Eltern stärken ist keine Frage einer zweiten Welle

  • Eine neue Studie zeigt: In der Corona-Krise mussten einige Eltern enorme Kräfte aufwenden.
  • Sollte das Infektionsgeschehen erneut ansteigen, sollten Mütter und Väter daher besser entlastet werden, lautet das Fazit.
  • Unsere Autorin fragt: Aber warum erst bei einer zweiten Welle?
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In der Not haben Familien das umgesetzt, was die Politik seit Jahren verschläft: Sie sind der Gleichberechtigung wider Erwarten ein Stück nähergerückt. Laut den Ergebnissen der Studie “Eltern während der Corona-Krise” haben Väter, die währenddessen im Homeoffice waren, deutlich mehr Zeit für Aufgaben zu Hause aufgewendet – und waren damit sogar recht glücklich.

Das ist eine interessante Erkenntnis des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), besonders vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen Wochen häufig über die Retraditionalisierung während der Corona-Krise gesprochen wurde. Es gab immerhin Hinweise aus der Wissenschaft, dass vor allem Mütter ihre Arbeitszeit reduzierten, um die Lücken in der Kinderbetreuung zu schließen.

Rückhalt für Eltern hilft der gesamten Gesellschaft

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Anscheinend konnten viele Mütter ihre Arbeitszeit aber gar nicht herunterfahren – schließlich waren sie damit beschäftigt zu operieren, zu pflegen und wichtige Verwaltungsarbeit zu leisten. Kurzum: Sie haben den Laden am Laufen gehalten. Über die Hälfte aller Mütter ist in systemrelevanten Berufen tätig – und damit auf dem Arbeitsmarkt unverzichtbar, wie Professor Norbert F. Schneider vom BiB auf der Pressekonferenz betonte.

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Trotzdem konnte sich die Politik nicht dazu durchringen, Eltern – vor allem Mütter und Väter in systemrelevanten Berufen – in der Krise adäquat zu unterstützen. Selbst die Wissenschaftler*innen mahnen, bei einer zweiten Infektionswelle müssten die Bedürfnisse der Familien stärker in den Fokus rücken. Nur warum sollte es dafür erst eine zweite Welle brauchen?

Ehegattensplitting zementiert tradierte Rollenverteilungen

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Spätestens jetzt sollte bewusst werden, dass nicht nur zukünftige Generationen auf die Eltern von heute angewiesen sind – sondern die gesamte Gesellschaft. Wer möchte denn nicht auch ohne Corona operiert und gepflegt werden? Und wohl jeder würde gern weiter seinen Lohn erhalten oder im Supermarkt die Einkäufe bezahlen können. Dafür muss es Eltern ermöglicht werden, ihre Berufe in Einklang mit der Fürsorge zu Hause zu bringen.

Homeoffice ist da nur ein kleines Puzzleteil. Es gibt viele Studien, die belegen, dass die Vereinbarkeit besser gelingt, wenn sich Paare Erwerbs- und Fürsorgearbeit gerechter aufteilen. Dazu braucht es Rahmenbedingungen, die auf Gleichberechtigung abzielen. Das Ehegattensplitting aber, an dem die Bundesregierung auch nach der groß angekündigten Gleichstellungsstrategie festhält, zementiert tradierte Rollenverteilungen.

Aktuell müssen sich Paare fragen, ob sie sich Gleichberechtigung leisten können. Dabei müssten wir uns als Gesellschaft fragen, ob wir uns fehlende Gleichberechtigung in Zukunft noch leisten können – zweite Welle hin oder her.

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