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Das eigene Kind in guten Händen: So finden Eltern den richtigen Kinderarzt

  • Kurze Anfahrtswege, lange Öffnungszeiten oder viel Personal?
  • Neben individuellen Vorlieben helfen einige Anhaltspunkte den (werdenden) Eltern bei der Suche nach dem richtigen Kinderarzt.
  • Warum es sich lohnt, bei der Praxisauswahl genauer hinzuschauen.
Helene Kilb
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Hannnover. Die Frage nach ärztlicher Versorgung stellt sich spätestens, wenn Mutter und Kind das Krankenhaus verlassen haben und nach der Aufregung rund um die Geburt erst einmal Ruhe einkehrt. Aber auch Eltern, die gerade mit ihren minderjährigen Kindern in einer neue Stadt gezogen sind, müssen sich zwangsläufig damit beschäftigen: mit der Suche nach einem neuen Kinderarzt.

Alle Kinderärzte sind unterschiedlich – das ist gut so

Generell gilt: Festgelegte, objektive Kriterien für einen guten Kinderarzt oder eine gute Kinderärztin gibt es nicht. „Zum Beispiel kann eine Praxis mit viel Personal schlecht und mit wenig Personal gut organisiert sein“, sagt Tanja Brunnert, die als Pressesprecherin des Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. für das Land Niedersachsen auftritt und selbst als Kinderärztin in Göttingen arbeitet.

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„Kinder- und Jugendärzte in Deutschland sind nicht nur persönlich, sondern auch in ihrer Praxisorganisation und Struktur sehr unterschiedlich“, sagt sie. Und das sei gut so: Manch einer wünsche sich eine familiär kleine Praxis, akzeptiere dafür vielleicht kürzere Öffnungszeiten, andere fühlten sich in einem größeren Betrieb mit mehreren Ärzten besser aufgehoben und legten Wert auf lange Praxiszeiten.

Entfernung und Öffnungszeiten beachten

Neben persönlichen Präferenzen helfen jedoch einige Anhaltspunkte bei der Suche nach einer passenden Praxis. Eine gute Übersicht bietet eine Checkliste der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Einige Punkte lassen sich bereits im Vorfeld klären, entweder durch eine kurze Internetrecherche oder einen Anruf bei der Praxis.

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Beispielsweise sollten (werdende) Eltern nachschauen, wie weit die Praxis von ihrem Zuhause entfernt ist. Gerade kurz nach der Geburt, wenn jeder Ausflug mit dem Neugeborenen zum Abenteuer wird, ist eine Praxis in nächster Nähe von großem Vorteil. Doch das sollte nicht das einzige Kriterium sein. Weiterhin rät die BZgA, auf „patientenfreundliche“ Öffnungszeiten und Barrierefreiheit zu achten. Manche Praxen bieten sogar Hausbesuche an – ein klarer Pluspunkt.

Kindgerechtes Wartezimmer mit Spielzeug überzeugend

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Wer sich persönlich von der Atmosphäre in der Wunschpraxis überzeugen will, kann ihr schon während der Schwangerschaft einen Besuch abstatten. Dabei sollten Eltern unter anderem schauen, ob die Praxis einen kindgerechten Eindruck macht: Im Wartezimmer sollte Spielzeug bereitstehen, mit dem sich ungeduldige kleine Patienten die Wartezeit vertreiben können.

Pluspunkt: Praxis mit gesondertem Zimmer

Weiterhin ist es laut der Checkliste der BZgA von Vorteil, wenn die Praxis über einen infektfreien Platz verfügt, bestenfalls ein gesondertes Zimmer. Auf diese Weise besteht zum Beispiel für Babys, die nur zum Impfen oder zu einer Früherkennungsuntersuchung kommen, nicht die Gefahr, sich mit ansteckenden Krankheit zu infizieren.

In der Realität sind getrennte Räumlichkeiten aus Platzgründen oft nicht möglich, gerade in großen Städten mit hohem Mietspiegel. „Viele Praxen trennen Vorsorge- und Impfsprechstunde daher zeitlich in ihrer Praxisorganisation“, sagt Tanja Brunnert.

Richtig oder nicht? Erster Besuch gibt Aufschluss

Ob sie sich tatsächlich für die richtige Praxis entschieden haben, finden Eltern spätestens dann heraus, wenn sie zum ersten Mal einen Termin mit ihrem Kind wahrnehmen. Aufschlussreich ist dabei vor allem, wie lange es dauert, bis der Name des Kindes aufgerufen wird. „Bei einem geplanten Termin sollte die Wartezeit meines Erachtens unter 20 Minuten liegen“, sagt Tanja Brunnert vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V.

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Eltern sollten sich verstanden fühlen

Während der Untersuchung sollte ein Arzt sich genug Zeit nehmen, um Fragen und Sorgen der Eltern anzuhören – selbst wenn Letztere sich im Nachhinein als unbegründet herausstellen. „Hierbei müssen Eltern aber wissen, dass wir teilweise insbesondere in der Infektzeit unter Zeitdruck arbeiten. Anders bekommen wir die Vielzahl der Patienten in dieser Jahreszeit nicht versorgt“, gibt die Kinderärztin zu bedenken.

Dennoch sei es wichtig, dass Eltern und Kinder sich trotzdem verstanden und gut beraten fühlen und dass der Kinderarzt einen sympathischen sowie empathischen Eindruck hinterlasse. „Wo man sich als Eltern nicht verstanden fühlt, sich mit seinen Sorgen alleingelassen fühlt, das vorgeschlagene Therapiekonzept nicht mittragen kann, da ist man nicht gut aufgehoben“, bestätigt die Kinderärztin.

Bewertungsportale im Netz nicht vertrauenswürdig

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Weitere Kriterien, auf die Eltern achten sollten, sind laut BZgA, wie kindgerecht und einfühlsam der Arzt auf das Kind eingeht: Beispielsweise sei es gut, wenn der Arzt oder die Ärztin mit dem Kind spreche und ihm erkläre, was gerade gemacht wird. Eltern sollten bei Bedarf über örtliche Beratungs- und Unterstützungsangebote informiert werden.

Übrigens: Bewertungsportale wie Jameda oder Sanego können das persönliche Empfinden von Eltern und Kindern nicht ersetzen. Vielmehr seien solche Portale aufgrund zahlreicher unsachlicher und laienhafter Bewertungen „sehr mit Vorsicht zu genießen“, sagt Tanja Brunnert: „Ich würde Eltern niemals empfehlen, hier ernsthaft nach einem Kriterium für eine Facharztbetreuung zu suchen.“

RND/Helene Kilb

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