Elterngeld berechnen und von der Steuer absetzen

  • Die Bundesregierung will das Elterngeld reformieren. Dabei wirft die beliebte Familienleistung bei vielen Antragstellern Fragen auf.
  • Muss ich das Elterngeld versteuern? Macht es einen Unterschied, ob ich verheiratet bin oder nicht?
  • Wir klären auf – das müssen Sie zum Thema Elterngeld und Steuern wissen.
David Sander
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Das Elterngeld soll fehlendes Einkommen ausgleichen, wenn Eltern ihr Kind nach der Geburt betreuen. Dabei gibt es diverse Varianten: Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus – diese können zudem miteinander kombiniert werden. Doch immer wieder kommt es vor, dass Antragsteller mit den Rahmenbedingungen des Elterngeldes überfordert sind.

Darf ich Elterngeld beziehen und nebenbei arbeiten? Muss ich das Elterngeld versteuern? Macht es einen Unterschied, ob ich verheiratet bin oder nicht? Damit es am Ende keine bösen Überraschungen gibt, haben wir für Sie die wichtigsten Fragen zum Thema Elterngeld und Steuern beantwortet.

Was ist Elterngeld?

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Elterngeld soll den Eltern ermöglichen, ihr Kind zu erziehen und zu betreuen. Es handelt sich um eine Leistung, die zum Ausgleich die finanzielle Lebensgrundlage von Familien sichern soll. Schließlich ist die Geburt bereits ein turbulentes Ereignis – die Betreuung von Säuglingen und Kleinkindern kommt noch obendrauf. Da steht die Arbeit oftmals hinten an.

Elterngeld schafft also einen Ausgleich, falls die Eltern weniger oder gar kein Einkommen haben, weil sie nach der Geburt zeitweise weniger oder nicht mehr arbeiten können. Dabei sind auch Eltern zum Bezug des Elterngelds berechtigt, die vor der Geburt gar kein Einkommen hatten.

Beim Elterngeld gibt es drei verschiedene Varianten:

  • Basiselterngeld
  • ElterngeldPlus
  • Partnerschaftsbonus
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Je nach Lebenssituation variiert, wie hoch das Elterngeld ausfällt. Auch können diese drei Varianten individuell miteinander kombiniert werden.

Wird Elterngeld versteuert?

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Nein, das Elterngeld ist steuerfrei. Trotzdem muss es laut dem Verbraucherratgeber “Finanztip” in der Steuererklärung eingetragen werden, denn Elterngeld wird zum zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Das bedeutet, dass der Steuersatz für die Einkommenssteuer auf der so erhöhten Einkommensbasis ermittelt wird – das Elterngeld erhöht also den Progressionsvorbehalt. Dadurch kann es am Ende des Jahres zu einer Steuernachzahlung kommen.

Elterngeld in der Steuererklärung eintragen: So geht es richtig

Das Elterngeld wird in der Steuererklärung im Hauptvordruck auf der zweiten Seite in Zeile 38 unter “Einkommensersatzleistungen” eingetragen (betrifft es zusätzliche Ersatzleistungen vom Arbeitgeber: Anlage N in Zeile 29 unter “andere Lohn- und Entgeltersatzleistungen”). Wer hier “schummelt”, tut sich keinen Gefallen – die Finanzämter wissen ohnehin Bescheid. Sozialleistungsträger müssen nämlich laut Gesetz bis zum 28. Februar eines Jahres den Finanzämtern die Höhe der gewährten Leistungen und den Leistungszeitraum mitteilen, heißt es auf dem Finanzportal “biallo”.

Hat das Elterngeld etwas mit der Steuerklasse zu tun?

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Ja, die Steuerklasse beeinflusst die Höhe des Elterngeldes. Es hängt nämlich vom durchschnittlichen Nettogehalt des betreuenden Elternteils im Jahr vor der Geburt ab, wie es auf der Internetseite des Familienministeriums heißt. Je höher das Einkommen nach der Steuer, desto höher fällt auch das Elterngeld aus.

Dabei gibt es laut der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH) für verheiratete Paare einen legalen Trick, die Höhe des Elterngeldes zu beeinflussen. Die VLH rät: Steuerklasse wechseln. So würde sich eine Kombination von Steuerklasse III (3) und V (5) anbieten, wenn ein Ehepartner deutlich weniger verdient als der andere. Hier sei der geringer verdienende Partner in der steuerlich ungünstigeren Steuerklasse V (5), die höhere Abzüge hat.

Der Partner, der nach der Geburt zuhause bleibt, sollte laut der VLH also vor der Geburt in die steuerlich günstigere Steuerklasse III (3) wechseln. Das funktioniere jedoch nur, wenn man schnell handelt – der Antrag auf den Wechsel der Steuerklasse sollte spätestens sieben Monate vor dem Monat, in dem der Mutterschutz beginnt, gestellt werden. Außerdem sollte man vorher durchrechnen, ob man sich einen Wechsel über mehrere Monate leisten kann.

Macht der Familienstand einen Unterschied?

Unverheiratete, die das ganze Jahr nur Eltern- und Mutterschaftsgeld bezogen haben, müssen keine Steuern nachzahlen, heißt es auf dem Finanzportal “biallo”. Sie bräuchten auch keine Steuererklärung abgeben. Auch wer alleinerziehend ist, ist nicht betroffen. Lediglich als verheiratetes Paar lässt sich die Progression nicht umgehen – in Einzelfällen könnte sich die Einzelveranlagung lohnen, damit das Elterngeld nicht zu Steuernachzahlungen führt.

Das Elterngeld kann zudem den Unterhalt reduzieren. So hat das Finanzgericht Münster 2015 entschieden, dass der Unterhalt auf das gesamte Elterngeld angerechnet wird, wenn ein Elternteil neben dem Elterngeld auch noch Unterhalt vom Ex-Partner bezieht.

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Elterngeld und nebenbei arbeiten – geht das?

Es ist per se nicht verboten, Elterngeld zu bekommen und nebenbei arbeiten zu gehen. Aber da das Elterngeld hauptsächlich den Wegfall eines Gehalts auffangen soll, gibt es Einschränkungen. Laut der VLH verlieren Elterngeldbezieher den Anspruch auf das Elterngeld, wenn sie mehr als 30 Stunden in der Woche arbeiten gehen. Wird weniger gearbeitet, wird das Gehalt dem Elterngeld angerechnet – man bekommt also weniger Elterngeld.

Elterngeld bei Arbeitslosigkeit?

Doch wie sieht es andersherum aus? Grundsätzlich haben Eltern in Arbeitslosigkeit einen Anspruch auf Elterngeld. Einzige Bedingung: Sie müssen in den zwölf Monaten vor der Geburt gearbeitet haben. Wer aus der Arbeitslosigkeit Elterngeld beantragen will, für den könnte es sich lohnen, den Anspruch auf Arbeitslosengeld während der Elternzeit ruhen zu lassen. Denn das Arbeitslosengeld wird auf das Elterngeld angerechnet. Alleinerziehende haben Anspruch auf die vollen 14 Monate Elterngeld, um ihr fehlendes Einkommen aufzufangen.

Wie beantrage ich Elterngeld?

Um einen Antrag auf Elterngeld zu stellen, benötigen Sie das richtige Formular. dabei ist zu beachten, dass jedes Bundesland sein eigenes Formular hat. Um das richtige Formular zu finden, müssen Sie aber nicht lange herumsuchen. Hier gelangen Sie zu den Antragsformulare für Elterngeld aller Bundesländer.

Elterngeldantrag - Checkliste

  • Vollständig ausgefülltes Elterngeld-Formular
  • Geburtsbescheinigung des Kindes
  • Kopie des Personalausweises der Eltern
  • Einkommensnachweis: Gehaltsabrechnung für Angestellte, Steuerbescheid des Jahres vor der Geburt oder eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung für Selbstständige
  • Bescheinigung über das Mutterschaftsgeld der Krankenkasse
  • Bescheinigung über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld
  • Arbeitgeberbescheinigung zur gewährten Elternzeit

Das Elterngeld wird bei der Elterngeldstelle beantragt.

Wo ist meine Elterngeldstelle?

Die Elterngedstelle finden Sie meist beim Versorgungsamt, Jugendamt oder beim Amt für Soziales. Welche Elterngeldstelle zuständig ist, richtet sich dabei nach dem jeweiligen Bundesland und Wohnort. Den Elterngeldantrag bekommt man meist nach der Geburt des Kindes in der Geburtsklinik oder auch direkt bei der Elterngeldstelle, heißt es bei der VLH. Elterngeld.net bietet eine Übersicht über alle Elterngeldstellen in Deutschland.

Elterngeld beantragen - Mit Elterngeld Digital

In einigen Bundesländern Deutschlands gibt es bereits einen Online-Service um einen Antrag auf Elterngeld zu stellen. Bislang steht das sogenannte Elterngeld Digital für die folgenden Bundesländer zur Verfügung:

  • Berlin
  • Bremen
  • Hamburg
  • Rheinland-Pfalz
  • Sachsen
  • Thüringen

Weitere Bundesländer sollen folgen. Hier können Sie sich registrieren.

Elterngeldrechner – Wie berechnet man Elterngeld?

Wer im Voraus eine Einschätzung über die Höhe des Elterngeldes haben möchte, kann den unverbindlichen “Elterngeld-Schnellrechner” des Familienministeriums nutzen.

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