Brettspiel im Check: “Flügelschlag”

  • Hobby-Ornithologen versuchen im Brettspiel "Flügelschlag" möglichst viele Vögel anzulocken.
  • Passendes Futter und Vogelhäuschen helfen dabei, die Vögel in die drei Landschaftsgebiete zu bekommen.
  • Spiele-Experte Stefan Gohlisch ist unter die Vogel-Liebhaber gegangen.
Stefan Gohlisch
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Alle Vögel sind schon da, alle, Vögel, alle ... Zumindest fast alle: Mehr als 900 Vogelarten leben in Nordamerika. 170 davon haben es in „Flügelschlag“ geschafft, keine kommt doppelt in dem Spiel vor. Mit seinem unverbrauchten Thema und dessen perfekter Umsetzung hat das schön ungewöhnliche und ungewöhnlich schöne Spiel seit Monaten in der Szene für einen Hype gesorgt – und für zeitweiligen Ausverkauf. Jetzt wurde es zudem zum Kennerspiel des Jahres gekürt, eine Auszeichnung für etwas komplexere Spiele.

"Flügelschlag": Spieler werden zu Vogelliebhabern

Autorin Elizabeth Hargrave macht die Spieler zu Vogelliebhabern. Man sammelt die Tiere auf dem jeweils eigenen Tableau. Es zeigt drei mögliche Lebensräume: Wald, Wiese und Wasser, auf denen die Vögel, links beginnend, abgelegt werden. Mit jeder dieser Kartenreihen sind Aktionen verbunden, die ertragreicher werden, je mehr Vögel dort liegen. Die möglichen Aktionen sind: Vogelkarte ausspielen (und mit Futter und Eiern anlocken, also bezahlen), neues Futter bekommen, mehr Eier erhalten, mehr Karten bekommen. Acht Würfel, um seine Aktionen zu markieren, hat man anfangs, in jeder späteren Runde einen weniger.

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Glücklicherweise werden die Aktivitäten immer mächtiger. Nicht nur bekommt man je nach Auslage immer mehr Futter, Eier und Karten. Man aktiviert auch, von rechts nach links, alle Tiere, die dort noch liegen – mit teilweise erheblichen Sonderfähigkeiten.

Entscheidungen im Sekundentakt: Spielt man einen Vogel aus, der wenig kann, aber viele Siegpunkte einbringt? Schielt man auf die Endabrechnung, oder bezieht man die Rundenwertungen mit ein? Wirft man Karten ab, um andere Boni zu erlangen? Und was ist mit den Bonuskarten, die jedem ein individuelles Ziel zuweisen?

In "Flügelschlag" sammelt man die Tiere auf dem jeweils eigenen Tableau. © Quelle: Feuerland-Spiele
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„Flügelschlag“ ist, was man in der Szene einen „Engine-Builder“ nennt: Man ordnet das Material so an, dass sich hoffentlich Synergieeffekte ergeben. Oftmals sind das recht technokratische Angelegenheiten, und sehr oft geht es tatsächlich um Maschinenbau. Hier nicht: Das Thema ist perfekt umgesetzt. Das beginnt bei den pastellfarbenen Eiern und endet noch lange nicht beim Vogelhäuschen, aus dem die Futterwürfel purzeln. Selbst die Eigenheiten der Vogelarten sind erfasst. Da gibt es welche, die Artgenossen jagen und deren Karten sammeln, andere, die Futter horten, und wieder andere, die ihre Eier immer nur in fremde Nester legen.

Elizabeth Hargrave macht die Spieler tatsächlich zu Vogelliebhabern – nicht nur als Rolle für einen Abend. Sie weckt Empathie und Interesse an dem ungewöhnlichen Fachgebiet. „Flügelschlag“ ist in jeder Hinsicht ein nachhaltiges Spiel.