Gerichtsurteil: Umgangsregelungen dürfen wegen Corona nicht ausgesetzt werden

  • Ein Gericht entscheidet, dass Umgangsregelungen in der Corona-Pandemie nicht ausgesetzt werden dürfen.
  • Auch Kontaktbeschränkungen ändern nichts an den Abmachungen.
  • Bei Zuwiderhandlungen drohen Ordnungsmittel.
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Frankfurt am Main. Auch wenn wegen der Corona-Pandemie Kontaktbeschränkungen gelten: Ein Elternteil darf dem anderen nicht den Umgang mit dem gemeinsamen Kind verwehren. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschieden (Az.: 1 WF 102/20), heißt es in der Zeitschrift „NJW Spezial“ (Ausgabe 2/2021).

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In dem Fall existierte eine vor der Pandemie geschlossene Umgangsregelung, nach der der Vater sein Kind regelmäßig an den Wochenenden sehen darf. Sollte dies nicht eingehalten werden, drohen Ordnungsmittel.

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Elternteil ist nicht berechtigt, Umgangsentscheidung abzuändern

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Seit Beginn der Pandemie im März 2020 hatte die Mutter persönliche Treffen ausgesetzt. Sie schlug vor, dass der Vater das Kind über den Balkon sehen oder mit ihm telefonieren könne. Ihre Begründung: Die neue Patchworkfamilie des Vaters führe zu einem Kontakt mit einem größeren Personenkreis. Sie selbst habe eine Lungenvorerkrankung. Nachholtermine für persönliche Treffen könne man gerne vereinbaren.

Hiergegen wendete sich der Vater. Von der Vorerkrankung wisse er nichts. Er sei bereit, alle Hygienestandards bei Besuchen zu beachten und täglich Fieber zu messen. Zwei Monate fanden trotzdem keine Treffen mit dem Kind statt. Gegen die Mutter wurde daraufhin ein Ordnungsgeld von 300 Euro verhängt. Ihre sofortige Beschwerde blieb erfolglos.

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Ein Elternteil sei nicht berechtigt, eine Umgangsentscheidung abzuändern oder auszusetzen, so die Richter. Daran ändere auch die Pandemie nichts. Die Kernfamilie sei von der Empfehlung, soziale Kontakt zu vermeiden, gerade nicht umfasst - selbst wenn die Eltern in verschiedenen Haushalten leben.

Der Umgang des anderen Elternteils mit dem Kind gehöre zum absolut notwendigen Minimum sozialer Kontakte. Er sei wichtig, um der Entfremdung des Kindes von seinem Elternteil vorzubeugen. Da in der Familie weder Symptome aufgetreten waren, noch eine Quarantäne behördlich angeordnet wurde, gelte für den vorliegenden Fall nichts anderes.

RND/dpa

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