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Mutter über Quarantäne für Schulkinder: „Es ist schlimmer als Homeschooling!“

  • Seit eineinhalb Jahren lernen Kinder unter Pandemiebedingungen.
  • Kommt es zur Quarantäne, bringt das Schulkinder und Eltern an die Belastungsgrenze.
  • Eine faire Lösung für alle müsste her – doch die Meinungen zu Tests, Impfungen und Corona-Regeln gehen stark auseinander.
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Der erste Schultag nach den sechseinhalb Wochen Sommerferien. Marta* freut sich. Endlich wieder Freunde treffen. Endlich ein Stück Normalität, hofft Carina, ihre Mutter. Am Freitag dann der Anruf der Lehrerin: Martas Sitznachbar ist positiv auf Corona getestet worden. Zwei Wochen Quarantäne für die Drittklässlerin. Schon wieder.

Kinder dürfen nicht einmal draußen spielen

Der Start ins neue Schuljahr fällt für Familie Fromm aus NRW denkbar schlecht aus. Gerade noch kullerten Tränen bei der Tochter, als die Geschwister zum Schulausflug aufbrachen und sie zu Hause bleiben musste. „Ich kann langsam nicht mehr“, sagt Mutter Carina. Ähnlich geht es vermutlich auch den anderen 30.000 Familien der Schülerinnen und Schüler, die zwei Wochen nach Schulbeginn allein im Bundesland Nordrhein-Westfalen in Quarantäne sitzen.

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Darunter auch der zehnjährige Sohn von Ida Ferdinand*. Er ist seit knapp einer Woche zu Hause, nachdem sein Klassenkamerad positiv auf Corona getestet wurde. Zwei PCR-Tests waren negativ, trotzdem bleibt Tom noch eine weitere Woche in Quarantäne. Noch trage er es mit Fassung, sagt Ida. „Aber im Grunde ist es schlimmer als das Homeschooling im letzten Schuljahr, denn da durfte er wenigstens am Nachmittag raus.”

Das Haus nicht verlassen zu dürfen – ein Umstand, den auch die Fromms inzwischen alle kennen. Schon im vergangenen Jahr war Martas Schwester Lisa in Quarantäne – und mit ihr auch die anderen Geschwister. Nicht, weil das Gesundheitsamt das angeordnet hätte, sondern weil der soziale Druck so groß war. Auch jetzt wurde Lisa in der Betreuungseinrichtung gefragt, warum sie denn kommen würde, ihre Schwester müsse ja schließlich zu Hause bleiben.

Ende der Quarantäne unter Schulkindern ist noch nicht in Sicht

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An den Abenden, an denen Carina mit den Ergebnissen der Lollitests rechnet, plagen sie Magenschmerzen. Drei Kinder in drei verschiedenen Einrichtungen, das zweite Mal jetzt Quarantäne. Familie Fromm ist an ihrer Belastungsgrenze. „So viel Ratlosigkeit habe ich noch nie erlebt. Bei den großen Fragen, wie wir Kinder richtig schützen können, genauso wie bei den kleinen Fragen, etwa, ob ich überhaupt noch Termine auf der Arbeit ausmachen kann”, sagt die 34-Jährige.

Zu der Sorge kommt auch Wut: Während sich für viele Kinderlose das Leben langsam normalisiere, stünden Familien noch immer an dem gleichen Punkt wie vor einem Jahr – nichts sei planbar. Reiserückkehrer konnten sich auch in NRW nach fünf Tagen freitesten. Für Schulkinder gilt in ihrem Bundesland aber aktuell noch die 14-Tage-Regel.

Doch nun will NRW handeln und die Quarantäneregelungen lockern. Sie wünsche sich, dass „nur noch nachweislich infizierte” Kinder und Jugendliche in Quarantäne müssen, zitiert der WDR die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Bisher gehen die Bundesländer unterschiedlich mit den Quarantäneregelungen um.

Baden-Württemberg will zum Schulstart Mitte September nur noch positiv getestete Kinder in Quarantäne schicken, gepaart mit engmaschigen Testungen für Mitschüler. Berlin schickt entgegen der Forderungen der Amtsärzte jene Kinder, die als Kontaktpersonen gelten, für fünf Tage in Quarantäne. Die Berliner Amtsärzte wollten gar keine Quarantäne mehr für Kontaktpersonen anordnen.

Gesundheitsminister Spahn drängt auf eine einheitliche Lösung. Auf Nachfrage, welche das sein könnte, verweist sein Ministerium auf die Empfehlung des RKI. Und die sieht eine zweiwöchige Quarantäne für Kontaktpersonen der Gruppe eins vor, also direkte Kontakte, sofern nicht geimpft. Am Montag werden die Gesundheitsminister der Länder gemeinsam mit Spahn über einheitliche Regeln beraten.

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Da Kinder unter zwölf Jahren gar nicht geimpft werden können, schauen Eltern mit Sorge auf die kommenden Monate. „Wenn wir wüssten, es sind jetzt diese zwei Wochen, würden wir das vielleicht noch hinbekommen. Aber es ist doch klar, dass uns das jetzt immer wieder bevorsteht”, sagt Ida Ferdinand.

Die Sorge vor Covid-19 bei Kindern

Doch die Mutter treibt noch ein ganz anderer Gedanke um: „Experten und Politiker betonen immer wieder, dass Ungeimpfte im Laufe dieses Winters definitiv erkranken werden. Das bedeutet, auch unsere Kinder werden sich anstecken. In ihrem Alter ist das alternativlos, weil wir sie gar nicht impfen lassen können. Auch wenn ich den Gedanken, meine Kinder könnten krank werden, nicht schön finde, so müssen wir es doch sehen, wie es ist: Wir können unsere Kinder nicht schützen. Und damit machen auch die ganzen Maßnahmen an den Schulen keinen Sinn.”

Es sei nicht fair, den Eltern Angst vor etwas zu machen, das ohnehin eintreten werde. Und die Kinder zu Hause zu lassen, um impfunwillige Erwachsene zu schützen, sei den Kindern gegenüber nicht fair. „Sie haben ihre Schuldigkeit im Hinblick auf den Schutz der Gesamtbevölkerung getan”, findet die 40-Jährige.

Doch nicht alle Eltern halten die Maßnahmen an Schulen für unangebracht. „Die Berliner Strategie, nur noch diejenigen nach Hause zu schicken, die auch wirklich positiv getestet wurden, erscheint mir der pure Wahnsinn”, schreibt etwa Claudia Weingärtner in ihrem Text „Mit Bauchweh in den Quarantäne-Herbst”. Nach einer Klassenfahrt sind die Kinder der Hamburger Autorin ebenfalls in zweiwöchiger Quarantäne.

Sie fordert in Sachen Infektionsschutz einen Mittelweg, wie ihn etwa Virologe Drosten vorschlägt: Die Quarantäne von 14 auf fünf Tage senken. Und Carina Fromm appelliert an die Erwachsenen: „Die Kinder haben in den vergangenen eineinhalb Jahren so viel zurückgesteckt. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Älteren sich solidarisch mit den Jüngeren zeigen und sich impfen lassen.”

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

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