Brettspiel im Check: “Hadara”

  • Ein Wikinger, eine Schwarzafrikanerin, eine Ägypterin und ein Indianer schmücken die Schachtel von „Hadara“.
  • Hier also geht es um den Aufbau von Zivilisationen – gleich welcher Zeit und welchen Ortes.
  • Spiele-Experte Stefan Gohlisch hat “Hadara” getestet.
Stefan Gohlisch
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Über drei Epochen gedeihen hier die Gesellschaften. Auf vier Skalen misst jeder Spieler, wie erfolgreich er ist, seine eigene voranzubringen. Sie stehen für Einkommen (gelb), Militär (rot), Kultur (blau) und Nahrung (grün). Um darauf voranzukommen, sind Karten gefragt – bei denen gibt es noch eine fünfte Farbe, Lila, für allerlei Sondereffekte.

"Hadara": Spieler wird in unterschiedliche Kulturen und Länder entführt

Daher ist die zentrale Auslage auch fünfeckig, hat in der Mitte ein Rädchen. Die Spielersymbole darauf zeigen an, wer von welchem Stapel zwei Karten nehmen darf. Fünfmal hintereinander geschieht das: jedes Mal wird weitergedreht. Eine Karte darf man kaufen, um sie sofort ans persönliche Tableau anzulegen, oder verkaufen, um später mehr Geld zur Verfügung zu haben; das ist – üblich bei Spielen dieser Art – notorisch knapp. Die andere legt man offen neben den Stapel – sie darf anschließend gekauft werden.

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Jeder Kauf verändert die Skalen und ist Siegpunkte wert. Die Einkommensskala wirkt sich – man ahnt es – auf das zur Verfügung stehende Geld aus. Der Nahrungswert bestimmt, wie viele Karten man überhaupt besitzen darf. Militär gestattet die Besiedlung von Kolonien. Und Kultur gipfelt darin, dass man, nun ja, punktträchtige Büsten baut. In jeder der drei Epochen, also Runden, wird eine Zufallsauswahl aus neuen Kartensätzen verwendet. Die Varianz ist groß, auch wenn es am Ende doch wieder nur um Siegpunkte geht.

Militär oder Landwirtschaft: Ruhm und Ehre für seine eigene Welt

Durch einen Kartenauswahlmechanismus vergrößern die Spieler ihren eigenen Staat und machen aus einer kleinen Siedlung eine Hochkultur. (Benjamin Schweer: „Hadara“. Hans im Glück, für zwei bis fünf Spieler ab zehn Jahren, etwa 45 Euro.). © Quelle: Hans im Glück
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Optisch macht all das durchaus etwas her. Doch wer hofft, hier eine Simulation von Weltgeschichte vorzufinden, wird enttäuscht sein – das zeigt sich schon am ausgesprochen friedlichen Verlauf; so hat Zivilisation leider noch nie funktioniert. Hier kauft man Karten, wertet Farben, freut sich über spielmechanische Effekte – man muss sich fast dazu zwingen zu realisieren, dass die (durch die Reihe gelungenen) Illustrationen auf den Karten auch etwas mit deren Spielwert zu tun haben. Und die Sonderkarten in Lila schwanken sehr in ihrem Nutzwert; pure Glückssache, da die richtige zu erwischen. „Hadara“ bleibt völlig abstrakt, ein taktisches Bingo mit Zusatzregeln. Aber das Grundgerüst der Regeln ist redaktionell sauber bearbeitet. Es trägt, zumindest über die knackige Dauer einer Partie von etwa einer Stunde – und etliche Folgepartien.