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Deine Freunde: Florian Sump über das neue Weihnachtsalbum und das Musikerdasein in Corona-Zeiten

  • Normalerweise wäre die Familienband Deine Freunde im Moment auf großer Herbsttour. Doch die Corona-Pandemie machte den Kindermusikern einen Strich durch die Rechnung.
  • Die Hamburger nutzten die Zeit und nahmen „Das Weihnachtsalbum“ auf.
  • Über das Schreiben von Weihnachtssongs im Sommer und das Musikerdasein in Zeiten von Corona sprach RND-Autor Birk Grüling mit Frontmann Florian Sump.
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Zweimal Lockdown, keine Konzerte, keine Großveranstaltungen. Wie erlebt ihr als Kindermusiker die Corona-Pandemie?

Natürlich ist es schwer, nicht auf Tour gehen und keine Konzerte spielen zu können. Das ist wirtschaftlich ein Verlust, keine Frage. Und es tut weh, weil wir das Tourleben und den Austausch mit den Fans wirklich lieben. Gleichzeitig gab es bei uns nie wirklich Stillstand und Leerlauf. Wir haben ab Mai an unserem Weihnachtsalbum gearbeitet. Worum ich mir persönlich große Sorgen mache, ist unsere Crew, all die Menschen, die sonst mit uns und anderen Bands auf Tour gehen und vom Livegeschäft leben. Ihnen wird in der Pandemie die Lebensgrundlage genommen. Sie werden in der öffentlichen Diskussion kaum gesehen, oft fallen sie bei wirtschaftlicher Förderung durch alle Raster. Ich weiß deshalb nicht, ob wir all unsere Crewmitglieder bei der ersten Tour nach Corona wiedersehen werden. Das schmerzt schon, gerade weil uns ein sehr freundschaftliches Verhältnis verbindet.

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Habt ihr versucht, Konzerte in die digitale Welt zu übertragen?

Ganz am Anfang schon, allerdings haben wir die Idee schnell wieder verworfen und uns lieber aufs Schreiben von Songs besonnen. Das Liveerlebnis, die Interaktion mit den Kindern vor der Bühne, die Gespräche danach – all das lässt sich einfach nicht ins Digitale übertragen. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, lieber ein Album aufzunehmen und auf ein Ende der Pandemie zu hoffen. Zu unseren Fans halten wir nun über die sozialen Netzwerke Kontakt. Wir melden uns regelmäßig – mit Videos, mit Musik, so bleiben wir im Gedächtnis und im Austausch. Aber auch das ist nur eine „Notlösung“.

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Hattet ihr die Idee zu einem Weihnachtsalbum schon länger in der Schublade oder entstand die erst durch den Lockdown?

Nein, ganz neu ist die Idee nicht. Tatsächlich empfiehlt uns König Boris von Fettes Brot schon seit einigen Jahren, endlich mal ein Weihnachtsalbum zu machen. Auch von den großen und kleinen Hörern kam dieser Wunsch immer mal wieder. Auch wir selbst hatten immer mal Lust darauf. Allerdings fehlte uns im normalen Tourrhythmus schlicht die Zeit. Gerade im Herbst und Winter spielen wir normalerweise besonders viele Konzerte. Nun fiel die Tour aus und wir konnten uns an die Arbeit machen – anfangs mit der Sorge, ob wir überhaupt genug weihnachtliche Themen finden werden. Zeitweise wollten wir sogar rechtefreie Weihnachtsklassiker neu vertonen. Zum Glück stellten wir schnell fest, dass Weihnachten mit Familie doch genug Material für echte Deine Freunde–Songs hergibt.

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Kann ein Weihnachtsalbum eine ausgefallene Tour ausgleichen?

Wirtschaftlich auf gar keinen Fall, aber ein Weihnachtsalbum kann uns beschäftigen und uns zu „Normalität“ zwingen. Das war immens wichtig, ein ganzes Jahr Leerlauf hätten wir nicht so gut verkraftet. Vom Gefühl her ist das Album außerdem eine schöne Brücke zum nächsten Jahr, mit hoffentlich etwas mehr Normalität, mit hoffentlich einer großen Deine Freunde-Tour. In diesem Jahr schenken wir den Fans wenigstens ein lustiges Weihnachtalbum, mit dem die Familien hoffentlich viel Spaß haben.

Ihr habt im Mai mit der Albumproduktion begonnen. Wie bringt man sich im Sommer in Weihnachtsstimmung?

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Ein wenig absurd war es schon. Draußen waren 25 Grad und wir haben uns im Kellerstudio weihnachtliche Gedanken gemacht und von geschmückten Tannenbäumen gesungen. Auf der anderen Seite ist in diesem Jahr sowieso alles anders und völlig verrückt, deshalb war die Umstellung gar nicht so groß. Gleichzeitig war die Zeit im Studio auch eine gute Ablenkung, ein guter Fluchtort vor den eigenen Corona-Sorgen. Wir konnten die Studiotür zu machen und einfach Musik machen. Das war sehr wertvoll für uns alle.

Gab es besondere Corona-Vorkehrungen bei der Albumproduktion?

Eigentlich nicht. Wir haben das Album ja nur zu dritt aufgenommen, im Hamburger Studio. Wir hatten keine Liveband oder zusätzliche Produzenten dabei. Selbst die Videodrehs finden im kleinen Kreis statt. Wir haben einen Raum mit Greenscreen, dort wird gedreht. Die ganzen Animationen und die Umgebung werden später am Rechner hinzugefügt. Deshalb war die Produktion selber ziemlich normal – mal abgesehen von Weihnachtsliedern im Hochsommer.

Ist noch ein Rest Weihnachtsstimmung bei euch übrig geblieben?

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Klar, ich habe große Lust auf Weihnachten. Ich mochte schon als kleiner Junge die Weihnachtszeit über alles und meinen Kindern geht es da nicht anders. In Zeiten von Corona ist bei uns in der Familie eine „Jetzt-erst-Recht“-Stimmung entstanden. Wir können dieses Jahr zwar nicht alle Freunde und Verwandte besuchen. Aber wir können dafür sorgen, dass wir eine möglichst besinnliche Zeit haben. Für mich ist es keine Option, das Fest einer tiefbetrübten Corona-Stimmung zu überlassen. Ich möchte dagegenhalten und eine schöne Zeit mit der Familie haben. Mit dieser Haltung haben wir auch unser Album aufgenommen – mit vor allem ausgelassenen und verrückten Songs, ohne zu nachdenklichen Stücke – vielleicht hellt auch unser Album ja die Stimmung etwas auf und schiebt ein paar Sorgen wenigstens über die Feiertage beiseite.

Habt ihr auch eigene Weihnachtserinnerungen auf dem Album verarbeitet?

Natürlich, an ganz vielen Stellen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Song „N64″ – meine Erinnerung an ein ganz großartiges Geschenk. Beim Schreiben hatte ich noch einmal das gleiche Gänsehautgefühl wie damals, als ich den sehnlich gewünschten Computer wirklich zu Weihnachten bekam. Das war für mich ein sehr besinnlicher Moment – auch wenn es eher um ein Produkt geht und Geschenke natürlich nicht im Vordergrund stehen sollten. Aber für mich ist das einfach eine tolle Kindheitserinnerung.

Als Kind liebt man vor allem die Geschenke an Weihnachten. Wenn Eltern hier eine Konsumverweigerung hochhalten, empfinde ich das als eher scheinheilig.

Da gebe ich dir völlig recht. Es ist schon gut, wenn wir einen kritischen Blick auf die Flut der Geschenke behalten oder auch die Verwandten in die richtige Geschenkerichtung lenken. Aber grundsätzlich stehen die Kinder im Vordergrund und für sie gehören eben Geschenke auch dazu. Am Heiligabend sollten wir uns deshalb als Eltern nicht hinsetzen und mit unseren Kindern plötzlich über den Sinn von Schenken diskutieren, sondern ihnen einfach die Freude am Auspacken lassen. Für die Konsumverweigerung hat man ja den Rest des Jahres genug Zeit.

Noch eine musikalische Frage zum Abschluss: Es gibt ja an Weihnachten echt nervige Songs – „Last Christmas“ zum Beispiel oder das Weihnachtsalbum von Mariah Carey. Habt ihr zu Hause musikalische Verbote?

In der Weihnachtszeit sind mehr Sünden erlaubt – beim Konsum, beim Essen und bei der Musikauswahl. Ich mag sogar „Last Christmas“ hören, wenn es zur Stimmung passt. Das einzige Lied, das ich überhaupt nicht weihnachtlich finde, ist „Oh Tannenbaum“. Der Song hat für mich irgendwie eine ganz traurige Stimmung und zieht mich eher runter – dann lieber Mariah Carey oder Wham.

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