Mehr Gelassenheit: Eltern sollten ihre Ansprüche in der Corona-Krise senken

  • Homeoffice, Kinderbetreuung und Haushalt – die Corona-Krise ist für viele Eltern zu einer Belastungsprobe geworden.
  • Daran seien vor allem zu hohe Erwartungen an sich selbst schuld, meint ein Psychologe.
  • Er rät Eltern dazu, die Situation mit etwas Gelassenheit zu nehmen. Besonders, wenn es zu einer zweiten Welle kommt.
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Mainz. Unstimmigkeiten über den Umgang mit den Kindern in der Corona-Krise sind Experten zufolge für zahlreiche Paare zu einer schweren Belastungsprobe geworden. Viele Beziehungen hätten unter Streitigkeiten über Zuständigkeiten und Pflichten bei der Kinderbetreuung gelitten, sagte der Leiter der Evangelischen psychologischen Beratungsstelle in Mainz, Olaf Jacobsen-Vollmer: “Wir haben gerade unglaublich viele Anfragen zu Paar-Konflikten.” Für den Fall einer zweiten Welle warnt er vor zu hohen Ansprüchen der Eltern an sich selbst und an ihre Kinder.

Viele Eltern fühlen sich überfordert uns suchen Hilfe

Mit der Arbeit im Homeoffice, Haushaltsführung und der Betreuung der Kinder hätten sich viele Eltern überfordert gefühlt, sagte der Psychologe. Diese Rückmeldung komme auch aus kirchlichen Kindergärten, deren Mitarbeiter ebenfalls den Austausch mit der Beratungsstelle suchen. Dort sei aufgefallen, dass in den Monaten der Notbetreuung viele Eltern übermäßig ruppig aufgetreten und mit ihren Kindern "überautoritär" umgegangen seien. Der wichtigste Rat laute daher, die eigenen Ansprüche auf ein realistisches Niveau herunterzuschrauben: "Wenn ich so viele Aufgaben habe, bleibt einfach das eine oder andere liegen."

Auch beim Umgang mit elektronischen Geräten sei in der Pandemie-Situation eine gewisse Gelassenheit gefragt. In Familien sollten dennoch Regeln gelten, falls es nach den Sommerferien erneut zur Schließung von Schulen komme. So sollte klar sein, wann die Familienmitglieder aufstehen und zu welchen Zeiten Kinder ihre Hausaufgaben machen. "Wichtig ist, dass die Tagesstruktur nicht bloß aus einer Liste von Pflichten zum Abhaken besteht", sagte Jacobsen-Vollmer. Auch angenehme Beschäftigungen dürften im Alltag der Kinder nicht zu kurz kommen. Gemeinsame Mahlzeiten könnten den Zusammenhalt stärken.

RND/epd

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