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Eine Mutter stellt klar: Darum gibt es bei uns keine Übernachtungspartys

  • Irgendwann wünschen sich die meisten Kinder eine Übernachtungsparty.
  • Zehn oder mehr Kinder zu Hause zu haben kann für Eltern allerdings ganz schön anstrengend werden.
  • Wer sich diesen Stress nicht antun möchte, sollte ein offenes Wort an die anderen Kinder und Eltern richten, rät unsere Autorin Lisa Harmann.
Lisa Harmann
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Hannover. „Mama, darf ich heute bei Anna übernachten? Die macht eine Pyjamaparty mit 13 Mädels.“ „Klar, darfst du“, antworte ich. Und wenn ich eine Comicfigur wäre, würde nun mein Hirn zu dampfen anfangen, und in der Gedankenblase über mir erschienen lauter Giftzeichen und explodierende Metallspiralen. 13 Mädels? Eine ganze Nacht? Die werden ja kein Auge zu tun! Bei mir gäbe es so etwas nicht.

Wenn der Schlaf zum Heiligtum wird

Um die Warnzeichen in meinem Kopf zu verstehen, muss man wissen, dass bei mir nach drei eigenen Kindern in zwei Jahren – darunter Zwillinge – ein mittelschweres Schlafmangeltrauma aus den ersten Babyjahren übrig geblieben ist. Mein Schlaf ist mir heilig seit dieser Zeit, in der ich bis zu 18-mal pro Nacht geweckt wurde und ich irgendwann nicht mehr wusste, ob überhaupt Tag oder Nacht war. Weil die Kinder keinen Unterschied machten. Und weil ich tags wie nachts so müde war, dass sich das ganze Gehirn so klebrig anfühlte wie Kaugummi.

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Mutter Teresa wider Willen

Nun ist mein Schlaf eh ein ziemlich leichter. Ein fremdes Geräusch – und ich sitze hellwach im Bett. Mein Mann nannte mich einmal „Die Schlafheilige“, weil er in der Babyzeit morgens so oft mit einem „Ach, die Nacht war aber gut“ erwachte und ich ihn dann mit einem „Ja, also bis auf die fünf Stillunterbrechungen“ überraschte. Er glaubte irgendwann, ich schlafe gar nicht, sondern falle nur in eine Art Dämmerzustand, der mich bei jedem Geräusch hellwach werden und die Kinder beruhigen ließe. Dass ich das auch in der 425. Nacht noch so hinkriegte, dafür nannte er mich „heilig“. Ich würde es eher Mutterinstinkt nennen. Aber dieser ist eben auch heute noch besonders ausgeprägt.

Traumvorstellung gegen blanke Realität

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Ich kann mich nicht entspannen, wenn wir ein Kind über Nacht zu Besuch haben. Ich schlafe schlecht, weil ich nicht weiß, ob das Besuchskind vielleicht Heimweh bekommt. Ob es nachts schlafwandelnd unsere Treppe runterfällt. Ob es Durst bekommt. Schließlich habe ich die Verantwortung! Ich habe also immer ein Ohr im Kinderzimmer, und das strengt mich an. Ich finde keine Ruhe. Das Problem bin eindeutig ich.

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Eine skurrile Idee – und wozu eigentlich?

Die Vorstellung, nicht nur ein weiteres Kind neben unseren eigenen Dreien nachts bei uns im Haus zu haben, sondern gleich 13, lässt mich wirklich erschaudern. Denn es gibt zwar dieses romantische Bild mehrerer Kinder auf Matratzen, die sich zusammen im Pyjama unter ihre Decken kuscheln, die Köpfe noch zusammenstecken und dann allesamt fröhlich einschlafen. Doch in Wahrheit kichern 13 Mädels doch bis morgens um 3 Uhr und stehen dann um 7 Uhr wieder auf der Matte. Völlig übermüdet für die nächsten drei Tage.

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Und wenn sie das nicht tun und wirklich um 10 Uhr einschlafen (Hahaha!), dann erschließt sich mir der Sinn der Übernachtungsparty erst recht nicht. Dann schlafen sie doch! Da merkt man doch gar nicht, dass der Freund oder die Freundin zu Besuch ist? Oder geht es vielleicht doch eher um das heimliche Wachbleiben? Das mag ja schön sein für die Kinder, aber für uns als Eltern?

Das Heilmittel gegen Heimweh

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Vielleicht liegt mein Unverständnis auch einfach in der Tatsache begründet, dass ich früher selbst ein Heimwehkind war. Bis ich 13 war, wollte ich nicht woanders schlafen. Ich habe es immer wieder versucht, aber nicht geschafft. Ich verbinde mit Übernachtungspartys also nur die Sehnsucht nach meiner Mama – und kann deswegen vielleicht auch einfach nicht so gut nachvollziehen, was so toll daran sein soll, in fremden Betten bei anderen Leuten zu schlafen. Dass ich mich schließlich mit 15 Jahren für ein Jahr in den Schüleraustausch ins Ausland verabschiedete – kein Heimweh mehr weit und breit – das zeigt mir nur, dass sich solche Angewohnheiten ändern können. Wer weiß, vielleicht spreche ich in zwei Jahren auch schon ganz anders über Übernachtungspartys bei uns im Haus? Ich schließe das nicht aus. Aber noch brauche ich nachts meinen Schlaf.

Action am Tag und Ruhe in der Nacht

Bei uns sind wirklich immer alle willkommen. Tagsüber können hier gern auch mal sechs oder von mir aus auch 13 Kinder spielen und durch den Garten rennen. Ich setze meine Bedürfnisse oft und gern hinter die der Kinder, plane Dinge um, versuche, für alle möglichst viel zu ermöglichen. Aber nachts, da will ich meine Ruhe. Und da setze ich mich durch – auch wenn das besonders die drei besten Freunde unseres jüngsten Sohnes neulich schockte. Sie hatten bei ihren Eltern schon eine Übernachtungsparty bei uns angekündigt und gesagt: „Die Lisa, die erlaubt ja sowieso immer alles.“ Als sie dann ein „Nein“ von mir hörten, konnten sie es nicht glauben. Wieso denn bloß nicht?

Und Ehrlichkeit währt doch am längsten

Ich habe ihnen nicht erklärt, dass ich tagsüber nur so viel erlauben und geduldig sein kann, weil ich nachts meinen heiligen Schlaf bekomme. Ich habe mich einfach mit ihren Eltern kurzgeschlossen und war ganz ehrlich: Übernachtungspartys? Bei uns bitte nicht. Also machten wir ab, dass die Kinder bis zum Abend bei uns spielen würden – und dann als Nachtwanderung zum Haus der Freundin laufen würden. Ich würde sie begleiten und hätte nachts meine Ruhe. Die andere Mutter freute sich, denn „nachts schlafen sie ja eh“. Und ich freute mich erst recht, denn ich bekäme nach dem Actiontag mit den Kindern meinen heiß ersehnten Schlaf.

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