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Beißen, schlagen, mobben: Was tun, wenn das eigene Kind zum „Täter“ wird?

  • Kristins Sohn mobbt andere Kindergartenkinder.
  • Vor allem schwächere Kinder haben unter ihm zu leiden.
  • Was tun, wenn das eigene Kind zum „Täter“ wird?
Katharina Nachtsheim
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Kristin, du hast uns erzählt, dass dein Kind ein anderes Kind mobbt. Erzähl uns erst mal ein bisschen mehr über dein Kind.

Zu unserer Familie gehören mein Mann, ich, mein Sohn Jonas (bald 6) und meine Tochter Lene (bald 2). Jonas war ein absolutes Wunschkind, auf das wir fast zwei Jahre gewartet haben. Er liebt alles, was mit der Feuerwehr zu tun hat. Wahrscheinlich hat er das von seinem Papa, seinem Opa und seinen Onkeln. Ebenso liebt er das Handwerk. Es kam schon sehr oft vor, dass er Sachen auseinanderschraubt, um zusehen, wie sie funktionieren.

Wann hast du das erste Mal davon gehört, dass Jonas andere Kinder ärgert?

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Das erste Mal, dass Eltern und Erzieher mich ansprachen, war, als er zwei Jahre alt war. Er fiel vor allem durch Beißen auf. Er schubste aber auch größere und ältere Kinder einfach um und ließ sich nichts sagen. Eine Phase, dachten wir, doch es steigerte sich von Jahr zu Jahr. Beißen tut er zwar nicht mehr, doch er ärgert und setzt andere Kinder so unter Druck, dass diese mittlerweile nicht mehr in den Kindergarten wollen.

Wie genau sieht dieses Unterdrucksetzen aus?

Er wendet sich hauptsächlich an „schwächere“ Kinder, die nicht viel Selbstvertrauen haben. Er „entzieht“ ihnen die Spielerlaubnis in seiner Gruppe und schließt sie aus, wenn sie nicht das machen, was er möchte. Aber er kann auch schnell aus der Haut fahren und schlägt dann auch Kinder.

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Du hast sicher nach dem ersten Vorfall sofort mit deinem Kind gesprochen?

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Ja, natürlich. Wir haben sehr viel darüber gesprochen und er weiß auch, dass es falsch ist. Dennoch hat er keine Empathie für das betroffene Kind. Generell fehlt es ihm an Empathie, auch uns gegenüber. Ich gehe mittlerweile jeden Tag mit einem beklemmenden Gefühl zur Kita. Es ist eigentlich schon Alltag, dass entweder eine Erzieherin oder eine andere Mutter zu mir kommt und wieder etwas berichtet, was Jonas einem anderen Kind angetan hat.

Wie gehen denn die anderen Eltern mit euch um?

Meistens wurden wir persönlich von anderen Eltern angesprochen. Da wir eher ländlich wohnen, macht es jedoch immer ziemlich schnell die Runde, wenn wieder etwas vorgefallen ist. Oft bekomme ich dann böse Blicke und Ablehnung. Jonas wird fast zu gar keinem Geburtstag eingeladen, und auch Spieleverabredungen werden dankend abgelehnt. Selbst wenn er sich jetzt um 180 Grad ändern würde, steckt er bereits in dieser Schublade.

Wie geht ihr damit um?

Natürlich haben wir immer wieder nach Fehlern in unserer Erziehung gesucht. Ich habe mir sogar Hilfe bei der Kinder- und Jugendberatung geholt. Die war mit seinem Verhalten jedoch so sehr überfordert, dass sie uns auch nicht weiterhelfen konnte. Sie und der Kindergarten haben uns dann gebeten, ihn mal beim Arzt vorzustellen. Dass es vielleicht gar nicht an uns liegen könnte, habe ich vorher gar nicht in Betracht gezogen.

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Inwieweit unterstützt euch die Kita?

Vorweg muss ich sagen, dass wir einen super Kindergarten haben, der uns mega unterstützt. Wir arbeiten eng zusammen und probieren oft neue Dinge aus. Sie schreiben sehr oft Beobachtungsbögen, die sie mir für die ärztliche Behandlung geben. Da er sich auch mit der Feinmotorik schwertut, fordern sie ihn da besonders. Jonas’ Ergotherapeutin kommt regelmäßig in die Kita und bespricht neue Übungen mit der Kita.

Wie ist die Situation jetzt?

Zurzeit sind wir immer noch bei der Ergotherapie. Auch im SPZ (sozialpädriatisches Zentrum) sind wir wieder in Behandlung. Fest steht, dass Jonas eine tiefensensible Wahrnehmungsstörung hat. Konzentration, Ausdauer und Wahrnehmung (vor allem Druck und Schmerz) sind absolut im Keller. Es steht der Verdacht von ADS im Raum. Dies kann unser SPZ aber erst testen, wenn er in die Schule gekommen ist. Bis dahin bleibt uns nur die Ergo und viel Geduld.

Was möchtest du unbedingt zu dem Thema noch loswerden?

Es ist noch nicht lange her, dass es einen Vorfall auf dem Spielplatz gab. Ich habe versucht, der Mutter zu erklären, dass es bei ihm dieses Problem gibt. Sie entgegnete mir nur, dass ich „dann nicht mit so einem Kind auf den Spielplatz gehen sollte, er wäre eine Gefahr für alle“. Ich wünsche mir so sehr, dass man nicht nur denkt, dass die Eltern ihre Kinder nicht unter Kontrolle haben oder nicht erziehen. Manchmal steckt so viel mehr dahinter, wenn ein Kind sich anders benimmt.

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