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Corona-Zeit ist Brettspielzeit – aber was sind das für blutige Gemetzel?

  • Wir lehren unsere Kinder: Dabei sein ist alles. Aber es gibt eine Ausnahme: Brettspiele.
  • Von “Malefiz” bis “Monopoly” vermitteln sie die Botschaft: Du musst ein Egomane sein.
  • Ein kleiner satirischer Seitenhieb auf die Klassiker der Langeweilebekämpfung in Corona-Zeiten.
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In jüngster Zeit gelangt in unserer Familie ein Unterhaltungsmedium zu neuen Ehren, das lange ein Schattendasein im Reigen seiner elektronischen Brüder gespielt hat: das Brettspiel. Mit den Klassikern des Genres ist es wie mit Märchen: Sie lehren etwas über das Leben selbst – allerdings auf überraschend brutale Weise. Im Grunde durchströmt praktisch jedes Gesellschaftsspiel die spätkapitalistische Ideologie, wonach man seine Gegner nach allen Regeln der Kunst in den Staub zu treten hat. Brettspiele sind blutige Gemetzel für Sozialdarwinisten – von “Halma” bis “Mühle”, von “Malefiz” bis “Monopoly”.

In “Monopoly” gewinnt der mieseste Miethai

Da lehren wir unsere Kinder jahrelang, dass die Blumen am Wegesrand auf der Straße zum Glück Nachsicht, Nähe und Nächstenliebe heißen. Und dann spielen wir “Malefiz” – ein Spiel, das Kindern zeigt, dass man seinen Mitmenschen zur Erlangung egoistischer Ziele gar nicht genug Steine in den Weg legen kann. Im “Spiel des Lebens” gilt es als Nachweis eines erfüllten solchen, über die fetteste Villa, das dickste Konto und die meisten Aktien zu verfügen. In “Monopoly” gewinnt der mieseste Miethai. Und selbst das vermeintlich unschuldige Märchenspiel “Sagaland” vermittelt die Botschaft, dass Hoheitswissen stets zum Nachteil aller anderen einzusetzen ist.

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Gesellschaftsspiele – der Realitätsschock in der Kuschelpädagogik

Es heißt, Kinder lernten durch Spiele, dass Niederlagen kein Weltuntergang sind. In Wahrheit lernen sie vor allem, ein cleverer Lump zu sein. Meine Theorie: Gesellschaftsspiele sind der Realitätsschock in der Kuschelpädagogik. Schach ist Krieg, das wussten wir.

  • Die “Siedler von Catan” lehren uns im übertragenen Sinn, dass man ohne Schürfrechte in Drittweltstaaten nicht an seltene Erden zum Bau von Smartphones herankommt.
  • “Das verrückte Labyrinth” spiegelt mit seinen ständig neuen Irrwegen die boshafte Absicht von Populisten, das Publikum mit gedanklichen Sackgassen und falschen Fährten vom Weg der Wahrheit abzulenken.
  • Und “Cluedo” zeigt, dass selbst Mörder davonkommen, wenn sie nur smart genug sind.

Spieleerfinder! Dass diese Menschen nachts schlafen können! Wir spielen jetzt aus Gründen der Psychohygiene nur noch Mau-Mau. Bleiben Sie gesund.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
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