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Dreifach geimpft, Homeoffice und Social Distancing: So hat mich die Omikron-Welle trotzdem erwischt

Durch die Omikron-Variante haben sich auch viele geimpfte Menschen mit dem Coronavirus infiziert. (Symbolbild)

Fast zwei Jahre lang habe ich mich selbst als „Eremitin“ bezeichnet – im Sommer weniger, im Winter mehr. Mein Partner und ich haben uns wirklich an jede Abstandsregelung gehalten, an jede Aufforderung zum Social Distancing oder an die Ausgangssperren. Bei der Arbeit erinnert mein Partner ständig andere an die Maskenpflicht, während ich mich im Homeoffice schon auf den Spaziergang nach getaner Arbeit freute. Natürlich sind wir auch geimpft – dreifach. Nicht nur um uns und andere zu schützen, sondern natürlich auch, um – seien wir ehrlich – wieder ein Sozialleben zu haben.

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Und trotzdem hat es uns erwischt.

Kopfschmerzen, Fieber und Halsschmerzen

Wie und wo ich mich infiziert habe, das ist mir bis heute nicht klar. Aber die nächsten Wochen sollte das Coronavirus meine Familie und mich viel beschäftigen.

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Alles fing damit an, dass meine neunjährige Nichte Julia (Name geändert, Anm. d. Red.) plötzlich krank wurde. Coronavirus? Nein, die Schnelltests waren doch alle negativ. Kopfschmerzen, Fieber und Halsschmerzen – meine Schwester hoffte sehr, dass es dabei blieb. Am dritten Tag war der Corona-Test dann doch positiv. Während ich mit meiner anderen Nichte Luisa (Name geändert, Anm. d. Red.) – einem fünf Monate alten Baby – draußen spazieren ging, fuhr meine Schwester mit Julia zum PCR-Test.

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Wie schlimm ist Corona für ein Baby?

Omikron-Variante lautete das Ergebnis. Woher meine Nichte das Virus hatte, ist ebenfalls bis heute unklar. Julia hatte zwar Symptome, aber sie ist ein gesundes Kind, wir rechneten nicht mit Schlimmerem. Julia hatte auch kein Problem, sich zu isolieren: Ausgestattet mit Süßkram, dem Familienhund und ihrem Handy.

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Was uns aber Angst und Sorgen bereitete, war die Frage, wie schlimm eine Infektion für die fünf Monate alte Luisa wäre. Das Googeln und Herumtelefonieren ging los. Und natürlich fragte auch ich mich: Hatte ich mich ebenfalls infiziert? Ich rechnete und rechnete und war mir sicher, dass eine Infektion eigentlich nicht möglich war, wenn ich Inkubationszeit und alles bedachte, was ich über das Coronavirus wusste. Schließlich hatte ich meine Nichte Julia das letzte Mal gesehen, bevor sie krank wurde.

Alle getestet, alle negativ

Doch dann war der Bruder meines Partners plötzlich ebenfalls positiv. Und wieder begann das Rechnen. Wer war wann mit wem zusammengetroffen? Erneut fühlten wir uns sicher. Immer wieder kam die Frage auf, ob ein Infizierter eigentlich auch dann ansteckend sein kann, wenn sein Test noch negativ war. Mein Freund und ich testeten uns nun täglich – so hielten es die meisten aus unserem Kontaktkreis. An einem Wochenende trafen wir uns dann spontan mit den Eltern meines Freundes, die Besuch aus Düsseldorf hatten. Alle getestet, alle negativ – und geboostert waren mein Freund und ich schließlich auch. Es war ein schöner Abend, es wurde erzählt, gelacht und getrunken. Corona? Nicht mit uns. Wie naiv das war, ist mir heute klar.

Zwei Tage später war dann auch die Mutter meines Freundes positiv. Während mein Freund sich sicher war, dass es nur noch eine Frage der Zeit sein könne, dass auch unsere Tests positiv seien, klammerte ich mich weiter an meine Ingwer-Shots, die mein Immunsystem stärken sollten. Jetzt muss ich darüber lachen.

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Corona-Tests erst nach Tagen positiv

Meine Schwester war nun auch positiv. Das Baby und mein Schwager? Glücklicherweise putzmunter. Doch als ich schon fast davon ausging, dass der Corona-Krug an uns vorbeigegangen ist, wurde erst mein Freund krank, und dann erwischte es auch mich.

Ich kann mich in meinem Erwachsenenleben an keine Krankheit erinnern, die mich so aus der Bahn geworfen hat.

Wir hatten beide Fieber und fühlten uns sehr schwach. Erst nach mehreren Tagen waren unsere Corona-Tests positiv. Der PCR-Test bestätigte dann wenig überraschend, dass wir uns mit der Omikron-Variante infiziert hatten. Die darauffolgende Woche in Quarantäne war nicht einfach und vermutlich nur durch unsere recht große Terrasse einigermaßen erträglich. Oft habe ich an Menschen denken müssen, die zum Beispiel in der Großstadt in einem Mehrfamilienhaus ohne Balkon zu fünft in einer Wohnung wohnen.

Appetitlosigkeit über fünf Tage

Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die Symptome, die mit der Infektion einhergingen. Ich hatte immer gedacht, dass die Infektion nicht so schlimm sei und ich höchstens einen Schnupfen bekommen könnte. Schließlich ernähre ich mich gesund, rauche nicht, treibe auch ein wenig Sport – und bin vor allem dreifach geimpft. In der Realität war ich aber wirklich richtig krank.

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Ich kann mich in meinem Erwachsenenleben an keine Krankheit erinnern, die mich so aus der Bahn geworfen hat. Am seltsamsten war die Appetitlosigkeit – so was habe ich noch nie erlebt. Hätte ich mich nicht gezwungen, ich hätte fünf Tage auf Essen verzichten können.

Zu erschöpft zum Weinen

Sonst kaum zum Schlafen zu bekommen, lag meine Nichte nun fast regungslos im Bett, die Augen rot umrandet, zu erschöpft zum Weinen.

Ich war länger als eine Woche krank. An dem Tag, als ich mich endlich freitesten lassen konnte, bekam meine kleine Nichte hohes Fieber und Schnupfen. Ein Schnelltest, den meine Schwester vorsichtig am Eingang der Nase nahm, bestätigte auch die Corona-Infektion. Meine Schwester schickte mir regelmäßig Videos von der Kleinen. So etwas Schlimmes habe ich selten gesehen. Sonst kaum zum Schlafen zu bekommen, lag meine Nichte nun fast regungslos im Bett, die Augen rot umrandet, zu erschöpft zum Weinen. Selbst beim Wickeln hat sie nicht einmal ihre Beinchen bewegt. Hätte sie nicht noch solch einen Appetit gehabt, sie hätte wohl ins Krankenhaus gemusst. So aber ging es auch dem Baby nach wenigen Tagen besser – die ganze Familie konnte endlich aufatmen.

Das Resümee aus meiner persönlichen Omikron-Welle? Wir hatten Glück. Niemand musste im Krankenhaus versorgt werden. Man würde bei uns wohl von schwachen Verläufen reden. Wenn ich aber daran denke, wie krank ich war, dass ich heute noch teilweise an Atemnot leide und mir die rot umrandeten Augen meiner Nichte in Erinnerung rufe, werde ich wütend auf jeden, der sich nicht impfen lassen will, weil das Coronavirus angeblich nicht so schlimm ist.

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