Stillberatung per Telefon: Wie Hebammen in der Corona-Pandemie arbeiten

  • Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die Arbeit der Hebammen.
  • Für sie ist es derzeit nicht einfach, Schwangere und Wöchnerinnen mit ihren Babys zu betreuen.
  • Persönliche Kontakte werden deutlich verringert. So bieten Hebammen zunehmend Beratung über das Telefon und Kurse per Video an.
Ina Funk-Flügel/RND
|
Anzeige
Anzeige

Sie sind da, um Ängste zu nehmen, Schmerzen zu lindern, zu trösten, zu ermutigen und vor, während und nach der Geburt eines Kindes mit Rat und Tat zu helfen: Hebammen sind ganz nah an den Menschen. Ohne persönliche Kontakte ist ihre Arbeit kaum möglich. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist ihr Job komplizierter geworden: “Ich muss mehr administrative Aufgaben bewältigen, mich über Verordnungen auf dem Laufenden halten, Schutzkleidung organisieren”, sagt Susanne Spiegel. Hinzu komme die Frage der Betreuung ihres fünfjährigen Kindes. “Da jonglieren wir täglich, es ist aber machbar.”

Betreuung unter erschwerten Bedingungen

Schwangere Frauen, denen es gesundheitlich gut geht, betreut die Hebamme aus Alfeld nun weitgehend per Telefon oder Videocall. Besuche bei Wöchnerinnen sind möglich – natürlich mit Mundschutz. “Im Falle einer mit Covid-19 infizierten Frau würde ich zudem einen Schutzkittel, Haube und Handschuhe tragen. Die Besuche würden dann am Ende meiner Tour stattfinden”, erläutert Spiegel.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Gerade für noch unsichere Erstgebärende sei der persönliche Kontakt zur Hebamme wichtig. Einige benötigen nach der Entbindung Zuwendung und wollen ihre Babys gut versorgt wissen. Drängende Fragen ließen sich per Telefon nur schwer beurteilen, sagt Spiegel. Der persönliche Kontakt sei wichtig.

Für freiberufliche Hebammen wird eine ausführliche Nachsorge, wie das Wiegen des Babys, derzeit immer schwieriger, da ausreichend Schutzmaterialien für sie kaum vorhanden sind. © Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Kein ausreichender Schutz für die Hebammen

Mit ihren 41 Jahren zählt Spiegel nicht zur Corona-Risikogruppe. Bei einigen ihrer älteren Kolleginnen sieht das anders aus: Einige würden den direkten Patientenkontakt meiden, berichtet Spiegel. Der bringt schließlich auch einige Herausforderungen mit sich: “Zurzeit ist es schwierig, an Schutzkleidung zu kommen. Weder gibt es in den Apotheken ausreichend Desinfektionsmittel, noch ist im Internet genug erhältlich. Über den Katastrophenschutz bekomme ich lediglich eine Packung Handschuhe.” Und die muss sich Spiegel mit ihrer Kollegin teilen, mit der sie eine Hebammenpraxis führt. Zusammen betreuen sie neun Gemeinden und Orte im Landkreis Hildesheim. “Gemessen an unseren Besuchen ist die Zahl der Handschuhe natürlich lächerlich. Wir fühlen uns schon alleingelassen”, kritisiert Spiegel.

Anzeige

Eine Situation, die auch Ingrid Kronast vom Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands (BfHD) kennt. Sie betreut ihre Schwangeren mittlerweile auch mit Mund- und Handschutz. Dass nicht ausreichend Schutzmaterial vorhanden ist, sei auch dem Verband bekannt. “Wir haben daher eine Anleitung zum Mundschutznähen veröffentlicht. Das ist sicherlich nicht optimal, aber besser als nichts. Irgendwie müssen sich ja unsere Hebammen und die Frauen schützen”, sagt Kronast. Damit sei die Versorgung der Frauen erst einmal gesichert. Man müsse dann schauen, wie sich die Situation entwickele, wenn eine Hebamme positiv auf Corona getestet sei.

“Ist eine Hebamme im Umfeld von 25 Kilometern nicht verfügbar, da für sie eine Quarantäne gilt, zahlen die Krankenkassen auch Fahrten von Hebammen, die bis zu 50 Kilometer entfernt von der Frau praktizieren”, informiert der Verband auf seiner Homepage. Weniger Hebammen müssen im Zweifel mehr Frauen betreuen. Werdende Eltern sollten sich daher auf weniger und kürzere Besuche einstellen.

Anzeige

Geburten in Kliniken finden bisher regulär statt

"Geburten finden weiterhin regulär im bisherigen Umfang in den Krankenhäusern statt“, bestätigt Holger Mages, Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Allerdings würden bereits etliche Krankenhäuser etwa die Anwesenheit von Vätern während der Geburt oder andere Besuche stark einschränken, um die Ansteckungsgefahr für Mitarbeiter und Patienten zu minimieren. Ob es noch zu Engpässen in der Geburtshilfe kommen kann, sei derzeit nicht vorherzusagen, sagt Prof. Anton J. Scharl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Falls sich die Situation regional dramatisch zuspitzen sollte, bedürfe es einer Ausnahmeregelung: “Es muss sichergestellt werden, dass Ärzte sich nicht strafbar machen, wenn sie in einer derartigen Mangelsituation Geburten ohne eine anwesende Hebamme durchführen.”

Digitaler statt persönlicher Kontakt

Für Spiegel und ihre Kollegin hat die Corona-Pandemie schon jetzt finanzielle Folgen: Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse mussten abgesagt werden. “Sollte das Versammlungs- und Kontaktverbot aber weiter bestehen bleiben, werden wir uns dann mit dem Thema Onlinekurse auseinandersetzen müssen”, sagt Spiegel. Diese werden von der Krankenkasse finanziert. Eine vom Staat versprochene Soforthilfe werden Spiegel und ihre Kollegin dennoch beantragen.

____________

Strenges Besuchsrecht in Geburtskliniken

Anzeige
  • Auch das Elternwerden verläuft wegen des Coronavirus derzeit anders als gewohnt.
  • In vielen Krankenhäusern gelten für Väter und andere Begleitpersonen strenge Besuchsregeln rund um die Geburt. Bundesweit gab es sogar Krankenhäuser, die es den Partnern zwischenzeitlich ganz untersagt hatten, mit in den Kreißsaal zu kommen.
  • In vielen großen Kliniken ist das noch möglich – nach der Geburt aber gelten oft eingeschränkte Besuchszeiten. So sind Besuche auf Entbindungsstationen teilweise nur für eine Person und nur innerhalb einer bestimmten Zeit möglich.
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen