elterngeld-Antrag einen Nachweis über die Anerkennung der Vaterschaft oder einen Nachweis, dass bereits ein Verfahren zur Anerkennung oder Feststellung der Vaterschaft eingeleitet ist.

Wie wird das Elterngeld berechnet?

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Die Höhe des Elterngeldes hängt laut Bundesfamilienministerium davon ab, wie viel Einkommen der betreuende Elternteil im Jahr vor der Geburt des Kindes beziehungsweise vor Beginn des Mutterschutzes hatte und ob nach der Geburt Einkommen wegfällt. "Zur Ermittlung des Betrags wird das sogenannte "Elterngeld-Netto" berechnet", sagt Thiemar. "Das ist etwas komplizierter."

Dafür werden vom Bruttoeinkommen des Antragstellers zunächst die Werbungskosten sowie der Arbeitnehmer-Pauschbetrag abgezogen. Vom durchschnittlichen Monats-Einkommen werden zusätzlich Steuerpauschalen und Sozialabgaben abgezogen. Der Betrag, der nach Abzug übrig bleibt, ist das Elterngeld-Netto. Davon werden allerdings maximal 2770 Euro berücksichtigt. Einkommen, das darüber hinaus bezogen wurde, wird nicht durch das Elterngeld ersetzt.

Je nach Höhe des Elterngeld-Nettos, werden dem Elternteil 65 bis 67 Prozent ersetzt. Liegt der Betrag unter 1000 Euro werden 67 Prozent erstattet. "Die Gesamtrate steigt bis 100 Prozent je weniger man verdient", so Thiemar.

Wie hoch ist das Elterngeld?

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Die Höhe ist unter anderem von der Variante des Elterngeldes abhängig: Das Basiselterngeld beträgt höchstens 1800 und mindestens 300 Euro im Monat. Da das ElterngeldPlus doppelt so lange ausgezahlt wird, verringert sich die Höhe des monatlichen Betrags entsprechend. Der Maximalbetrag beträgt also 900 Euro, der Mindestbetrag 150 Euro.

Für verheiratete Paare gibt es einen Trick, die Höhe des Elterngelds zu beeinflussen: die Steuerklasse wechseln. Denn die Steuerklasse bestimmt, wie viel Netto vom Brutto bleibt, erklärt Christina Georgiadis vom Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe.

Die Höhe des Elterngeldes hängt vom Einkommen der Eltern ab. © Quelle: Mascha Brichta/dpa-tmn

Verdient ein Ehepartner deutlich weniger als der andere, bietet sich laut der Expertin eine Kombination von Steuerklasse drei und fünf an. Der geringer verdienende Partner ist dabei in der steuerlich ungünstigeren Steuerklasse fünf, die deutlich höhere Abzüge hat. Der Antrag auf den Wechsel der Steuerklasse müsse aber spätestens sieben Monate vor dem Monat gestellt werden, in dem der Mutterschutz beginnt.

Auch Familien, die bereits Geschwisterkinder haben, können ein höheres Elterngeld erhalten. Lebt ein Kind unter drei Jahren in der Familie oder zwei Kinder unter sechs Jahren, erhalten Eltern einen Geschwisterbonus von zehn Prozent des Elterngeldes, erklärt Thiemar.

Wie lange bekommt man Elterngeld?

Entscheiden sich Eltern für das Basiselterngeld, können sie dies bis zu 14 Monate beziehen. Nämlich dann, wenn sich beide Elternteile die Betreuung aufteilen und somit von einem Einkommensverlust betroffen sind. Dabei darf ein Elternteil jedoch maximal 12 Monate und das andere mindestens zwei Monate Elterngeld beziehen, erklärt Thiemar. Alleinerziehende haben immer Anspruch auf 14 Monate Basiselterngeld.

Mit dem ElterngeldPlus kann der Bezugszeitraum gestreckt werden. “Es ist vor allem dann interessant, wenn Eltern länger als ein Jahr in Elternzeit gehen möchten”, erklärt Thiemar. Während des Bezugs von ElterngeldPlus könne der betreuende Elternteil außerdem in Teilzeit arbeiten – muss aber nicht.

Unbedingt bei der Planung berücksichtigen: Die ersten beiden Monate nach der Geburt bekommen Mütter durch das Mutterschaftsgeld ihr Nettogehalt zu 100 Prozent erstattet. Diese gelten automatisch als Basismonate und werden vom Elterngeld abgezogen.

Das müssen Sie bei der Steuer beachten

Das Elterngeld ist eine sogenannte Lohnersatzleistung, also eine Zahlung vom Staat, für die keine Gegenleistung gefordert wird. Um den finanziellen Ausfall nach der Geburt abzumildern, gibt es das Elterngeld deswegen steuerfrei.

Allerdings erhöht Elterngeld den sogenannten Progressionsvorbehalt, erklärt Christina Georgiadis vom Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Dadurch erhöht sich der persönliche Steuersatz, mit dem das restliche Einkommen versteuert wird. Hat beispielsweise eine Mutter Elterngeld erhalten, zahlt diese dafür zwar keine Lohnsteuer, muss das Geld am Ende des Jahres aber als Einnahme in der Steuererklärung angeben. Das Elterngeld werde also als zusätzliche Einnahme gesehen, so die Expertin.

Dadurch komme es am Ende des Jahres oft zu einer Steuernachzahlung. Die VLH rät jungen Familien deswegen dazu, bereits während des Jahres ein wenig Geld zur Seite zu legen.

RND/dpa

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