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Eltern ohne Trauschein: Was Sie bezüglich des Sorgerechts und Nachnamens wissen müssen

  • Etwa jedes dritte neugeborene Kind in Deutschland hat Eltern, die nicht verheiratet sind.
  • Rechtlich haben sie gegenüber Eheleuten prinzipiell keine Nachteile.
  • Allerdings müssen unverheiratete Paare einige Formalitäten erledigen. Das gilt beispielsweise für die Vaterschaftsanerkennung.
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Berlin. Die Rechte unverheirateter Eltern seien immer mehr angepasst worden, meint die Berliner Familienrechtlerin Eva Becker. „Und das ist doch ganz schön.“ Dennoch müssen sie einige Formalitäten erledigen, auf die Eheleute verzichten können. Idealerweise kümmern sie sich vor der Geburt ihres Kindes darum.

Konkret geht es dabei um die Anerkennung der Vaterschaft beim Standesamt und die gemeinsame Sorgeerklärung beim Jugendamt. „Sobald man jene beiden Dinge erledigt hat, unterscheiden sich unverheiratete Eltern – mit Blick auf das Kind – nicht mehr von verheirateten“, sagt Becker, die auch Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht beim Deutschen Anwaltverein (DAV) ist.

Eva Becker ist Fachanwältin für Familienrecht und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV). © Quelle: Serkis/Deutscher Anwaltverein/dpa
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Vaterschaftsanerkennung und Sorgerecht

Worum geht es bei der Vaterschaftsanerkennung? Wenn ein Kind auf die Welt kommt und die Eltern sind nicht verheiratet, ist der Vater nicht automatisch ein rechtlicher Elternteil. Das wird er erst durch die Anerkennung. Väter werden damit unterhaltspflichtig und ihr Nachwuchs erbt fortan von ihnen.

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Die Anerkennung der Vaterschaft ist außerdem die Voraussetzung für eine gemeinsame Sorgeerklärung. Danach erst haben beide Eltern das gemeinsame Sorgerecht – und damit mehr Rechtssicherheit, wie Becker betont. Aus dem Grund sollte man sie im Idealfall auch vor der Geburt abgeben, erklärt die Rechtsanwältin an einem Beispiel: „Stellen Sie sich vor, das Kind kommt nicht gesund zur Welt. Dann müssen etwa Entscheidungen über die gesundheitliche Versorgung getroffen werden. Als nicht sorgeberechtigter Vater wäre man hier raus.“

Sind Eltern nicht verheiratet, trägt das Kind den Nachnamen der Mutter

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Ein weiterer Effekt: Mit der gemeinsamen Sorgeerklärung kann der Nachwuchs nicht mehr nur den Nachnamen der Mutter tragen, sondern auch den des Vaters. Die Eltern haben die freie Wahl. Diese Entscheidung gilt dann aber auch für den Familiennamen von möglichen weiteren gemeinsamen Kindern.

Wer nach der Geburt erst die gemeinsame Sorge festlegt, kann danach innerhalb von drei Monaten den Familiennamen des Kindes neu bestimmen, schreibt das Bundesfamilienministerium auf seinem Familienportal.

Krankenversicherung und Elterngeld

Mit Blick auf die Krankenversicherung gilt: Sind beide unverheirateten Elternteile gesetzlich versichert, können sie das Kind familienversichern. Ist zum Beispiel die Mutter privat und der Vater gesetzlich krankenversichert, haben Eltern die Wahl: Sie können das Kind familien- oder privat versichern. Ein Wechsel von der einen zur anderen Variante sei aber auch danach möglich, erklärt der bundesweite Verband der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband).

Unverheiratete Väter müssen beachten, dass sie erst mit der Anerkennung ihrer Vaterschaft Elterngeld erhalten können. Sie muss aber noch nicht wirksam sein, heißt es im Elterngeldgesetz. Das gilt auch für eine bereits beantragte Vaterschaftsfeststellung. Über sie muss noch nicht entschieden sein; der Anspruch besteht dennoch. Die Väter müssen allerdings im gleichen Haushalt wie der Nachwuchs wohnen.

Wissenswertes zu Kinderfreibeträgen

Werden bei unverheirateten Paaren Kinderfreibeträge anstelle des Kindergeldes gewährt, steht jedem Elternteil die Hälfte davon zu. Das sind aktuell 3906 Euro im Jahr. Den gesamten Betrag in Höhe von 7812 Euro auf nur auf einen Elternteil zu legen, ist in der Praxis zwar denkbar, für regulär zusammenlebende Paare aber eher keine Option, wie Erich Nöll vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine erklärt.

Erich Nöll ist Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine in Berlin. © Quelle: Agentur Baganz/BVL/dpa

Den Kinderfreibetrag müssen Eltern nach der Geburt in der Steuererklärung beim Finanzamt beantragen. Generell prüft die Behörde bei jeder Einkommenssteuererklärung, ob sich der Kinderfreibetrag für sie steuerlich mehr lohnt als Kindergeld. Ab einem gewissen Einkommen ist der Freibetrag vorteilhafter als das Kindergeld.

RND/dpa

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