#CoronaEltern: Beschwert euch endlich – und zwar nicht nur leise, sondern laut!

  • Dürfen wir in Zeiten, in denen es gefühlt ohnehin nur Entscheidungen zwischen “Pest und Cholera” gibt, überhaupt noch laut klagen?
  • Und dürfen wir obendrein auch noch Forderungen stellen? Unbedingt, meint unsere Autorin Leonie Schulte.
  • Denn “Bedürftigkeit sollte kein Gradmesser für die Lautstärke eines Protests sein”.
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Endlich beschweren sie sich! Genau das habe ich gedacht, als ich über die #CoronaEltern und Online-Petitionen stolperte. Wie oft hatte ich in den vergangenen Wochen diesen Satz gelesen: „Ich will mich nicht beschweren!“ Gesagt haben ihn Frauen, die in Artikeln über ihre prekären Verhältnisse berichten, Freundinnen, die mit ihren Kindern gerade an den Schulaufgaben verzweifeln, die Vierfach-Mutter, deren Jungs nur im Garten einmal Ruhe geben.

Eltern und besonders Frauen gehen in dieser Corona-Isolation an ihre Grenzen — oder darüber hinaus. Sie trösten Tränen und beschulen ihre Kinder. Sie pflegen Angehörige. Sie spenden für das Restaurant um die Ecke, nähen Masken und klatschen für die Menschen an der medizinischen Front. Sie haben Ängste, um ihre Gesundheit, ihren Arbeitsplatz, um das Wohl ihrer Kinder und das der Gesellschaft.

Den Mund aufmachen für jene, die keine Stimme haben

Entlastungen haben sie dagegen kaum. Sie sind also Betreuer, Lehrer, Bespaßer, Streitschlichter, Koch, Kassenwart, Erzieher, Elternteil und natürlich zuverlässiger Arbeitnehmer. Alles gleichzeitig. Beschweren wollen sie sich aber nicht. Nicht, weil es ihnen selbst so gut ginge, sondern weil sie glauben (und wissen), dass es anderen noch schlechter geht.

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Aber sollte Bedürftigkeit überhaupt ein Gradmesser für die Lautstärke eines Protestes sein? Ich finde nein. Die Mutter mit Garten darf sehr wohl verlangen, dass alle Kinder einen Platz zum Spielen haben. Die Alleinerziehende darf finanzielle Forderungen für Eltern stellen, auch wenn sie selbst gut über die Runden kommt. Und genauso dürfen übrigens auch die Kinderlosen, die Älteren, ja sogar die Arbeitgeber ihren Mund aufmachen für jene, die keine Stimme oder vielleicht auch einfach nicht die Zeit zum Kämpfen haben. Weil die vierte Ladung Wäsche wartet, die nächst Geschichte gelesen und die nächste Telefonkonferenz gehalten werden will.

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