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Wie Kinder unter der sozialen Isolation leiden – und wie sie gestärkt aus der Krise hervorgehen

  • Geschlossene Kitas, soziale Isolation: Unter der Corona-Krise leiden auch viele Kinder.
  • Jedes Kind reagiert unterschiedlich auf die Situation: Manche haben Schlafprobleme, andere ziehen sich zurück.
  • Doch “Kinder können gestärkt aus der Krise hervorgehen”, sagt Expertin Silvia Schneider.
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Berlin/Bochum. Kinder, die weinen, weil sie ihre Freunde oder Verwandten nicht sehen können oder nicht in die Kita dürfen: Auch die Jüngsten leiden unter der Corona-Krise. Doch laut der Bochumer Professorin für Kinder- und Jugendpsychotherapie, Silvia Schneider, kann die derzeitige Situation auch einen Nutzen für die Entwicklung haben: “Kinder können gestärkt aus der Krise hervorgehen.”

Tränen werden vergossen: Kinder vermissen ihre Kita-Freunde

Viele Eltern berichten derzeit, dass ihre Kinder stark unter der sozialen Isolation leiden. Anika N. aus Nordrhein-Westfalen beschreibt beispielsweise eine Situation mit ihrem Vierjährigen: "Ich hörte es durchs Babyphone wimmern und bin hoch zu ihm. Er lag in seinem Bett, mit seinem Kumpel Elmo im Arm und hat mir mit dicken Kullertränen gesagt, dass er seine Kindergartenfreunde so sehr vermisst. So aufgelöst habe ich meinen Frosch noch nie erlebt."

Die Berlinerin Regina L. musste mit ihrer Tochter zur verschlossenen Kita fahren, damit sich die Fünfjährige vergewissern konnte, dass auch wirklich niemand dort ist: "Sie wollte sich das Gebäude unbedingt angucken. Wir haben davor kurz angehalten und noch einmal darüber geredet, warum das jetzt so ist, wie es ist", erzählt die Mutter, deren Tochter ebenfalls ihre Spielkameraden vermisst.

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Psychologe: Auch stillen Kindern ausreichend Aufmerksamkeit schenken

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"Kinder reagieren ganz unterschiedlich auf die Krise, die auch für sie Stress bedeutet", sagt der Berliner Psychologe Thilo Hartmann. Die Kinder können demnach neben Schlafproblemen auch mit Kopfweh, Bauchschmerzen, Schwindel und Erschöpfung reagieren. "Auf der Verhaltensebene ist es möglich, dass Kinder sich zurückziehen, aggressiver auftreten oder auch ein verstärktes Kuschelbedürfnis haben", so der Experte.

"Wichtig ist es, auch denjenigen Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, die in dieser Situation stiller werden oder mit Rückzug reagieren und dabei vielleicht sogar besonders unproblematisch erscheinen", betont Hartmann. Bei diesen Kindern könne es sein, dass sie sich in eine nicht kindgerechte Rolle fügen und versuchen, die Verantwortung zu übernehmen, alles richtig zu machen und die Familie zu schützen. Das könne Kinder überfordern, so Hartmann.

"Grundsätzlich ist es wichtig, dass sie ein gutes Modell haben, wie sie mit der Situation umgehen können", betont der Psychologe. Es gehe darum, dass die Bezugspersonen die neuen Handlungen und Verhaltensweisen wie besondere Hygiene oder das Tragen eines Mundschutzes den Kindern mit freudiger Gelassenheit vorleben.

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Nicht fernhalten: Kinder müssen lernen, mit Krisen umzugehen

"Wir können schwierige Situationen besser aushalten, wenn wir das Gefühl haben, wir können etwas tun", erklärt Schneider. Viele Eltern neigen laut der Bochumer Professorin dazu, Kinder von Krisen fernzuhalten. Doch aus der Forschung wisse man: Kinder müssen Krisen auch kennenlernen. "Und sie müssen vor allem lernen, wie sie mit Krisen umgehen", so Schneider.

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Der Alltag bestehe aus Krisen und unser Leben sei eine ständige Problembewältigung. "Ein Leben ohne Krisen ist unnormal und das ist auch nicht gut für Kinder. Wie sollen Jugendliche zum Beispiel in der Pubertät Schritte aus der Familie raus wagen, wenn sie nie gelernt haben, schwierige Situationen zu meistern?", so die Expertin. "Da muss man eine gewisse Resilienz entwickelt haben, eine Stärke in der Krise."

Kindern die Situation mit einfachen Worten erklären – und nicht die ganze Zeit über Corona reden

Aus Schneiders Sicht ist es nicht nur wichtig, Kindern die neue Situation in einfacher Sprache zu erklären, sondern auch die Zeit zu begrenzen, in der man über Corona redet. “Wir erleben es in unserem klinischen Alltag: Es gibt Familien, in denen von morgens bis abends Corona-Nachrichten gehört werden und alle sich immer mehr gegenseitig verunsichern und Corona überall sehen.” Das sei nicht hilfreich. “Es muss eine abgewogene und gut dosierte Auseinandersetzung mit Corona stattfinden.”

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Trotz mancher Schwierigkeiten: Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sieht ebenfalls positive Seiten, die die Krise für viele Kinder hat: "Viel Stress, den die ganze Gesellschaft sonst ausstrahlt, fällt nun weg. Es ist eine Zeit der Entschleunigung auch für die Familien. Ich habe noch nie so viele Väter mit ihren Kindern gesehen."

RND/dpa

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